Bayern München gegen Schalke 04: Das Topspiel des 23. Spieltags

Noch vor Beginn der Bundesliga-Rückrunde hätte man wohl kaum vermutet, dass gut einen Monat später die Partie Bayern München gegen Schalke 04 in der Allianz-Arena zu einer fast schicksalshaften Begegnung zwischen zwei Teams werden würde, die drohen, den Anschluss zu verlieren. Ohne Frage handelt es sich trotzdem um ein Topspiel des 23. Spieltags. Beide Vereine haben eine weit reichende Tradition an Duellen um Meisterschaft oder DFB-Pokal und die Fangruppen sind dementsprechend rivalisiert. Doch um die Tabellenführung geht es am kommenden Sonntag zunächst einmal nicht, denn der Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund ist auf über drei Punkte angewachsen. Dennoch dürfen sowohl die Schalker als auch die Münchener natürlich noch lange nicht abgeschrieben werden.

Bayern München gegen Schalke 04: Die Bayern wanken am Abgrund 

Es herrscht Unruhe an der Säbener Straße, wo die Geschäftsstelle des FC Bayern beheimatet ist. Die Entwicklung der Rückrunde darf den Verantwortlichen gar nicht gefallen haben. Ein Drei-Punkte-Vorsprung vor Borussia Dortmund wurde binnen fünf Spielen zu einem Vier-Punkte-Rückstand auf die Schwarz-Gelben. Die Auswärtsbilanz entsprach überhaupt nicht den Ansprüchen. Zunächst unterlag man in Mönchengladbach und ermöglichte der dortigen Borussia damit weiterhin das Eingreifen ins Meisterschaftsrennen. Anschließend kam man in Hamburg und sogar beim Schlusslicht in Freiburg über ein Remis nicht hinaus. Hinzu kam die kürzliche 0:1-Niederlage beim krassen Außenseiter FC Basel in der Champions League. Einzig das 2:0 in Stuttgart im DFB-Pokal machte Hoffnung. Sämtliche Titelhoffnungen hängen also plötzlich am seidenen Faden.

Zudem gibt es Querelen in der Mannschaft. Der egozentrische Star Arjen Robben kommt nicht mehr in Tritt und spaltet Mannschaft und Fanlager. Bastian Schweinsteiger fällt nach seiner neuerlichen Verletzung wiederum aus und fehlt der Mannschaft an allen Ecken und Enden. Viele Spieler können ihr normales Leistungsniveau derzeit nicht abrufen. Vom Traumfußball der Hinrunde ist man weit entfernt. Gerade jetzt wo es konkret darum geht, die schwache letzte Saison vergessen zu machen, den Meistertitel zurück zu erobern und ins ersehnte Champions League-Endspiel im eigenen Staidon einzuziehen, fallen die Münchener zurück. Der Leistungseinbruch ist fast unerklärlich, denn alles deutete vor der Rückrunde darauf hin, dass Jupp Heynckes das Team hervorragend eingestellt hat und dieses gemeinsam an einem Strang zieht. Nun aber wirkt das Spiel ideen- und fast lustlos. Die Leichtigkeit der Vorrunde ist verloren gegangen. Es muss wieder hart gearbeitet werden.

Doch der FC Bayern wäre nicht der FC Bayern, wenn nicht gerade er die Mittel hätte, um aus einer solchen Krise heraus zu gelangen. Auch wenn, die Chancen auf große Erfolge zuletzt gesunken sind, muss man andererseits auch betonen, dass noch nichts verloren ist. Präsident Uli Hoeneß versucht sich derzeit in taktischen Spielchen, die zum Teil wie Durchhalteparolen wirken, aber auch zur Beruhigung der durch Medien und unzufriedene Fans aufgebauschten Situation beitragen können. Intern werden sicherlich ganz andere Töne angeschlagen. Wenn sich die Mannschaft rechtzeitig zusammen reißt, ist der Rekordmeister noch lange nicht abgeschrieben und kann einem müden Winter einen lebhaften Frühling folgen lassen.

Bayern München gegen Schalke 04: Gemäßigte Achterbahnfahrt des Reviervereins

Weniger dramatisch sieht die Situation für den FC Schalke 04 aus. Dass die Königsblauen überhaupt in das Titelrennen würden eingreifen können, hatte man vor der Saison nicht unbedingt erwartet und schon gar nicht als Ziel ausgegeben. Zu turbulent war die Vorsaison verlaufen: In der Liga ein blamabler Platz 14, in der Champions League dagegen das sensationelle Erreichen des Halbfinales und zum krönenden Abschluss der Triumph im DFB-Pokal, dem ein Sieg beim FC Bayern im Halbfinale vorausging. So turbulent ging es in der laufenden Saison höchstens neben dem Platz zu. Der überraschende Abgang des psychisch angeschlagenen Trainers Ralf Rangnick, die Verpflichtung des früheren Erfolgscoaches Huub Stevens und das erst kürzlich erschienene Buch des einstigen Klub-Mäzens Rudi Aussauer, der darin nicht nur sein Leben für Schalke, sondern auch den Umgang mit seiner Alzheimer-Krankheit thematisisert.

Abgesehen davon machten die Knappen aber eine Menge sportlicher Schlagzeilen, die fast ausnehmend positiv waren. Das Mannschaftsgefüge wirkt trotz zum Teil exzentrischer Stars wie Jefferson Farfan, Klaas Jan Huntelaar und Raul ausgewogen und gut zusammen gewachsen. Dank dieser Offensivqualitäten gelang schon manch beeindruckender Sieg mit vielen Treffern. Huntelaar zog beim 4:0 über Wolfsburg in der Torjägerliste mit Mario Gomez gleich. Beide führen nun mit jeweils 18 Toren. In der Defensive finden sich dagegen des öfteren einige Lücken, weshalb das Team bisweilen gegen andere Topteams böse unter die Räder kam oder Rückstände aufholen musste. Die Niederlagen gegen die Bayern im Hinspiel (0:2), in Dortmund (0:2) oder kürzlich in Gladbach (0:3) belegen eigentlich Huub Stevens, der vor allzu großer Euphorie warnte und sein Team für die deutsche Meisterschaft noch nicht reif genug hält. Hinzu kommt die Doppelbelastung durch die Europa League, wo Schalke bislang auch dank einer günstigen Auslosung gut unterwegs war und noch einige Runden weit kommen kann. Die mäßigen Partien gegen Tschechiens Meister Viktoria Pilsen, als man schließlich erst in der Verlängerung weiter kam – dank dreier Huntelaar-Treffer – zeigen aber auch hier, dass die Schalker zwei Gesichter haben.

Der ganz große Wurf für die seit Jahrzehnten nach dem Titel schmachtenden königsblauen Anhänger scheint aller Voraussicht nach also auch nicht in dieser Saison zu gelingen. Der Einzug in die Champions League ist dagegen schon fast sicher und dürfte unabhängig vom Verlauf der Restsaison als beachtliches Erfolgserlebnis angesehen werden. Ein Sieg bei den Bayern wäre allerdings mehr als ein Prestigeerfolg und sollte dem Team den insgeheimen Glauben schenken, dass sogar noch mehr möglich sein könnte

Prognose: Ein Heimspiel steht an für den FC Bayern und doch spricht eigentlich nicht viel für die Gastgeber. Die Favoritenrolle ist jedenfalls nicht eindeutig verteilt. Andererseits waren auch die Schalker zuletzt meist nicht sehr überzeugend unterwegs. Und die Auftritte im Europacup geben ebenfalls nicht zu übertriebener Euphorie Anlass. Bayern München gegen Schalke 04 endet nach einem enttäuschenden Spiel mit einem müden 1:1.

Eine Meinung

  1. Das der FC Bayern München am Abgrund wankt, halte ich schon für eine sehr übertriebene Aussage. Denn schließlich ist die Mannschaft auf Platz drei in der Bundesliga und nicht auf dem 16. oder 17. Platz.

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.