Schluss mit der Randale beim Fußball! Die deutsche Fanszene distanziert sich von gewaltbereiten Ultras

Das Thema Gewalt in deutschen Fußballstadien ist leider fast permanent aktuell. Quasi wöchentlich stören wenige Idioten den Spielbetrieb durch das sinnlose Abbrennen von Feuerwerkskörpern und durch aggressive Randale. Hier eine Auflistung einiger Schlüsselereignisse jüngster Vergangenheit:

Randale beim Fußball: Beispiele des Irrsinns

  • Mai 2011: „Fans“ von Eintrach Frankfurt stürmen nach einer bitteren Heimniederlage gegen den 1. FC Köln das Spielfeld. Spieler und Betreuer verlassen fluchtartig die Spielfläche, der Sach- und Imageschaden ist groß. Wenige Wochen darauf geben sich die Frankfurter Ultras den Titel „Deutscher Randalemeister 2011“.
  • 25.10.2011: Ultras von Dynamo Dresden stören beim Gastpiel im DFB-Pokal in Dortmund das Spiel massiv durch das Abrennen von Feuerwerkskörpern. Das Spiel steht kurz vor dem Abbruch.
  • Oktober 2011: Trotz massiver Sicherheitskontrollen beim „Hochrisikospiel“ Hansa Rostock gegen St. Pauli kommt es zu massiven Auseinandersetzungen während des Nordderbys. Die Anfeidungen der verhassten Fanlager aus linken St. Pauli Ultras und rechten Rostockern enden im extremen Einsatz von Pyrotechnik. Letztendlich schießen Rostocker Krawallmacher gar eine Silversterrakete in den Block der St. Pauli-Anhänger. Weite Teile des Rostocker Publikums geben ihre Sympathie dazu offen kund. Fußballfans deutschlandweit sind verstört.
  • Januar 2012, Bei einem eigentlich harmlosen Hallentunier in Hamburg kommt es zu Auseinandersetzungen von Anhängern des FC St. Pauli und dem VFB Lübeck. Heftige Schlägereien können nur durch massiven Polizeieinsatz beendet werden. Es gibt viele Verletze.

Wenn man sich diese Beispiele vor Augen führt, kann man eigentlich nur entsetzt sein. Dazu kommt ein großes Unverständnis angesichts der offentsichtlichen Sinnlosigkeit der Geschehnisse. Die Vorkommnisse der Vergangenheit haben den DFB dazu veranlasst, in seiner Sanktionspolitik härter durchzugreifen. So wurde beispielsweise Dynamo Dresden vom nächstjährigen DFB-Pokal ausgeschlossen. Ein Urteil, das es in solch einer Form noch nie gegeben hat. Kritiker finden dies jedoch unverhältnismäßig, da man auch die Mehrheit der friedlichen Fans bestrafe, so deren Argumentation. Doch was bleibt dem DFB übrig.

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Randale beim Fußball: harte Sanktionen

Einzelnen Übertätern kann man nur dann das Handwerk legen, wenn es eine starke Gegenbewegung zur Gewalt gibt. So wird das Verhindern der Gewalt durch Furcht vor eigenen Nachteilen gefördert, man kann sich als Fan nicht mehr aus allem heraushalten. Strafen in der Größenordnung des Urteils gegen D.Dresden wird es in Zukunft öfter geben, die üblichen Geldstrafen im niedrigen vierstelligen Bereich sind für die Vereine schlichtweg nicht gravierend genug um massiver einzugreifen und gegen Hooligans vorzugehen und Randale beim Fußball zu verhindern.

Vor dem morgigen Fankongress in Berlin fiel eine repräsentative Umfrage des DFB auf, in welcher sich 84,4 der an Fußball interessierten Teilnehmer strikt gegen den Einsatz von Pyrotechnik aussprechen. Auch eine friedliche Nutzung („Pyrotechnik ist ein Verbrechen“) wird von den Menschen sinnvollerweise abgelehnt. Damit hat man auf der Seite der Pyro-Gegner ein Argument, welches alle anderen, die für einen friedlichen Gebrauch von Feuerwerkskörpern sind, aussticht. Die Grenze zwischen friedlicher Nutzung und Randalen ist jedoch auch schwer auszumachen. Der Protest bei Ultra-Gruppierungen ist natürlich groß, doch man wird auf lange Sicht keine Wahl haben.

Randale beim Fußball: Ultras

Generell sollte man sich solche Gruppierungen einmal genauer betrachten. Diese Gruppen von extremen Fans sehen sich oft als einzig wahre Anhänger des Vereins und sind nach eigenem Befinden für die Stimmung in den Fankurven verantwortlichen. Dass das nicht stimmt sondern eher das Gegenteil der Fall ist, kann man im 11 FREUNDE Magazin (Ausgabe #85) nachlesen – hier würde es den Rahmen des Artikels sprengen. Was noch auffälllt und die Grenze zwischen Ultra-Fans und Hooligans zunehmend verschwimmen lässt, ist die scheinbar notwendige politische Ausrichtung einer Fangruppe. Linke Hamburger Ultras treffen auf rechte Lübecker Anhänger und es kommt zu Krawallen. Neben dem politischen Aspekt, welcher nach Meinung vieler kluger Köpfe schlichtweg überflüssig und fehl am Platz ist, ist oft der lokale Aspekt verantwortlich für Anfeindungen der rivalisierenden Szenen.

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Ausblick

Was bleibt nun also festzuhalten? Schärfere Strafen sind unumgänglich, das ist klar. Doch auch bei der großen Mehrheit aus vernünftigen Fußballfans muss es eine Veränderung hin zum sichtbaren Gegenprotest geben. Die Umfrage ist ein erstes starkes Signal, doch es müssen weitere kommen. Ansonsten ist es nur eine Frage der Zeit bis wir den ersten Fan-Toten bedauern müssen.

Eine Meinung

  1. Da hat aber wieder jemand sehr weit gedacht. Könnte auch von der Bild sein der Artikel.Mit dem Finger zeigen können wir alle schnell – ich bin kein Ultra und sehe die Szene nicht nur positiv. Aber vielleicht sollte man eine Umfrage erstmal hinterfragen – wer wurde gefragt, wie wurde gefragt, was wurde gefragt.. Aber selbst etwas recherchieren und objektiv bewerten ist auch zu anspruchsvoll..Um es mit den Worten des Beitrages zu sagen: Generell sollte man den Betrag vor dem veröffentlichen einmal genauer betrachten.

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