Fünf Talkshows machen die ARD zum Quasselsender Nummer eins

Talkshows der ARD: Dauertalk im Ersten

Das Jahr 2012 begann so wie das Jahr 2011 aufgehört hat. Die Medienwelt wird immer rasanter, die politischen Ereignisse überschlagen sich, „Breaking News“ wo man hinschaut. Doch das Erste deutsche Fernsehen, die ARD, hat sich gewappnet für eine Fülle von gleichzeitig vor sich hin brodelnden Krisenherden. Mit sage und schreibe fünf politischen Talkschows ist man nun in der Lage auch jedes kleinste Detail auszudiskutieren und jedem scheinbar noch so wichtigem Ereignis gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Montags um 21h beginnt Frank Plasberg mit „hart aber fair“ die Talkwoche und am Sonntag schließt Günther Jauch sie zur bestmöglichen Sendezeit mit seiner gleichnamigen Sendung. So weit, so gut. Doch dazwischen wird noch bei „Menschen bei Maischberger“, „Anne Will“ und bei „Beckmann“ munter weiter gequasselt. Und als wäre das nicht genug kommt jetzt der quotenverwöhnte Thomas Gottschalk noch mit einem Vorabendtalk dazu.

Talkshows der ARD: Sendungen. Protagonisten. Stillstand.

Es steht außer Frage, dass diese Menge an Talkshows der ARD Vor- und Nachteile hat. Wer interessiert ist, kann nahezu jeden Tag politische Diskussionen angucken, wer weniger interessiert ist, kann sich seine Lieblingstalker heraussuchen und wer keine mag, für den gibt es ja noch Maybrit Illner und Softtalker Markus Lanz im ZDF. Für Nachschub ist folglich stets gesorgt. Negativ fällt auf, dass es sehr oft die selben Themen sind, welche in unterschiedlichen Sendungen behandelt werden. Das zeigte sich jüngst beim Dauerthema Christian Wulff. Kaum ein Abend ohne Wulff-Talk. Wobei hier natürlich auch der Bundespräsident stets für neuen Gesprächstoff sorgte, zur Freude der Intendaten und Programmchefs. Weiter fällt auf, dass sich ein Repertoire an Gesprächspartnern quasi etabliert hat. Personen wie Peter Scholl-Latour, Richard David Precht oder auch „Mr. Dax“ Dirk Müller sind omnipresänt. Dazu kommen noch die üblichen Entsannten der Parteien, welche meist nur für ihre Partei sprechen anstatt ihre persönliche Meinung darzulegen. Altmeier, Gabriel, Niebel oder Gysi sind nur einige Beispiele. Der Zuschauer wird nich gerade von einer wahnsinnigen Spannung erfasst, wenn ihm diese Personen angekündigt werden, sie sind weitesgehend bekannt.

Außerdem fällt auf, dass die Sendungen sich alle auf einem ähnlichem Niveau bewegen. Selbst Günther Jauch kann sich mit seinem guten Sendeplatz nicht zu einer politischen Bühne entwickeln. Seine Sendung, welche in Zügen oft stark an sein ehemaliges Verbrauchermagazin „Stern TV“ erinnert, ist weit davon entfernt ein wirklich wichtiges Element in der deutschen Politik zu werden. Seit Sabine Christiansen hat dies keine Talkshow mehr so recht geschafft. In Christiansen Sendung war stets die Crème de la Crème des deutschen Politikzirkus' aufgetreten. Wenn heute jemand Angela Merkel für eine Diskussion gewinnen möchte, bekommt diese, wie so geschehen bei Jauch gleich eine ganze Sendung für sich allein. Ein Format was politisch wichtig ist, gibt es leider nicht mehr. Ich glaube jedenfalls nicht, dass man im Kanzleramt großen Wert auf die Aussagen in den Sendungen legt. Dafür sind die Sendungen im Moment zu schwach.

Talkshows der ARD: Nun also auch noch Gottschalk

Als würden die Polittalks der ARD nicht reichen, hat man sich jetzt auch noch die Dienste von Super-Moderator Thomas Gottschalk gesichert. In seiner Sendung sollen Gäste von Lady GaGa bis Angela Merkel auftreten. Kritiker mit Humor mögen nun anmerken, dass das keine sonderlich große Spanne von verschiedene Persönlichkeiten sei – doch der Durchschnittsdeutsche ist mit Sicherheit sehr gespannt.

Was bedeutet das nun für uns Fernsehschauer? Natürlich möchte die ARD den Bildungsaspekt ihres Programmes erhalten, doch die Frage, ob man mit dieser Fülle von politischer Bildung nicht das Gegenteil erreicht, bleibt offen. Auch das sich in der Einschaltquote wiederspiegelnde Desinteresse dürfte bei der Qualität und Quantität der Sendungen bei so Manchem noch steigen. Dagegen bleiben andere Formate wie Dokumentationen, Reportagesendungen oder Unterhaltungsprogramme zunehmend auf der Strecke. Für den Politikinteressierten hat es jedoch auch immense Vorteile, er braucht schließlich nur den Fernseher anmachen, um seinen Bildungshunger zu stillen – egal wann, irgendwer wird schon darüber reden.
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