Stabiles Internet im ländlichen Raum: Das Comeback der Satelliten

Satellit, der um die Erde kreist. Sie sind die Lösung für Internetim ländlichen Raum.

Deutschland ist nicht gerade für sein schnelles Mobilfunknetz oder stabiles Internet bekannt und wer ab und an im Zug unterwegs ist, weiß sehr gut, was Funklöcher sind. Je weiter man sich von den Städten entfernt, desto instabiler werden Telefonie und Internetverbindung. Schon in vielen Dörfern kommt es regelmäßig zu Problemen mit dem Mobilfunknetz und dem heimischen WLAN.

Wer abgelegener auf dem Land lebt, für den gehört das analoge Leben teilweise noch zum Alltag. Seit wenigen Jahren jedoch gibt es auch in Deutschland eine Lösung hierfür. Internet per Satellit ist dank Produkten wie Starlink sowie in Kürze Amazon Leo auch für Privathaushalte oder Reisende verfügbar. Satellit bedeutet dabei keineswegs Rückschritt, denn die Geschwindigkeiten können sich sehen lassen.

Internet in jedem Funkloch

Wer an Satellitentechnologie denkt, sieht vor seinem geistigen Auge vermutlich die alten, klobigen Satellitentelefone der 90er Jahre oder die klassische Satellitenschüssel auf dem Dach für den Empfang einer vergleichsweise kleinen Auswahl von TV-Sendern. Inzwischen wurde so ziemlich überall in Deutschland auf Glasfaser oder zumindest klassisches Kabel gewechselt.

Allerdings hat dieser Ausbau in Deutschland flächenmäßig gigantische Lücken. Genau die Lücken füllen jetzt hochmoderne Satelliten für Balkon, Garten, Dach oder sogar Camper. Vom Design her wirken die im Handel erhältlichen Internet-Satellitenschüsseln geradezu futuristisch.

Im Alltag sind sie erstaunlich belastbar, sowohl physisch durch Wind und Wetter als auch was ihre Nutzung anbelangt. Selbst wenn ein Dutzend internetfähiger Geräte an das Satelliten-WLAN angeschlossen sind, läuft es in der Regel reibungslos und mit der je nach Vertrag vereinbarten maximalen Downloadgeschwindigkeit.

Homeoffice mit Videokonferenzen, HQ-Streaming von Filmen und Serien oder ausgiebige Entertainment-Sessions im Online Casino oder bei Online-Videospielen sind problemlos und ohne Unterbrechungen möglich. Für Menschen im ländlichen Raum ist das Satelliten-Internet oft die einzige Möglichkeit, überhaupt online gehen zu können.

Voraussetzungen und Ausschlusskriterien für die Nutzung

Während Internet-Satellitenschüsseln für einige Menschen die einzige Lösung sind, eignen sie sich nicht pauschal für jeden Haushalt. Wie andere Satellitenschüsseln müssen auch Starlink und Co freie Sicht zum Himmel haben. Die meisten Menschen platzieren sie aus diesem Grunde auf das Dach.

Alternativ bieten sich andere offene Flächen an, beispielsweise eine große Terrasse oder der Garten. Entscheidend ist die freie Sicht zum Himmel, und zwar in einem 360°-Radius. Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Spezifikation. Die Satelliten müssen nämlich leicht geneigt in Richtung Norden zeigen.

Deswegen ist auch das Aufstellen oder Anbringen an vielen Balkons nicht möglich, wenn diese beispielsweise nach Süden ausgerichtet sind. Die Schüssel muss nicht zu 100 % im korrekten Winkel angebracht werden, um stabiles Internet zu gewährleisten. Dennoch müssen die genannten Mindestanforderungen grundsätzlich erfüllt sein.

Ob der anvisierte Aufstellplatz später auch funktioniert lässt sich mit der App des Herstellers und der Handykamera vorher testen. Das Handy scannt dann mithilfe der App den Himmel und gibt Hinweise auf mögliche Obstruktionen, wie hohe Bäume in der Nähe oder andere Objekte, die die freie Sicht versperren könnten.

Das Problem mit dem Kabel

Das größte praktische Manko für die dauerhafte Nutzung aber ist das Internetkabel, das die Schüssel mit dem Router verbindet. Auch wenn der Router an sich für kabelloses Internet sorgt, muss er selbst in zwei Richtungen angeschlossen sein. Zum einen das Stromkabel bis zur nächstgelegenen Steckdose.

Zum anderen müssen der Router und die Schüssel direkt miteinander verbunden werden. Die Schüssel erhält darüber den von ihr benötigten Strom und liefert das Internet zum Router. Das heißt, es muss zwingend ein Kabel von innen nach außen verlegt werden. Wie genau das passiert, bleibt jeder/jedem selbst überlassen. 

Die meisten Nutzer bohren hierfür ein passendes Loch, andere nutzen Lücken bei Fenstern oder Türen. In jedem Fall ist dies ein ganz klarer Nachteil des gesamten Konzepts, für welches es auch so schnell keine Lösung geben dürfte. 

So funktioniert das Internet aus dem All

Das Prinzip hinter dem Satelliten-Internet klingt zunächst deutlich komplizierter, als es in Wahrheit ist. Im Grunde ersetzt die Satellitenschüssel den klassischen Internetanschluss im Haus. Statt Daten über Telefonleitungen, Kabel oder Mobilfunkmasten zu empfangen, werden sie direkt zwischen Haushalt und Satellit ausgetauscht.

Die auf dem Dach oder im Garten platzierte Schüssel kommuniziert dabei permanent mit mehreren Satelliten gleichzeitig, die sich in niedriger Umlaufbahn um die Erde bewegen. Anders als ältere Satellitensysteme befinden sich moderne Internet-Satelliten nicht Tausende Kilometer entfernt im Orbit, sondern vergleichsweise nah an der Erdoberfläche.

Dadurch werden deutlich schnellere Reaktionszeiten und höhere Geschwindigkeiten möglich. Sobald beispielsweise ein Film gestreamt, eine Webseite geöffnet oder ein Online-Spiel gestartet wird, sendet der Router die Anfrage an die Satellitenschüssel weiter. 

Diese überträgt die Daten an einen Satelliten im All, welcher die Informationen wiederum an eine Bodenstation auf der Erde weiterleitet. Die Antwort nimmt anschließend denselben Weg zurück bis zum Router im Haus.

Für Nutzer geschieht dieser gesamte Vorgang innerhalb weniger Millisekunden. Im Alltag unterscheidet sich Satelliten-Internet deshalb kaum noch von klassischem Kabelinternet. Webseiten laden schnell, Videokonferenzen laufen stabil und auch datenintensive Anwendungen funktionieren inzwischen problemlos.

Tausende Satelliten umkreisen bereits die Erde

Damit Satelliten-Internet überhaupt funktionieren kann, befinden sich inzwischen Tausende Kommunikationssatelliten im Orbit. Allein Starlink verfügt bereits über mehrere Tausend aktive Satelliten und das Netzwerk wächst kontinuierlich weiter. Auch andere Unternehmen arbeiten derzeit an eigenen Systemen, darunter Amazon mit seinem Projekt Kuiper oder europäische Anbieter wie Eutelsat und OneWeb.

Die meisten modernen Internet-Satelliten bewegen sich in einer vergleichsweise niedrigen Umlaufbahn rund um die Erde. Dadurch können sie deutlich schneller Daten übertragen als ältere Satellitenmodelle, was sie für die modernen Ansprüche der Menschen an die Internetgeschwindigkeit ideal macht.

Vollkommen wartungsfrei sind diese Systeme allerdings nicht. Die durchschnittliche Lebensdauer moderner Internet-Satelliten liegt meist bei ungefähr fünf bis zehn Jahren. Danach verlieren viele Komponenten im All langsam ihre Funktionstüchtigkeit oder der Treibstoff für kleinere Kurskorrekturen geht zur Neige.

Aus diesem Grund werden regelmäßig neue Satelliten gestartet und ältere Modelle ersetzt. Immer wieder wird außerdem die Frage gestellt, ob solche Satelliten abstürzen können. Grundsätzlich ist das tatsächlich möglich. Allerdings sind moderne Systeme genau für diesen Fall vorbereitet. Alte oder defekte Satelliten werden kontrolliert zurück in die Erdatmosphäre gelenkt, wo sie in den meisten Fällen vollständig verglühen. Zu unkontrollierten Abstürzen, die zu Beschädigungen oder gar Verletzungen geführt haben, ist es bislang nicht gekommen. 

 

Bildherkunft: Unsplash, kevin-stadnyk, HsqBGASgXJA

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