Filmklassiker: die 10 besten Filme mit Bogart, Dean & Co

Was sind eigentlich Filmklassiker?- Filme, die man nach landläufiger Meinung, einfach gesehen haben muss. Besondere Stilikonen wie James Dean oder Marylin Monroe machen diese Filme zudem zu einem wahren Erlebnis.  Solche Film stammen zumeist aus den goldenen Jahren der Lichtspielhäuser von den 30er bis zum Ende der 60er Jahre . Filme, die Meilensteine der Filmgeschichte wurden, und deren Redewendungen schon in den Sprachgebrauch übergegangen sind, wie z.B. „Schau mir in die Augen, Kleines“ („Here's looking at you, kid!“) aus „Casablanca“, der 1942 mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann verfilmt worden ist.
Das Schöne ist, dass jeder seine eigenen Filmklassiker hat, sodass niemand nörgeln darf, dass „Frühstück bei Tiffany“, „African Queen“, „Der rosarote Panther“, „Casablanca“, „Sein oder Nichtsein“, „Frauen, von denen man spricht“, „Die Feuerzangenbowle“, „Die Reifeprüfung“ oder auch „Die glorreichen Sieben“ nicht bei den Top 10 sind; aber sie haben es wirklich nur ganz knapp verfehlt.

Filmklassiker: Die Top 10

1

Bettgeflüster am Telefon

„Bettgeflüster“ ist eine Verwechslungskomödie mit Doris Day und Rock Hudson- ja, auch 1959 wurden schon Verwechslungskomödien gedreht. Der Film von Michael Gordon ist der erste Klassiker von drei Komödien, in denen Doris Day, Rock Hudson und Tony Randamm als Trio brillieren. Die Innenarchitektin Jan Morrow muss sich mit dem Casanova Brad Allen, der ständig mit seinen weiblichen Bekanntschaften telefoniert, einen Telefonanschluss teilen, d.h. sie können immer alle Gespräche des anderen mithören. Vor allem der sittlichere Jan entwickelt gegenüber Brads lockerem Lebenswandel eine regelrechte Abneigung ihm gegenüber, während Brad sie einfach nur als „alte Jungfer“ veralbert. Als sie sich aber begegnen, verfällt Brad der wunderschönen Frau und wissend, dass er mit seiner wahren Identität niemals Chancen bei ihr haben wird, beginnt er sie unter falschem Namen zu treffen.

Mit Brads bestem Freund und gleichzeitigem Verehrer (Tony Randamm) von der charmant-naiven Jan, ihrem Chef und spannenden Telefongesprächen gelang es dem Film für fünf Oscars nominiert zu werden, u.a. wurde Doris Day als beste Hauptdarstellerin nominiert. Natürlich sind die Charaktere in dem Film nicht wirklich emanzipiert. Jan hat zwar immerhin einen Job als Innenarchitektin, ist aber weit von einer Angelina Jolie in „Mr.&Mrs. Smith“ entfernt; stattdessen lässt sie sich in ihrer liebevoll, platten Art von einem typischen Machocharakter der 50-er Jahre dominieren. Aber wen interessiert das schon bei all der Situationskomik, den Kostümen und Frisuren, „dem Traumpaar“ Doris und Rock und ihrem schlagfertigem Gezanke am Telefon. „Bettgeflüster“ (Trailer) ist eine romantische Komödie aus einer anderen Zeit.

2

Cleopatra mit Elisabeth Taylor

Das 1963 gedrehte Monumentalepos ist ein Film der Superlative. Bis „Avatar-Aufbruch nach Pandora“ verfilmt wurde, war es der teuerste Film aller Zeiten; zuerst mussten Rom und Alexandria als Kulissen nachgebaut werden, dann wurde das Drehbuch nicht rechtzeitig fertig, die Hauptdarstellerin Elizabeth Taylor erkrankte wiederholt schwer und all das drängte 20th Century Fox an den Rand des Ruin. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, denn der  Film „Cleopatra“ (Trailer) mit Elizabeth Taylor ist nicht nur eine der historischsten Verfilmungen über das Leben der ägyptischen Königin und ihre politischen Ränke, sondern auch einer der lukrativsten Spielfilme aller Zeiten.
Während der Dreharbeiten verliebten sich die anderweitig verheirateten Hauptdarsteller Elizabeth Taylor und Richard Burton ineinander. Sie verursachten damit einen der größten Skandale der 60-er Jahre; heirateten dafür aber bekanntlich auch zweimal. Der Film, dessen verkürzte Fassung vier Stunden dauert, beginnt mit dem Machtkampf um den Thron zwischen Kleopatra und ihrem Bruder, bei dem Julius Gaius Caesar (Rex Harrison) sich auf die Seite der sagenumwobenen Frau stellt. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen vermied es der Regisseur, Joseph L. Mankiewicz, die Königin als die Femme fatale des Morgenlandes darzustellen, stattdessen erscheint sie als eine kluge, machtbewusste und starke Frau, die ihre Ziele durchsetzt. Naja, und dann kommt die ganze klassische Geschichte bis zum bitteren Ende in Gange. Erwähnenswert schön ist die Streitliebesszene zwischen Cleopatra und Marcus Antonius (Richard Burton), kurz bevor er sich das Leben nimmt.

3

Die Drei von der Tankstelle

„Die Drei von der Tankstelle“ (Trailer) ist ein ganz alter, schwungvoller Film von 1930. Gedreht wurde die schwarz-weiß Operette in einer Zeit, als Deutschland wirtschaftlich darniederlag und eine der höchsten Arbeitslosenquoten aller Zeiten hatte. Dieser Depression setzt der Film eine einzige Nachricht entgegen: Alles ist gut; die Welt ist in Ordnung! Und genau deshalb ist der Musikfilm auch heute noch immer zu empfehlen. Die drei Freunde Willy (Willy Fritsch), Kurt (Oskar Karlweis) und Hans (Heinz Rühmann) müssen feststellen, dass sie pleite sind; einzig ihren Hund und ein Auto haben sie noch. Aber anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, verkaufen sie kurzerhand ihr Auto und gründen die Tankstelle „Zum Kuckuck“, in der sie nun im Schichtwechsel arbeiten. Dort lernen die drei unabhängig voneinander Fräulein Lilian (Lilian Harvey) kennen und verlieben sich. Sie ist anfangs ein bißchen untentschlossen für wen ihr Herz schlägt, entscheidet sich dann aber für Willy. Doch damit fangen die Turbulenzen erst an. Aus dem Film stammt das berühmte Lied „Ein Freund, ein guter Freund…“ und es folgte bereits 1955 eine Neuverfilmung. Doch herrscht allgemein der Grundkonsens, dass keine der folgenden Verfilmungen an das Original von 1930 heranreichen kann. Während des Dritten Reiches wurde die Operette wegen „undeutscher“ Frivolitäten verboten.

4

Tanz der Vampire

„Tanz der Vampire“ (Trailer) ist eine Horrorkomödie von 1967. Verfilmt wurde sie von Roman Polanski, der auch eine der Hauptrollen in dem Film übernahm, und damals noch keine fragwürdig-traurige Berühmtheit war. Bekannt ist die Geschichte inzwischen auch aus dem Musical „Tanz der Vampire“.
Professor Ambrosius (herrlich: Jack Mc Gowan) hat einige sehr gewagte Theorien über den Vampirismus und reist gemeinsam mit seinem Assisten Alfred (Roman Polanski) nach Transsylvannien, um diesen nachzugehen. Sie treffen dabei eine junge, hübsche Wirtstocher, ein Vampirschloß, in dem ein Ball gegeben wird und müssen sich auf verschiedenen Wegen mit den Blutsaugern auseinandersetzen. Besonders der letzte Satz der Horrorkomödie, den ich dreisterweise vorwegnehmen werde, hat Kultstatus erlangt: „In jener Nacht wusste Professor Ambrosius noch nicht, dass er das Böse, das er für immer zu vernichten gehofft hatte, mit sich schleppte. Mit seiner Hilfe konnte es sich endlich über die ganze Welt ausbreiten.“

Der Film ist ein phantasievolles Vergnügen, das manchmal etwas eklig wirkt, immer ein bißchen Grusel verbreitet und viel Situationskomik hat. Vor allem ist es aber auch eine politische Satire über das aufgeklärte Bürgertum und seinem Kampf mit der, im wahrsten Sinne des Wortes, blutsaugerischen Aristokratie. Dieser Aspekt wird aber in der auf politische Korrektheit geschönten deutschen Version kaum deutlich. Eine sehr schöne Kritik und Beschreibung zum Film findet sich hier.

5

Mary Poppins

„Mary Poppins“ (Trailer) ist DER Kindheitsfilm ganzer Generationen und ein Filmklassiker schlechthin. Das Musical ist 1964 von Robert Stevenson verfilmt worden und ist eine Adaption des gleichnamigen Buches von P.L. Travers, die es 1934 veröffentlichte. Im Buch ist Mary Poppins aber nicht das liebevolle und nette Kindermädchen, wie es Julie Andrews verkörperte, sondern eine schnippige und engstirnige Frau. Die Abwandlung erscheint mir aber gerechtfertigt, sonst hätten Generationen von Kindern kein Traumkindermädchen gehabt. Die Musik für den Musicalfilm ist von den Brüdern Richard M. Sherman und Robert B. Sherman komponiert worden, die dafür einen Oscar erhielten. Insgesamt war der Film für 13 Oscars nominiert und wurde in 5 Kategorien auch tatsächlich ausgezeichnet, u.a. Julie Andrews als beste Hauptdarstellerin, die damit eine Weltkarriere begann.

Die Familie Banks ist exemplarisch für eine Familie der oberen Mittelschicht in Großbritannien kurz bevor der Erste Weltkrieg ausbricht. Der Vater arbeitet bei der Bank, während die Mutter eine Suffragette ist. Die Eltern bemühen sich, ihre beiden Kinder, Jane und Michael, zu ihrer Vorstellung nach ehrbaren Menschen zu erziehen, d.h. diszipliniert, verantwortungsbewußt, karriereorientiert etc. und die Kinder wollen ihr Bedürfnis nach Kindheit ausleben und zerschleissen jedes Kindermädchen. Der Konflikt scheint nicht lösbar. Und dann kommt Mary Poppins, die Supernanny der 60-er. Sie zeigt den Kindern, dass Arbeit Spaß bringt, Bedürftigen zu helfen und sich aus ihrer angeborenen Gesellschaftsschicht zu lösen. Sie und ihr Freund Bert (Dick van Dyke) springen mit den Kindern in ein Bild und erleben dort wunderbare Abenteuer voller Magie, machen Teepartys unter der Wohnzimmerdecke und entdecken die Musik: „Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittre Medizin versüßt…!“ Schließlich wird es dem „preußischen“ Vater zu bunt, er nimmt die Kinder mit zur Bank und will ihnen den Ernst des Lebens zeigen. Dort aber kommt es zum Eklat!

Der Film hat das zeitlose Thema, dass die Kindheit bewahrt werden muss, und dass auch Erwachsenen mal Kind sein dürfen. Dies setzt er voller Phantasie, mit viel Gesang und Tanz und einem bittersüßen Ende um.

6

West Side Story

Die „West Side Story“ (Trailer) ist eine Musical Verfilmung von 1961 und lehnt sich an Shakespeares „Romeo und Julia“ an. In einem New Yorker Elendsviertel der 50-er Jahre führen zwei Gangs einen brutalen Bandenkrieg. Die puerto-ricanischen Sharks versus die amerikanischen Jets. Die Idee für die moderne Inszenierung hatte Jerome Robbins und die Musik wurde von Leonard Bernstein komponiert.

Wie es kommen muss, verliebt sich die Schwester, Maria, des Sharksanführers in Tony, der eng mit dem Anführer der Jets verbandelt ist, und die beiden taumeln in eine tragische Geschichte. Der Film erhielt 10 Oscars. Er zeigt unkonventionelle Ballettszenen und immer wieder abwechselnd tragische und komische Musik. Das musikalische Repertoire erstreckt sich von Jazz über Oper zu Unterhaltungsmusik bis zum Lateinamerikanschen.

7

Ben Hur

„Ben Hur“ (Trailer), was für ein Film: ein zeitloses Sandalenepos, mächtig, dramatisch und bildgewaltig, technisch brillant für seine Entstehungszeit, ein Monumentalfilm mit blutgetränkten Massenszenen und legendären Ereignissen wie „Das Wagenrennen“, kurz: Für solche Filme wurde das Kino erfunden! Übrigens, kein Film bekam jemals mehr Oscars als „Ben Hur“; zwar können auch „Titanic“ und „Herr der Ringe-Die Rückkehr des Königs“ elf Goldjungen aufweisen, aber in Kategorien, die es damals noch nicht gab. Daher sagen eingefleischte „Ben Hur“ Fans, dass das nicht zählt. Der Film ist eine Adaption des Bestsellers von Lew Wallace, der 1880 erschien.

Ich traue mich kaum, die dermaßen komplexe Handlung des US- amerikanischen Spielfilms in ein paar Sätzen einzufangen; selbst ein paar Seiten würden ihm nicht gerecht werden. Aber gut, der Regisseur des Films, William Wyler, dessen erster Assistent übrigens Sergio Leone war, aber zu dem später, amüsierte sich einst in einem Interview über sich und seinen Film. Er fand es urkomisch, dass er, als Jude einen der wichtigsten Filme des Christentums drehe. Und auch, wenn der Film selbst ein Monumentalfilm sein will; er ist auch ein Bibelfilm. Das Epos zeigt die Anfänge des Christentums, die damals noch unendliche Macht des Römischen Reiches und deren brutales Aufeinandertreffen. Die politischen und religiösen Veränderungen spiegeln sich wider im Leben zweier einst bester Freunde: Der jüdische Prinz Judah Ben Hur (Charles Heston) und der römische Soldat Messala (Costar Stephen Boyd). Ihre Freundschaft gerät zwischen die Fronten der jüdischen Aufstände in Jerusalem und Ben Hur verliert durch Messalas Intrigen seine Familie, sein Vermögen und seine Freiheit. Er wird Galeerensklave auf einem Schiff; doch sein Glaube, Glück und vor allem sein unversöhnlicher Hass auf Messala lassen ihn gegen sein Schicksal aufbegehren. Als Adoptivsohn eines römischen Konsuls treffen er und Messala sich einige Jahre später bei einem Wagenrennen auf Leben und Tod in der Arena wieder. Dieses Wagenrennen zählt zu einer der bedeutendsten und legendärsten Szenen in der Filmgeschichte. Der Regisseur ließ für die neun Minuten lange Sequenz fünf Wochen lang proben! Messala wird bei dem Rennen tödlich verwundet und Ben Hur macht sich, nach dem Tod seines Widersachers, auf den Weg, sein altes Familienglück wiederzuerlangen. Der Film endet mit der, vor allen von Atheisten kritisch gesehenen Kreuzigung Jesu Christus, dessen Weg Ben Hurs bereits früher kreuzte. Doch erst jetzt begreift Ben Hur Christus' Nachricht:Liebe und Vergebung!

Der Film wurde fünf Jahre lang geplant und zwei Jahre lang gedreht. Der Regisseur Wyler trieb wiederholt alle in den Wahnsinn mit seinem Perfektionismus. Der Produzent des Teams starb kurz vor der Fertigstellung des Epos an einem Herzinfarkt, Gerüchten zufolge, aufgrund des vielen Stress'. Es gab 365 Sprechrollen in dem Film, es sind 50 Galeeren gebaut worden und über 50 000 Statisten bevölkerten die Massenszenen. Aber, die Produktionsfirma MGM stand schon vor Drehbeginn des Films an den Grenzen seiner Liquidität und musste einen Kassenschlager produzieren, der sie nach vorne brachte. Nun, „Ben Hur“ ist kein Kassenschlager geworden, sondern eine Mammutwerk, das seinen Zuschauern etwas Geduld abverlangt, aber unglaublich gut ist. Wiederholt ist die historische Ungenauigkeit des Films kritisiert worden, die man ihm meiner Meinung nach, aber nachsehen kann. Weitere Informationen bekommen Sie hier.

8

Doktor Schiwago

„Doktor Schiwago“ (Trailer) ist 1965 mit Omar Sharif (im Film: Doktor Jurij Schiwago) und Julie Christie (Larissa „Lara“ Antipowa) gedreht worden. Das Epos ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Boris Leonidowitsch Pasternak, der 1958 für seinen Roman den Literaturnobelpreis verliehen bekam, ihn aber aus politischen Gründen nicht annehmen durfte. Regie führte David Lean. Die Romanze zeigt den Lebensweg des Arztes Jurij Schiwago, der die russische Zarenzeit, die Revolution und die Bolschewiken miterlebt. Wiederholt verfängt sich der junge Arzt in die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen seiner Epoche; die Tragik seines Lebens ist aber die Liebe zu zwei Frauen: seiner Ehefrau Tonja und seiner Geliebten Lara. Die Figur Jurij Schiwago ist ein eigentümlicher Charakter. Der Zuschauer fragt sich beständig, ob er ein passiver, relativ gleichgültiger Mensch ist, der sich vom Schicksal treiben lässt, und nicht fähig ist, seinen eigenen Weg zu finden; oder ob es das Schicksal ist, dass ihn immer wieder herausreißt und ihm nie erlaubt, glücklich zu werden. In dieser Ungewissheit liegt die eigentliche Tragik der Geschichte. Die großartigen Naturaufnahmen, die nie endende Tragik,die weite Taiga, die Stadt der goldenen Türme und die herzzereißende Titelmelodie, mit der Dieter Hallervorden seine Scherze trieb, ergeben einen Film, der nichts für „Manta,Manta“-Fans ist.

9

Spiel mir das Lied vom Tod

„Spiel mir das Lied vom Tod“ (Trailer) ist die Krönung des Italo-Westerns. Sergio Leone drehte das Meisterwerk 1968 mit den bekanntesten Schauspielern seiner Zeit, wie Claudia Cardinale, Henry Fonda, Charles Bronson und Jason Robards. Wenig bekannt ist, dass der Film der erste Teil einer inhaltlich nicht aufeinander aufbauenden Trilogie ist, infolge deren noch „Todesmelodie“ und “ Es war einmal in Amerika“ entstanden. Der dritte Titel ist angelehnt an die englischen und italienischen Titel von „Spiel mir das Lied vom Tod“: „Once Upon a time in the West“ und „C'era una volta il West“. Tatsächlich gibt es das in deutschen Landen berühmte Zitat „Spiel mir das Lied vom Tod“ in der englischsprachigen Variante nicht. In der sagt Frank zu „Mundharmonika“: „Keep your loving brother happy!“ und vermeidet damit das große Missverständnis der deutschen Version „Mundharmonika“ trage seinen Vater auf den Schultern. Die Musik ist von Ennio Morricone komponiert worden. Der Film hat einen opernhaften Anspruch und zeigt dies, indem jeder Charakter ein eigenes musikalisches Thema hat, das nicht zwangsläufig aus instrumentalen Elementen bestehen muss, sondern auch, wie in der Eingangsszene, ein natürliches Hintergrundgeräusch sein kann, z.B. tropfendes Wasser. Die Szenen sind stilistisch aufgebaut.

Die Zivilisation ist auf dem Vormarsch. Die Eisenbahn wird endlich quer durch den Kontinent gebaut. Auf dem Weg zum Pazifik kommt ihr die Familie McBain in die Quere, und Frank (Henry Fonda mit eiskalten, blauen Augen) löst das Problem auf seine Art mit ein paar Kugeln. Nicht wissend, dass am folgenden Tag eine junge, wunderschöne Witwe (Claudia Cardinale) auftaucht, die sich vehement weigert, die Farm zu verlassen. In dem Kräfteringen zwischen dem gewissenlosen Bösewicht und der ehemaligen Prostituierten, schlagen sich der verschrobene Outlaw Cheyenne (Jason Robards) und der geheimnisvolle, musikbegeisterte Cowboy „Mundharmonika“(Charles Bronson), nebenbei ihre eigenen Motive verfolgend, auf die Seite der jungen Witwe. Es folgt ein erbarmungsloses Tauziehen in eine Spirale des Todes.

In „Spiel mir das Lied vom Tod“ trifft die „alte Welt“ mit ihren legendären Prärieläufern und Männern in langen Ledermänteln auf die „neue Welt“ der Eisenbahn, Geschäftsmänner und Industrie. Die Symphonie wirft einen romantisierten Blick in die letzten Tage des Wilden Westens, der niemals dreckiger, brutaler und härter war. Legendär sind die sich ewig hinziehenden Sekunden vor dem Schusswechsel, in denen die Kamera nur auf die Gesichter der Charaktere hält, und die Landschaften in ihren verschlissenen und sonnengebräunten Zügen fokussiert.

10

Krieg und Frieden

Das von Leo Tolstoi adaptierte Werk „Krieg und Frieden“ (Trailer), das 1956 mit Audrey Hepburn, Henry Fonda und Mel Ferrer verfilmt worden ist, an die Spitze zu stellen, ist sicherlich gewagt. Immerhin gibt es viele vernichtenden Kritiken über den Film von King Vidor, aber ich werde seine Grandiosität an späterer Stelle noch näher ausführen.

Der Film portiert die Lebensverhältnisse des russischen Hochadels zu Zeiten von Napoleons Expansionismus'. Mittelpunkt des Epos ist die junge Natascha Rostova, die sich von einem jungen Mädchen zur Frau entwickelt. Prägend sind dabei nicht nur die Kriegszüge Napoleons nach Russland, sondern auch Pierre Bezuhkov (Henry Fonda), der sich, verwirrt von den Fragen des Lebens, ins „Partyleben“ stürzt, Anatol Kuragin (Vittorio Gassman), ein Lügner, und Andrej Bolkonski (Mel Ferrer), ein pflichtbewusster Offizier.

Seit seinem Erscheinen ist der Monumentalfilm in zahlreichen Kritiken verrissen worden. Kritisiert wurde, dass er viel zu weit vom Buch entfernt, zu stark und teilweise verwirrend umgeschrieben sei, und dass Ferrer und Fonda grandiose Fehlbesetzungen, die sich nicht wirklich in ihre Charaktere einfühlten, seien.
Einzig die Besetzung der Natascha Rostova mit Audrey Hepburn wurde als Traumbesetzung gefeiert.
Der Inhalt von Tolstois Werk, das 1868/69 in Moskau erschien, galt lange Zeit als unverfilmbar. Es handelt sich um einen labyrinthartigen, ausufernden, tiefgründig-komplexen Weltliteraturroman mit unglaublich vielen Personen. 1645 Seiten in 208 Minuten zu quetschen- das geht nicht ohne Abstriche.
Aber ein Film ist nie so gut wie der dazugehörige Roman, und der Film „Krieg und Frieden“ kann dem Buch nicht gerecht werden. Echte Bücherfans schauen sich eine Verfilmung eines Romans übrigens auch nie an- sie wissen, dass sie nur ihre Gedankenwelten verlieren werden. Also, der Abstand zum Buch ist ein technisches Problem und macht den Film an sich nicht schlecht.

Die „Fehlbesetzung“ mit Henry Fonda und Mel Ferrer ist ein Generationsproblem. Als ich das erste Mal über den Film stolperte, hatte ich den Namen „Henry Fonda“ schon mal gehört, aber ich verband nichts weiter mit ihm. Leonardo di Caprio war mir eher ein Begriff. Für mich war nie Henry Fonda Pierre, sondern Pierre immer Henry Fonda. Genau dasselbe gilt für Mel Ferrer und für den Rest der „nach-Fonda-Generation“.
Also, „Krieg und Frieden“ ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, ein Fest der Kostüme und ein spannender Einblick in die russische Gesellschaft des frühen 18. Jahrhunderts. Zudem vermittelt er einen tiefgreifenden Eindruck, wie Napoleon die Welt veränderte und wie strapaziös und grauenerregend der französische Feldzug nach Moskau war-allein das wäre schon ein Grund, sich das Epos anzusehen.

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