Die Haut in der ich wohne: Neuer Film von Pedro Almodóvar

Almodóvars Filme sind speziell. Viele Kritiker lieben sie jedoch – er ist wohl einer der umjubelsten Regisseure der Zeit, vor allem filmtechnisch und -künstlerisch stecken seine Werke oft voll feinst durchdachter Details, dem Zuschauer beim ersten Sehen der Streifen oftmals gar nicht auffallende Doppeldeutigkeiten und großer Liebe für seine Kunst. Sie stecken aber auch oft voller Exzentriker, verkappten Persönlichkeiten, sexuellen Übergriffen, und beschäftigen sich mit der Frage nach Identität, testen Gendergrenzen und porträtieren menschliche Ängste.

Almodóvars Filmographie der letzten Jahre

Vor allen Dingen die Filme der letzten Dekade beginnend mit „Alles über meine Mutter („Todo sobre mi madre“), „Sprich mit ihr“ („Hable con ella“) und „La mala educación – Schlechte Erziehung“ („La mala educación“) waren sowohl filmographische und durchdachte, teilweise miteinander verstrickte Meisterwerke wie gleichzeitig auch verstörende und gesellschaftskritische Portraits seines Landes, der Bevölkerung und der Psyche des Menschen. Bis heute wurde Almodóvar mit zwei Oscars ausgezeichnet, gilt als erfolgreichster, ausländischer Regisseur in Hollywood und bringt mit seinen grotesken, szenenhaften und künstlerischen Subkultur-Kinofilmen definitiv einen bedeutend künstlerischen Ansatz ins klassisch-kitschige Filmbusiness.

Neuer Film: „Die Haut in der ich wohne“

Mit „Die Haut in der ich wohne“ („La piel que habito“) meldet er sich nun also nach seinem 2006 erschienenen Film „Volver“ (u.a. wurde dieser für das beste Drehbuch in Cannes ausgezeichnet) und dem 2009 veröffentlichten Werk „Zerrisene Umarmungen“ („Los abrazos rotos“) zurück. Antonio Banderas, den Almodovar durch unzählige Besetzungen in seinen Filmen erst zur Hollywoodgröße machte, spielt darin die Hauptrolle. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Thierry Jonquet und erzählt laut Almodóvar eine Horrorgeschichte ohne Schreie und Ängste. Der Spanier wollte schon 2002 den Film drehen, damals hatte er noch Penelope Cruz als Hauptdarstellerin im Auge, die jedoch nun von der schon in „Sprich mit ihr“ spielenden Elena Anaya verkörpert wird. Pedro Almodóvar wich zudem über die Jahre immer mehr ab vom ursprünglichen Inhalt des Buches und rückte die Person sowie die Besessenheit des Hauptdarstellers verstärkt in den Mittelpunkt. Der Plot ist so skurril und grotesk, dass man all die Verwicklungen, Verstrickungen und erzählten Stränge schwer zusammenfassen kann, eine absurd wirkende Mischung aus Melodrama, Psychothriller und Horrorfilm ist wohl noch die simpelste Analyse des Films.

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Plot von „Die Haut in der ich wohne“

Der Chirurg Robert Ledgard (Banderas) hat seit dem Selbstmord seiner Frau, die in einem Unfall schwere Verbrennungen erlitt und diese nicht ertrug, nur ein Ziel. Menschliche Haut zu entwickeln, die nicht verbrennen kann. Ohne jegliche Skrupel hält er zusammen mit seiner Haushälterin Marilia eine junge Frau in seiner Wohnung gefangen, um sie gewissermaßen als „Laborratte“ zu benutzen. Durch das Auftauchen seines Halbbruders, einer versuchten Vergewaltigung der nur in einem Ganzkörperanzug auftauchenden Gefangenen Vera (Elena Anaya) durch eben diesen, und dem darauf folgenden Zusammenbruch Marilias, kommt die ganze Perversion der Familiengeschichte Ledgards, seines Projektes und die wahre Identität Veras ans Licht. Ein gespenstisches und skurriles Vexierspiel wird auf der Leinwand geboten. Der gerade veröffentlichte Trailer lässt auf jeden Fall auf einiges hoffen.
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Vor allen Dingen die Musik des Films wird hoch gelobt, auch die Kritiken, die der Film bisher bekam, nachdem er in diesem Jahr seine Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes feierte, waren positiv – wenngleich, was bei Almodóvar klar sein muss, man keine leichte Hollywood-Kost erwarten darf. Der Filmstart in den deutschen Kinos ist der 20. Oktober 2011.

2 Meinungen

  1. Danke für den guten Artikel. Habe noch eine spannende Filmanalyse zu „Die Haut, in der ich wohne“ auf youtube gefunden.http://www.youtube.com/watch?v=H_-QXx3lP-M

  2. Hallo,

    schöne Rezension, die auch nicht (wie viele andere, die ich gelesen habe) zu viel verrät. Leider wurde mir nämlich so vorher schon der Twist vorweg genommen.
    Insgesamt hat mir der Film echt gut gefallen, ästhetisch und tiefgründig wie immer. 🙂 Meine Rezension gibt’s im Blog zu lesen, vielleicht schaust du mal vorbei? Würd mich freuen.
    Viele Grüße, Deborah (sommerdiebe.wordpress.com)

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