Talkshow Klassiker: Arabella Kiesbauer, Andreas Türk, Hans Meiser und Co.

In Talkshows ging es nicht um Inhalt, nicht um Entwicklung, nicht um Voraussicht. Es ging um Ansicht und Reaktion und Show. Und das zieht scheinbar. Menschen sind Voyeure, Freakshows geben ein gutes Gefühl. Machen wir uns nicht alle heimlich solche Gedanken wie: „Es gibt Leute, denen es schlechter geht als mir? Gibt mir das ein gutes Gefühl? Sieht so unserer Gesellschaft aus? Wo stehe ich eigentlich in dieser Gesellschaft? Jedenfalls nicht dort. Das ist gut so.“

Die Probleme anderer als Selbstschutz

Sich mit fremden Problemen zu befassen, schützt vor der Konfrontation mit den eigenen. Wir teilen ein in Gut und Böse, wir teilen ein in ja, dem stimme ich zu, der hat Recht und der ist Schuld an unserer „kaputten Gesellschaft“. Gesellschaft und „das System“ wir hierfür komplett banalisiert und vereinfacht. Alles was Angst macht, wird erklärbar gemacht. Talkshows machten das Leben erklärbarer, das Problem greifbarer und das Menschenbild dadurch oberflächlicher. Isoliert und realitätsfern taucht man in eine Realität, die einfacher zu greifen und bequemer ist. Man kann abschalten. Auch deswegen waren sie vielleicht so beliebt.

Der Vorreiter einer neuen Generation

Was sagt das über unsere Generation aus? Generation Praktikum, Generation Facebook? Fing es in den 90ern an? Bei der Generation Talkshow? Schließlich kam es dann so, wie es kommen musste. Eine Talkshowwelle überflutete das Programm und macht das Format inflationär. Dabei ist es nicht die Sättigung, die das Format alt aussehen ließ, nein, die Masse an Shows stieß die Shows selbst in die Belanglosigkeit und nahm ihnen ihre Bedeutung.

Mittlerweile haben Richtershows dieses Format aufgelöst, viele Thematiken aber übernommen. Und „Scripted Reality“-Dokus schicken sich an, die neue Speerspitze der fragwürdigen Unterhaltung zu werden.

Hier die bekanntesten Talkshows der 90er:

Talkshow: Die Top 10

1

Hans Meiser

Der Talkmaster der ersten Stunde startete am 14. September 1992 bei RTL die „Hans Meiser“-Show. Das neue Format erreichte im Nachmittagsprogramm einen unglaublichen Marktanteil von über 40 Prozent. Es beschäftigte sich mit eher alltäglichen Themen, anstatt Prominente einzuladen. 2001 gingen die Quoten in den Keller, die Daily-Talkshow wurde von RTL aus dem Programm genommen. Dennoch gehört die „Hans Meiser“-Show zu eine der meistgesehenen Talkshows aller Zeiten und wurde unter anderem mit der „Goldenen Kamera“ und dem „Bambi“ ausgezeichnet. Sein Format löste auch die Flut nachziehenden Talkshows im Nachmittagsprogramm in mehreren deutschen Fernsehsendern aus. Allein auf RTL liefen fünf.
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2

Arabella Kiesbauer

Die „Talkshow Arabella Kiesbauer“ wurde von 1994 bis 2004 auf ProSieben ausgestrahlt, statt Prominenten waren Durchschnittsmenschen bei ihr zu Gast. Ihre „laute“ Nachmittagsshow, welche die Zuschauer polarisierte, wurde 2004 zunächst mit dem „Bayerischen Fernsehpreis“ ausgezeichnet. Später wurde sie jedoch als niveaulos kritisiert.

3

Andreas Türck

„Kapier' s endlich, dein Schwarm will dich nicht!“, „Scheiß Emanze! Zurück zum Herd“ oder „Frauen sind dümmer als Männer. Heute beweis' ich es euch“. In Andreas Türcks Sendung lief es rund. 1999 geriet Türck aufgrund seiner „Schmuddeltalkshow“ stark in die Kritik. Medienpolitische Stimmen forderten lautstark die Verbannung seiner Show ins Abendprogramm. Andreas Türk setzte, mehr und mehr durch Konkurrenz unter Druck gesetzt, auf Dirty Talk. 2002 wurde die Sendung abgesetzt.
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4

Nicole Noevers

„Nicole – Entscheidung am Nachmittag“ unterschied sich stark von den anderen, indem in den ersten Sendungen so viel geweint wurde, wie in allen anderen Talksendungen der vorangegangenen Monate zusammen. Die große Emotionalität bei Themen wie beispielsweise: „Meine Kinder erzählen öffentlich, ich sei intrigant“ „Mein Vater kann einen Streit von vor sechs Jahren nicht vergessen und will sein Enkelkind nicht sehen.“ Selbst hinter der Bühne ging es rund und die Kamera verfolgte weiterhin die Protagonisten. Eine Sprecherin des TV-Senders ProSieben begründete das Format mit der Aussage, notfalls „besorgen wir den Gästen einen Therapieplatz„.

5

Ricky

Nur ein Jahr lang ging die Show „Ricky!“ auf Sendung und hat dennoch hat der Moderator Eindruck hinterlassen. Sein Format war schrill, laut und verrückt, er sang das Intro seiner Sendung selbst ein und machte viel Show. Heute moderiert er „sonnenklar.tv“ und tritt auf Messen auf.
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6

Vera

„Vera am Mittag“ hieß das Format, dass Vera knapp zehn Jahre lang moderierte. Sie ist noch immer dauerpräsent im deutschen Fernsehen und moderiert „Schwiegertochter gesucht“ ,“Verzeih mir“, „Mietprellern auf der Spur“ und „Das große Abnehmen“.

7

Sonja Zietlow

Diesmal bei Sat.1.: Sonja Zietlow hatte von 1997 an ihre eigene Sendung „Sonja“. Diese wurde 2001 eingestellt, danach führte die Moderatorin durch die knallharte Show „Der Schwächste fliegt“, zeigt seit Sommer 2005 regelmäßig „Die 10…“ und „Die 25…“. Und natürlich nicht zu vergessen: Das Dschungelcamp!

8

Oliver Geissen

1999 ging Oliver Geissen mit seiner RTL-Nachmittagsshow auf Sendung. Ganze zehn Jahre lang. Auch heute ist er noch gut bei RTL beschäftigt, er moderiert u.a. regelmäßig „Die ultimative Chartshow“.
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9

Bärbel Schäfer

Bärbel Schäfers Talkshow startete 1995, lief bis 2002 rund 1500 Folgen lang. Sie ist immer noch als Moderatorin aktiv.

10

Britt

Britt lief nicht in den 90ern, muss hier aber unbedingt erwähnt werden, denn Britt Hagedorn ist die einzige Talkmasterin, die sich bis heute gehalten hat. „Britt – Der Talk um eins“ flimmerte erstmals 2001 über die Bildschirme. Noch heute stehen die Alltagssorgen der Gäste im Mittelpunkt ihrer Sendung.
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