Saftlos

Neulich, beim europaweiten Stromausfall, hatte ich noch gut lachen, denn ich war nicht betroffen. Und dass kurze Zeit danach darauf meine Internet-Verbindung zu streiken anfing, war auch nicht so schlimm, schließlich gibt’s ja Bekannte und/oder einschlägige Cafés, bei bzw. in denen man seine Email-Korrespondenz etc. erledigen kann. Vor allem, wenn man außer daheim keinen regulären Arbeitsplatz hat.

Und dann hat er mich doch erwischt, der Blackout: Vorgestern früh gingen in meiner Straße die Lichter aus und das zivilisierte Leben hatte erstmal Pause. Online gehen konnte ich ja wie gesagt im Heimbüro sowieso nicht, aber jetzt merkte ich, dass auch das Offline-Leben ohne Strom ziemlich eingeschränkt ist. Zum Glück gehöre ich noch nicht der Generation an, die nicht weiß, wie man eine Kerze bedient, dann säße ich wohl auch noch im Dunkeln, da es schließlich in dieser Jahreszeit nicht mehr so recht hell werden will. Also fix ein paar Kerzen aufgestellt, die nun schon anderthalb Monate vor Weihnachten festliches Licht in der Wohnung verbreiten dürfen.

Ist ja auch mal ganz gemütlich, aber was tun, wenn der Saft nicht bald wieder zu fließen beginnt? Wie am Abend die Freizeit verbringen? Fernsehen geht ja schon mal nicht (drüber schreiben aber schon, wenn auch vorerst mit analogen Mitteln), Musik hören auch nicht. Man könnte zu einem Buch greifen statt zu Glotzen oder einen Brief schreiben statt zu Mailen. Oder wenn schon schreiben, dann SMS mit dem Mobiltelefon, das zum Glück noch funktioniert. Aber auch ein Akku hält nicht ewig und muss irgendwann wieder aufgeladen werden, und zwar mit Strom.

Nach einer Stunde kehrte die Zivilisation dann tatsächlich wieder in meine Straße zurück und ich dachte mir: Elektrisches Licht ist schon was Tolles, aber all die Geräte, die man mit Strom so betreiben kann, lösen ja doch eher nur die Probleme, die man ohne sie nicht hätte. Auch das Fernsehen haben wir einer Entwicklung zu verdanken, die durch die Hervorbringung und Verbesserung diverser Maschinen so etwas wie Freizeit erst ermöglichte. Ob man das Medium deshalb als fortschrittlich bezeichnen sollte, sei jedoch dahingestellt. Andererseits weiß ich das Luxusproblem eines schlechten TV-Programms doch sehr zu schätzen. Und – auch wenn man sie zu bedienen weiß – mit einer Kerze kann man nicht fernsehen.

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