Kein Oscar für das Parfüm

Im Gegensatz zu den übrigen Oscars, folgt die Kategorie Bester ausländischer Film – eigentlich sollte es heißen bester nichtenglischsprachiger Film – eigenen Gesetzen. Jedes Land darf einen Film vorschlagen, der dann in die engere Auswahl kommt. Die Folge dieser Regelung ist natürlich, dass in manchen Jahrgängen, wenn ein großes Filmland wie Frankreich oder in früheren Jahren Italien gleich mehrere Filme Oscar-würdige Filme produziert hat, nur einer überhaupt die Chance auf eine Nominierung hat. Doch es gibt noch weitere Probleme, die in der Vergangenheit dafür gesorgt haben, dass der Auslandsoscar an wenig würdige Kandidaten ging. Nach der Vorauswahl durch die einzelnen Länder, stehen meist 50-60 Filme zur Auswahl, aus denen die fünf nominierten gewählt werden. Diese Auswahl treffen Mitglieder der Academy, die aber nachweisen müssen, dass sie einen Großteil der Filme gesehen haben. Und da jüngere Mitglieder, die noch regelmäßig arbeiten, zwangsläufig weniger Zeit haben sich in wenigen Wochen mehrere Dutzend ausländische Filme anzusehen, liegen die Nominierungen in der Hand meist älterer Filmschaffender. Die Folge ist, dass innovative, originelle Filme in der Regel nicht nominiert werden, sondern eher gediegene, konservative Werke. Da nun jedes Land um dieses Problem weiß, wird bei der Vorauswahl gar nicht erst versucht, den besten Film eines Jahres zu finden, sondern den Film, der mutmaßlich die besten Chancen hat, nominiert zu werden.

Und was Deutschland angeht, so ist das in aller Regel ein Film, der auf irgendeine Weise mit dem Nationalsozialismus zu tun hat. Dieses Jahr war etwa Der Untergang nominiert, die letzten beiden deutschen Oscar-Gewinner waren Nirgendwo in Afrika, der von der Flucht einer jüdischen Frau vor den Nazis erzählte und Die Blechtrommel. Insofern ist es zumindest mal ein Fortschritt, dass mit Das Leben der Anderen ein Film vorgeschlagen wird, der rein gar nichts mit Nazis zu tun hat. Ob es zu einer Nominierung reicht wird sich zeigen, die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, schließlich folgt Florian Henckel von Donenrsmarck in seinem Stasi-Drama einer melodramatischen Hollywood-Struktur, die in Amerika ebenso ankommen sollte, wie die solide, wenngleich konventionelle Regie und Schauspielführung.

Und für Bernd Eichinger bleibt immerhin die Hoffnung auf den Deutschen Filmpreis 2007. Da ist Das Leben der Anderen kein Konkurrent mehr, denn der gewann schon in diesem Jahr sieben Trophäen, während die Bernd Eichinger-Produktion Der Untergang, sehr zum Missfallen des Produzenten, vollkommen leer ausging.

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