Wie man nur solchen Schrott fabrizieren kann … Igor spielt in einem Land, das auch noch ‚Malaria‘ heißt, ein Land, das von einem bösen König regiert wird, in dem Wissenschaftler böse Monster fabrizieren und in dem immerzu Dunkelheit herrscht, nur unterbrochen von Gewittern. So viele Stereotypen wie in diesem Film habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen, fangen wir also mal an: Igor, ein Name russischer Herkunft, bei dem ich immer an Igor Stravinsky oder ans Igorlied denke, musste in der Literatur schon des öfteren als Helfer böser Gestalten herhalten. Er wird in dem neuen – NICHT von Pixar produzierten animierten Film – als Pseunonym für Sklave/Diener verwendet.
Igors sind kleine Gestalten mit Buckel, die den Wissenschaftlern des Landes dienen. Richtig, der Buckel erinnert an den Glöckner von Notre Dame aber nicht nur an den. Igor ist der prototypische unscheinbare kleine Kerl, der einmal seine Chance bekommt und damit natürlich gewinnt. Igor hat nicht nur überdimensionale Bambiaugen, sondern ist auch noch von Wissensdurst und Entdeckergeist besessen. Er fabriziert schließlich ein Monster aus Resten von einem Schrottplatz und Körperteilen im Sonderangebot. Die Dame, die zum Leben erwacht, sieht dementsprechend aus. Sie ist riesig, wuchtiger Körper auf dünnem Hals, zwei verschieden dicke Arme. Als ihr erklärt wird, dass sie ein Monster sein soll (evil) klimpert sie mit ihren Augen, meint, sie könne keiner Fliege was zu leide tun und tauft sich stattdessen in Eva um.
Der Trailer versprach Fun, gepaart mit dem Wortwitz, den ich an Ice Age schätzte. Bekommen habe ich einen suizidgefährdeten Hasen, den Igor allerdings als unsterblich erfunden hat. Dieser hüpft gemeinsam mit einer Gestalt herum, die ein Gehirn darstellen soll, das aber – oh wie luuustig! – Probleme beim Buchstabieren hat (brian statt brain).
Auch auf die Gefahr hin, wie eine übereifrige Deutschlehrerin zu wirken, will ich doch erwähnen, dass es natürlich kein Wunder ist, wenn amerikanische Kinder erwarten, die Deutschen würden nur in Lederhosen und Dirndl herumlaufen. Denn wie sieht die Freundin des Wissenschaftlers … aus? Richtig, sie heißt Heidi, trägt geflochtene Zöpfe und ein Dirndl. Desweitern gibt es einen Dr. Schadenfreude, der natürlich konstant englisch ausgesprochen wird (also das ‚e‘ wird weggelassen). Das Wort wurde ins englische übernommen, aber es wird nicht immer korrekt angewendet und Kinder kennen es erst recht nicht. Dieser Wortwitz geht also völlig verloren. Der Name Dr. Glickenstein soll vermutlich eine Reminiszenz an Dr. Frankenstein sein.
Weil wir (die Besucher, aber wohl vor allem die Kinder) etwas lernen sollen, gibt es selbstverständlich noch einen Spruch zum Film, der sich auf dem Poster finden lässt: All men aren’t created evil. Auf dem Niveau von brian statt brain klingt hier der Satz „All men are created equal“ an (Thomas Jefferson Unabhängigkeitserklärung).
Das Gute -wie kann es anders ein – siegt, wir bekommen ein hollywoodmäßiges Happy End, das so wenig glaubhaft ist, wie die ganze Igorgeschichte.
Wer trotzdem reingehen will: ich habe nicht alles verraten. Im Zusammenhang mit Eva gibt es ein paar komische Szenen. Und bezüglich des Endes gibt es auch noch ein paar Entdeckungen zu machen. Der Soundtrack kann lustig sein, muss aber nicht …
Regisseur: Anthony Leonidis
Igor (John Cusack)
Eva (Molly Shannon)
Offizielle Website für den Film: http://www.igor-movie.com/
