George Carlin: Porträt und die wichtigsten Zitate

George Carlin, das New Yorker Einwandererkind

1937 kam George Carlin als jüngstes Kind irischer Eltern in Manhattan zur Welt. Seine Mutter flüchtete vor dem Vater, als George zwei Jahre alt war, da Gewalt und Alkohol die Familienatmosphäre bedrohten.

Der Vater Patrick Carlin war ein Gewinner mehrerer nationaler Redewettbewerbe, aber auch Carlins Mutter, Mary Beary, brachte offenbar dem Sohn – wie er es gegenüber James Lipton in „Inside The Actors Studio“ beschrieb, sehr früh durch Zeitungen bei, auf die Wirkung von einzelnen Worten in Sätzen zu achten.

George Carlin kam über die US Army als Radartechniker zum Radio. Wenngleich er keine spezielle sprachliche Ausbildung hatte, war er doch ein Meister darin, bereits in frühen Radiomoderatoren-Jobs Anfang der 1950er die gesprochene Sprache sehr bewusst einzusetzen, auch kleine logische Lücken in der Alltagssprache zu entlarven und sich über grundlegende Dinge speziell der amerikanischen Gesellschaft vor Publikum zu äußern.

Er verließ die Rolle als Witze erzählender Entertainer vor altmodischem, gesetztem Publikum bis Ende der 1960er Jahre, setzte sich viel mit seinem umstrittenen Vorbild Lenny Bruce (1925-1966) auseinander und schloss sich ideell der studentischen, gesellschaftskritischen Bewegung an. Im Rahmen der kritischen Auseinandersetzung waren es „7 Worte, die man nicht im Fernsehen sagen kann“, die ihm 1973 eine Zivilklage einbrachten. Diese Worte machten ihn gleichzeitig äußerst bekannt.

Die tieferen Inhalte und komplexeren Programme jedoch entwickelten sich erst später, als auch der Sender HBO auf ihn aufmerksam wurde und bis zu seinem Tod 14 HBO Specials mit ihm drehte, wovon heutige Konkurrenten wie Chris Rock nur träumen.

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Drei wichtige Zitate können die Haupthemen beschreiben, die Carlin speziell seit Ende der 1980er umtrieben.

Religion: Wie viele seiner Kollegen, z. B. Lewis Black, Bill Maher, Bill Hicks (1961-1994) war für Carlin vor allem die institutionelle Religion ein rotes Tuch, dessen dogmatische und einengende Regeln bzw. „als wahr zementierte Legenden“ er kritisierte. Nachdem er im Programm „Complaints and Grievances“ (2001) die Zehn Gebote quasi zerstörte, behielt er ein für ihn gültiges.

Thou shalt keep thy religion to thyself = Behalte Deine Religion für Dich

US Außenpolitik aus „Jammin‘ in New York“ (1992):

Wir sind ein Krieg liebendes Land. In nur 200 Jahren hatten wir schon 10 große Kriege. Wir können kein ordentliches Auto mehr bauen, keine Stereo-Anlage oder Videorecorder, von der Stahl-Industrie ist nichts mehr übrig, wir können unsere Jugend nicht mehr ausbilden, kümmern uns nicht um unsere Senioren – Aber wir können das Letzte aus Eurem Land herausbomben!

Arm vs. Reich aus „Life Worth Losing“ (2005):

Bildung wird nicht besser werden, vergesst es, seid zufrieden mit dem, was ihr habt. Warum wird es nicht besser? Weil die Eigentümer dieses Landes das nicht wollen. […] Sie wollen mehr für sich und weniger für alle anderen. Was sie nicht wollen, ist eine kritisch denkende Bevölkerung […] Sie wollen gehorsame Arbeiter, die gerade klug genug sind, die Maschine zu bedienen und den Papierkram zu machen.

Die größte mediale Aufmerksamkeit erhielt er durch seine vermutlich besten Shows Ende der 1980er bis Mitte der 1990er. Speziell nach dem Tod seiner ersten Frau, Brenda Hosbrook 1997, wurden seine Themen, vor allem seine Sprache und Einstellung düsterer und hoffnungsloser.

Nach mehreren kleinen Schlaganfällen über 20 Jahre hinweg starb Carlin 2008 in Californien. Er bleibt jedoch durch etliche Stunden von Material in seiner unheimlich starken Ausdrucksweise und chirurgisch präzise eingesetzte Satzstellung sowie Wortwahl als einer der besten Komiker überhaupt der Nachwelt erhalten.

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