Europa League: Sieger und Verlierer der Saison 2011/12

Die Europa League hat an Spannung und Torhunger eine ganze Reihe Höhepunkte gesetzt und doch stand sie naturgemäß wieder im Schatten der Champions League.

Wer zu den Siegern und wer zu den Verlieren zu zählen ist, ist wie immer sehr subjektiv zu bewerten, doch in der folgenden Rangliste sind die wichtigsten Fakten, auch aus deutscher Sicht, nachvollziehbar zusammengetragen.

Europa League: Die Top 10

1

Sieger der Europa League: Atletico Madrid und Falcao

Auf einem Ranking der Sieger und Verlierer eines Wettbewerbs gibt es zuweilen Gründe, nicht den jeweiligen Champion auf den ersten Platz zu wählen, zum Beispiel wenn der Erfolg glücklich war oder der haushohe Favorit wenig überraschend den Titel geholt hat. In diesem Fall gibt es aber keinen Zweifel daran, dass Atletico Madrid auch in dieser Auflistung Platz 1 verdient hat. Zum zweiten Mal gewann der Hauptstadtverein die erst vor wenigen Jahren eingeführte Europa League, diesmal allerdings höchst souverän. In 19 Spielen siegten die Madrilenen unglaubliche 17mal. Sie bestimmten die stärkste Vorrundengruppe und gaben ab den folgenden K.O.-Spielen keine einzige Partie mehr verloren oder auch nur unentschieden. Überragender Mann des Wettbewerbs war einmal mehr der kolumbianische Ausnahmestürmer Falcao mit 12 Treffern. Wie im letzten Jahr, als er noch für den FC Porto stürmte, holte er sich die Torschützenkrone und traf besonders dann, wenn es drauf ankam – so zweimal entscheidend im Viertelfinale gegen Hannover 96.

2

Der spanische Fußball

Eine Wachablösung in Europa steht kurz bevor. Eine ganze Zeit lang hatte England die UEFA-5-Jahreswertung angeführt. Verfolger Spanien wurde hingegen nach gesagt, dass es in erster Linie von den beide „Riesen“ Real Madrid und FC Barcelona leben würden. Doch die Primera Division bewies eindrucksvoll, dass sie auch geschlossen stark sein kann. Von acht europäischen Halbfinalisten kamen fünf aus dem Land der Iberer. Und was Barcelona und Real nicht schafften, erreichten die vermeintlich Kleinen: ein rein spanisches Finale! Das Land des Europa- und Weltmeisters ist euch im Klubfußball derzeit das Maß aller Dinge!

3

Athletic Bilbao

Angesichts der unter „2“ aufgezählten Tatsachen ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Top 3 des Gewinnerrankings unter Spaniern aufgeteilt werden. Doch halt: Der Athletic Club Bilbao und seine Fans wollen sich eigentlich gar nicht zu Spanien zählen lassen. Stattdessen betont und verteidigt man eisern das baskische Herz der Stierkampfstadt. Und dieser Patriotismus führt dazu, dass man in Bilbao noch immer haupt- und fast ausschließlich auf Basken setzt. Sich damit überhaupt in der starken spanischen Liga halten zu können, ist schon ein Kunststück. Ein europäisches Endspiel zu erreichen, ist dagegen fast unglaublich. Doch Bilbao setzte sich auch gegen Manchester United, Schalke 04 und Sporting Lissabon zu. Nur Atletico Madrid war am Ende zu stark.

4

Hannover 96

Groß war die Skepsis unter den Bundesligafans, ob die Himmelsstürmer von Hannover 96 in Europa würden bestehen können. Viele schoben den Erfolg einer Bundesligasaison auf spezielle taktische Vorteile und glückliche Umstände, die sich nicht nochmal wiederholen lassen würden. Und dann kam in den Play-offs auch noch der FC Sevilla als bestgesetztes Team nach Hannover. Niemand setzte mehr einen Pfifferling auf die Truppe von Mirko Slomka. Doch das Team setzte sich eindrucksvoll gegen Sevilla durch, überstand die Vorrunde mit Bravour und gelangte nach Siegen gegen Brügge und Lüttich schließlich gar ins Viertelfinale. Dass man dort gegen den späteren Titelträger ausschied, war zu verschmerzen, zumal Hannover erneut gut dagegen hielt, bis Falcao alle Hoffnungen drei Minuten vor Spielende zerstörte. In der kommenden Saison geht das Abenteuer Europa für Hannover 96 in die nächste Runde. Doch jetzt haben sich die Niedersachsen einen Namen gemacht.

5

Fußball in den Benelux-Staaten

Die Europa League war in dieser Saison der Tummelplatz für Vereine aus Belgien und den Niederlanden. Keiner der sechs Vereine schied in der Vorrunde aus, fünf von ihnen belegten gar Platz eins und schufen gute Voraussetzungen für die folgenden Runden. Daraufhin ging den Benelux-Vereinen allerdings ein wenig die Luft aus. Brügge, Lüttich und Enschede scheiterten an deutschen Vereinen, für Anderlecht war gegen Alkmaar Schluss, das dann immerhin bis ins Viertelfinale kam, wo man gegen Valencia ausschied, welches wiederum zuvor schon Eindhoven ausgeschaltet hatte. So wurde es am Ende ein spanisches und kein belgisches oder niederländisches Turnier, doch das „kleine Mitteleuropa“ hat gezeigt, dass man mit ihm auf der europäischen Landkarte wieder rechnen muss.

6

Die größten Verlierer der Europa League: der englische Fußball

Es wurde weiter oben schon angedeutet, dass England in diesem Jahr gewaltigen Boden auf Spanien verloren hat. Dies lag vor allem an den Leistungen der Vereine in der Europa League. Während Birmingham, Tottenham und Stoke sich zu schwach zeigten und allesamt schon vor dem Achtelfinale ausgeschieden waren, ließen sich die beiden Vereine aus Manchester nach ihrem Champions-League-Abstieg lumpen und schieden alsbald aus, offenbar um sich auf den Titelkampf in der Liga konzentrieren zu können. Der englische Fußball hat in dieser Saison trotz Chelsea London ordentlich eingebüßt und wird nicht nur durch Spanien, sondern auch durch Deutschland zunehmend in Bedrängnis geraten.

7

Die Champions-League-Absteiger

Die Vereine aus Manchester wurden schon erwähnt. Aber auch sonst haben die Mannschaften, die nach der Vorrunde aus der Champions League in den kleineren europäischen Wettbewerb wechselten, in der vergangenen Saison keine Bäume ausgerissen. Zum Teil warfen sie sich zwar gegenseitig aus dem Wettbewerb, doch das allein rechtfertigt nicht, weshalb mit dem FC Valencia nur einer von acht Viertelfinalisten aus der Königsklasse entstammte. Ob es tatsächlich fehlende spielerische Klasse oder nur mangelnde Motivation nach dem enttäuschenden „ersten Ausscheiden“ ist, die zu diesem Resultat geführt hat, lässt sich schwer einschätzen. Fakt ist, dass das Los eines Champions-League-Absteigers in dieser Saison oft ein Gutes war!

8

Die Europa League ansich

Der frühere UEFA-Cup hatte zuletzt immer etwas den Ruf des Stiefkindes und dies hat sich nicht gebessert. Fehlende Motivation bei den Top-Klubs, ein ausufernder Spielplan und schließlich auch keine große Abwechslung am Schluss, als iberische Mannschaften den Titel unter sich ausmachen. In der vorherigen Saison waren es statt spanischen portugiesische Teams gewesen, die den Wettbewerb dominierten. Dies trägt nicht gerade zur Attraktivität bei und spricht leider für größer gewordene Leistungsunterschiede zwischen den Ligen.

9

FC Schalke 04

Im Gegensatz zu Hannover war Schalke mit großen Ambitionen ins Turnier gestartet und als Glücksgöttin Fortuna mit fortschreitendem Verlauf ein „Freilos“ nach dem anderen aus dem Topf zauberte, schien die Zeit reif für einen weiteren großen internationalen Auftritt. Doch schon gegen Viktoria Pilsen und Twente Enschede kamen die Königsblauen in ernsthafte Schwierigkeiten. Der erste wirklich harte Gegner Bilbao stellte schließlich im Viertelfinale das Ende dar. Nach gutklassigem Spiel machten die Schalker einige Abwehrpatzer zuviel und unterlagen daheim 2:4, was auch durch ein gutes Rückspiel (2:2) nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Die Gelsenkirchener haben eine große Chance verpasst, sich wie ein Jahr zuvor ganz weit vor in Europa zu präsentieren.

10

Steaua Bukarest

Ein europäisches Finale in der eigenen Heimatstadt hat gerade der FC Bayern verloren. Steaua Bukarest war dagegen meilenweit davon entfernt, dieses auch nur zu erreichen. Schon im Sechzehntelfinale gegen Twente Enschede war nach zwei sang- und klanglosen 0:1-Niederlagen Schluss. Noch vor 6 Jahren war der rumänische Fußball stark im Aufwind, doch diese Stimmung ist sehr schnell der Ernüchterung gewichen. Es wird wohl noch eine weitere Weile dauern, bis Osteuropa ernsthaft zu den großen Ligen des Westens aufschließen kann.

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