Die Unsichtbare: Neues Drama vom deutschen Regisseur Christian Schwochow

Das zweite Werk von Regisseur Christian Schwochow (nach „Novemberkind“) konzentriert sich auf eine junge Schauspielstudentin, die versucht aus ihrer Unscheinbarkeit herauszutreten und für Publikum und Regisseur endlich sichtbar zu werden.

Während jeder auf eine andere Weise lernt, sich selbstsicher und überzeugend auf der Bühne zu präsentieren, geht diese Hauptdarstellerin, angestachelt vom sadistischen Theaterregisseur, den Weg der totalen Selbstaufgabe, um die fiktive Person nicht nur darzustellen, sondern vielmehr nach zu empfinden.

Die Unsichtbare – Drama zwischen Selbstfindung und Selbstaufgabe

Josephine (Fine) Lorenz, gespielt von der jungen Dänin Stine Fischer Christensen, ist Schauspielstudentin. Der Zuschauer begreift zunächst nicht warum, denn während sich alle Kommilitonen verausgaben und brillieren, um bei der Vorführung von bekannten Regisseuren und Größen zu überzeugen, schläft Fine einfach auf der Bühne ein. Sie tut alles, um nicht wahrgenommen zu werden und unsichtbar zu verbleiben.

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Erst wenn sie zur Ablenkung und Beruhigung ihrer geistig behinderten Schwester Jule wahre Meisterwerke vorführt und tanzt, singt und schauspielert, erahnt das Publikum ihr Können. Auf der Bühne fehlt Fine jedoch diese Selbstsicherheit und ihre Angst scheint zu siegen. Nichtsdestotrotz besetzt der renommierte Theaterregisseur Kasper Friedmann (Ulrich Noethen) die Hauptfigur seines nächsten Stücks mit ihr – Camille. Er sieht in Fine die verletzliche und unsichere Persönlichkeit, die perfekt zu seiner Vorstellung der Camille passt. Sie muss seiner Ansicht nach nur aus der jungen Schauspielstudentin herausgelockt werden. Und Fine ist bereit, für ihre erste Hauptrolle alles zu tun, um endlich zu überzeugen. Gefördert von grausamen Vorstellungen Friedmann’s, nimmt sie die Persönlichkeit der Camille auch im Privatleben an, um sie besser zu verstehen, sie aufzusaugen und damit vollends auf der Bühne verkörpern zu können.

Während sich ihr ganzes Leben umkrempelt und Fine mit blonder Perücke und gespickt mit Theatertexten der Camille an Selbstbewusstsein gewinnt, ihre Weiblichkeit erforscht und Männer verführt, verliert sie jedoch ihre Stärke und Selbstachtung. Camille’s Hang zur Selbstzerstörung wird so zu Fine’s Drang, sich selbst Schmerzen zuzuführen. Sie verliert ihre Beherrschung im Umgang mit ihrer behinderten Schwester, versucht sie sogar mit einem Kissen zu ersticken und schneidet sich daraufhin selbst die Pulsadern auf. Die Verwandlung in Camille offenbart Fine und dem Zuschauer psychische Abgründe aus einer einsamen Kindheit, die durch eine pflegebedürftige Schwester bestimmt wurde und aus der Protagonistin die zurückhaltende und liebevoll kümmernde Person gemacht hat und endet in einer totalen Ohnmacht, da niemand Fine auffängt oder in der Lage ist, ihr zu helfen.

Deutscher Film mit einer überragenden Hauptdarstellerin

Nach Darren Aronofsky’s „Black Swan“ muss sich jeder Film um Theaterstücke und dem Streben nach Perfektion genau daran messen. „Die Unsichtbare“ beleuchtet jedoch noch mehr den inneren Kampf der Hauptfigur und lässt Konkurrenzgedanken und -ängste weitestgehend außen vor. Aufgrund der vielen dramatischen Aspekte – der peinigende Regisseur, die traurige Familiengeschichte von Fine und die unsichere Liebesgeschichte zum zerrütteten Nachbarn Joachim (Ronald Zehrfeld) – verirrt sich der Film im Unheil und verliert den Blick für das Wesentliche. Die Entwicklung der Fine ist für das Publikum jedoch stets nachvollziehbar und zieht dieses in seinen Bann, was vor allem der überragenden Leistung von Stine Fischer Christensen zu verdanken ist.

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Die Unsichtbare

Alternativtitel: Cracks in the Shell
Genre: Drama
Laufzeit: 113 Minuten
Regie: Christian Schwochow
Darsteller: Stine Fischer Christensen, Ulrich Noethen, Dagmar Menzel, Anna Maria Mühe
Start: 09. Februar 2012

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