Antikriegsfilme: Liste der 10 besten Filme gegen den Krieg

Antikriegsfilme als solche einzuschätzen, kann sich bei der Vielzahl von Filmen, die sich im engeren oder weiteren Sinne mit dem Thema Krieg beschäftigen, als äußerst schwieriges (weil subjektives) Unterfangen gestalten.
Der erste „Rambo“-Film mit Sylvester Stallone etwa hatte noch nicht die brachiale Gewaltlust entwickelt, die die späteren Filme mit sich brachten. Und auch wenn der Standpunkt in „First Blood“ durchaus als konservativ zu bezeichnen ist, wird sehr wohl das eine oder andere Antikriegs-Statement gemacht. Währenddessen ist Charlie Chaplins „Der große Diktator“ ein Plädoyer für Menschlichkeit und gegen totalitär-faschistische Regime, auch (oder gerade) wenn das Thema „Krieg“ nur ganz am Rande behandelt wird. Und der hochkarätig besetzte Film „Der schmale Grat“ (unter anderen Sean Penn, George Clooney, Woody Harrelson, Nick Nolte und John Travolta) beklagt zwar einerseits die Schonungslosigkeit des Krieges, zeigt sich dann aber doch auch fasziniert von seinen eigenen Bildern.

Tatsächlich ist es genau dieser schmale Grat, der zwischen dem Kriegsfilm und dem Antikriegsfilm existiert. Die folgenden 10 Filme gegen den Krieg widmen sich also unter völlig unterschiedlichen Gesichtspunkten ihrem Thema.

Antikriegsfilme: Die Top 10

1

Apocalypse Now (Francis Ford Coppola, 1979)

Wer an Antikriegsfilme denkt, wird „Apocalypse Now“ (1979, 2001 Redux Fassung) vermutlich sofort als erstes im Kopf haben: Francis Ford Coppola schickt Martin Sheen in die grüne Hölle, auf der Suche nach dem abtrünnigen Marlon Brando. Was er findet ist ein Fiebertraum von militärischem Versagen, psychologisch gebrochenen Soldaten und misshandelten Zivilisten. Die Sinnlosigkeit des Krieges wurde wohl nie wieder in solch einer Ikonographie und Ästhetik dargestellt.
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2

Wege zum Ruhm (Stanley Kubrick, 1957)

Perfektionist Stanley Kubrick widmete sich in seinem vierten Spielfilm dem noch immer im Kino unterrepräsentierten Ersten Weltkrieg: Die Grabenkämpfe zwischen Colonel Dax (Kirk Douglas) und seinem Vorgesetzten spiegeln die ebenso verzweifelte wie nutzlose Situation der Soldaten im Stellungskrieg wieder, während er versucht, drei französische Soldaten vor der ungerechtfertigten Exekution zu retten. Kubricks 1957 gedrehter Antikriegsfilm beschränkt sich im Wesentlichen auf die Darstellung eines einzigen Angriffs, der dafür aber umso beeindruckender ist: Wie vom Geschehen abgerückt fährt die Kamera das gesamte Schlachtfeld entlang, während die angreifenden Soldaten Zentimeter um Zentimeter niedergemäht werden – eine Einstellung, die später von Jean Pierre Jeunet in „Mathilde – Eine große Liebe“ übernommen werden sollte. Die bittere Kritik am Militär und ihr Missachten der Individualität jedes Soldaten beansprucht letztlich den Hauptteil dieses Meisterwerks.
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3

Das Boot (Wolfgang Petersen, 1981)

Wolfgang Petersens Verfilmung von „Das Boot“ ist nicht nur einer der erfolgreichsten Filme aus Deutschland, er ist auch einer der intensivsten Antikriegsfilme: Die Mannschaft eines deutschen U-Boots im Zweiten Weltkrieg wird mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert, ohne den Feind auch nur zu sehen. Allein in einem engen Metallsarg auf dem Grunde des Meeres kämpfen sie nicht gegen andere Soldaten oder für eine Ideologie, sondern in erster Linie gegen die psychologische Belastung an Bord der U96. Gleichzeitig bedeutete das U-Boot-Drama für Regiesseur Petersen und die Hauptdarsteller Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Otto Sander, Martin Semmelrogge und Uwe Ochsenknecht ein regelrechtes Sprungbrett zur Karriere.
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4

The Killing Fields – Schreiendes Land (Roland Joffé)

„The Killing Fields“ berichtet von einer anderen Art Krieg: Dem gegen die eigenen Landsleute. 1975 waren die Roten Khmer siegreich im Bürgerkrieg von Kambodscha und setzten eine Gesellschaftsänderung durch brutale und schonungslose Säuberungsaktionen durch. Über 200.000 Menschen starben bei den Massenmorden und wurden auf den Killing Fields verscharrt. Der Reporter Schanberg kann sich gerade noch aus dem Kriegsgebiet retten. Der kambodschanische Journalist Dith Pran jedoch wird inhaftiert und erlebt die Gewaltherrschaft als Intellektueller am eigenen Leib, bis er unter höchster Gefahr aus einem Gefangenenlager fliehen kann. Roland Joffés Film mit der Musik von Mike Oldfield basiert auf Sidney Scharnbergs New York Times Artikel über seinen Freund und Kollegen.
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5

Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben (Stanley Kubrick, 1964)

Das Thema Krieg hat Stanley Kubrick während seiner gesamten Schaffensweise begleitet. Immer wieder entdeckte der Meisterregisseur einen neuen Ansatz zur Auseinandersetzung. In „Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ zeigt er satirisch die Unfähigkeit derjenigen, die über das Schicksal der gesamten Welt entscheiden: verrückte Generäle und überforderte Präsidenten, Bomberpiloten mit Cowboy-Attitüde, ein Altnazi-Wissenschaftler und ein spionierender russischer Botschafter. Peter Sellers überzeugt in mehreren Rollen und schafft es, zur selben Zeit Witz und Warnung zu transportieren. Vermutlich einer der wichtigsten Filme des Kalten Krieges. Weitere Filme, die sich satirisch mit dem Krieg auseinandersetzen, sind „Catch-22“ (Mike Nichols, 1970), „Three Kings – Es ist schön König zu sein“ (David O. Russell, 1999) und „M*A*S*H“ (Robert Altman, 1970).
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6

Im Westen nichts Neues (Lewis Milestone, 1930)

Erich Maria Remarques Roman über einfache deutsche Soldaten wurde 1930 das erste Mal von Lewis Milestone (Produkion: Carl Laemmle Jr.) verfilmt und gehört noch heute zu den wichtigsten Aufarbeitungsversuchen des Ersten Weltkriegs. Vom Säbelrasseln in der Schule, dem Schleifen in der Kaserne, den Schrecken der Gräben an der Westfront bis hin zum sinnlosen Opfern der Soldaten lässt diese Version (es gibt eine zweite Verfilmung von 1979 mit Ernest Borgnine) eine erstaunlich neutrale und nicht national gefärbte Sicht auf den Krieg zu.
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7

Coming Home – Sie kehren heim (Hal Ashby, 1978)

„Coming Home“ nimmt eine zivile Sicht auf den Krieg ein, ohne die Beschreibung des Vietnamkriegs, vor dessen Hintergrund sich das Drama abspielt, direkt anzugehen. Jane Fonda kümmert sich um den Kriegsveteranen Jon Voight, der nach einer Verwundung im Rollstuhl sitzt. Beide arbeiten ihr Kriegstrauma gemeinsam auf. Die soziale Komponente derer, die zuhause bleiben, und derer, die in den Krieg ziehen müssen, wird in ihrer gesamten physischen und psychischen Wucht gezeigt. Einen ähnlichen Weg schlägt auch Oliver Stones „Geboren am 4. Juli“ (1989) über weite Strecken ein.
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8

Full Metal Jacket (Stanley Kubrick, 1987)

Bei „Full Metal Jacket“, dem dritten Stanley Kubrick Film in dieser Liste, gehen die Meinungen darüber auseinander, ob es sich bei dem bestürzenden Film wirklich um eine Antikriegs-Message handelt. Die erbarmungslose Ausbildung der Marines auf Parris Island gilt den meisten als deutliches Plädoyer gegen die Entmenschlichung des Soldaten, während die späteren Episoden in Vietnam oftmals moralisch ambivalent bleiben. Trotzdem – oder vielleicht auch deswegen – ist der vorletzte Film des britischen Regisseurs einer der wirkungsvollsten seiner Art.
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9

Platoon (Oliver Stone, 1986)

Oliver Stone hat sich ebenfalls dreimal dem Krieg gewidmet, in „Platoon“, „Geboren am 4. Juli“ und „Zwischen Himmel und Hölle“. In ersterem schickt er Charlie Sheen in den Vietnamkrieg, wo er die Grausamkeit seiner Kameraden unter der Führung von Tom Berenger erlebt, sowie die abgestumpft-gelassene Haltung anderer Mitglieder seines Zugs (vor allem Willem Dafoe). Auch hier dominieren ambivalente Entscheidungen und hyperrealistische Kriegsdarstellungen.
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10

Die letzten Glühwürmchen (Isao Takahata, 1988)

Manchmal sind es die abstrakten Filme, die zu den einprägsamsten gehören. Und hierbei sind Zeichentrickfilme von besonders erstaunlicher Eindringlichkeit: „Die letzten Glühwürmchen“ erzählt von zwei Geschwistern, die nach Bombenangriffen auf die japanische Stadt Kobe obdachlos werden und versuchen, gegenseitig beim Überleben zu helfen. Regisseur Takahata bezweifelt zwar den Antikriegsfilm-Ansatz seines Anime, doch zweifelsohne sind die gesellschaftlichen Spuren des Kriegs und die persönlichen Auswirkungen die beiden großen Motoren seiner Geschichte. Ebenso gehören „Waltz with Bashir“ (Ari Folman, 2008) und „Wenn der Wind weht“ (Jimmy Murakami, 1986) zu den verstörend-beeindruckenden Zeichentrick-Antikriegsfilmen.
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Tipps und Hinweise

  • Weitere ebenso wesentliche Vertreter des Genres: Flags of Our Fathers (Clint Eastwood, 2006), Taxi nach Tobruk (Denys de La Patellière, 1960), Stalingrad (Josef Vilsmaier, 1993), Avatar (James Cameron, 2009), Good Morning Vietnam (Barry Levinson, 1987)

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