An Bord der Morgenstern: Piratengeschichte mit Zeichnungen von Riff Reb’s

Piratengeschichten sind gefragt wie eh und je, was natürlich nach sich zieht, dass es eine breite Masse an Veröffentlichungen dazu gibt. Riff Reb's „An Bord der Morgenstern“ ist aber gänzlich anderer Natur wie zum Beispiel Jerry Bruckheimers Fluch der Karibik und hat ein Werk des französischen Abenteuerschriftstellers Pierre Mac Orlan zur Vorlage.

An Bord der Morgenstern: Die anderen Freibeuter

Wir begleiten den jungen Pitti, der ohne Eltern am Anfang des 18. Jahrundert an Frankreichs Küste aufwächst. Nachdem er sich einige Zeit mit ein paar Greisen durchgeschlagen hatte, fand er eine Arbeit in einem Gasthaus. Dort bekam er den ersten Kontakt zu Freibeutern, welchen er schließlich an Bord der Morgenstern folgte. Während seiner Ausbildung zum Seemann erlebt er viele Abenteuer und lernt das wahre Leben eines Piraten kennen, welches nicht mehr viel mit den romantischen Erzählungen der alten Freibeuter zu tun hat.

In der Geschichte stehen ganz klar die Charaktere im Vordergrund und auf Action Sequenzen wird fast ganz verzichtet. Überraschenderweise wurden sogar die Seeschlachten komplett weggelassen. Neben Pitti lernt der Leser einige weitere Protagonisten auf der Morgenstern kennen. Da hätten wir den Schiffsarzt McGraw der eigentlich ein harter Brocken ist, aber eine extrem sentimentale Seite an den Tag legt, wenn es um Hundewelpen geht. Kapitän George Merry ist ein Pirat aus dem Bilderbuch und lässt sich keine Gelegenheit entgehen um an Gold zu kommen. Aber auch er zeigt unerwartete Charaktereigenschaften, besonders im Bezug auf Frauen. Riff Reb's präsentiert uns eine Geschichte, die jeglichen Heroismus hinter sich lässt und eine nüchterne und realistische Sichtweise auf die Freibeuter bietet.

Die Comic Zeichnungen: Dunkel und sparsam

Riff Reb's karikaturistische Darstellung seiner Protagonisten mag nicht jedermanns Sache sein, dennoch bringen sie sehr gut die einzelnen Personen und ihren Charaktereigenschaften an den Leser. Kapitän Merry wurde mit einem extrem markanten Kinn ausgestattet, welches seine Führungsrolle unterstreicht. Pitti wirkt dagegn durchweg schelmenhaft. Jedes der insgesamt 13 Kaptiel wird in einem Grundfarbton gehalten, der immer sehr kühl und dunkel ist. Dunkles grün, blau und dreckiges gelb verleihen jedem Kapitel seinen eigenen Look. Sicherlich könnte man Reb's eine gewisse Sparsamkeit bei der Kolorierung vorwerfen, doch die Farbtöne schaffen eine ganz eigenen Atmosphäre, die nichts mit der allgemeinen Vorstellung der Karibik gemein haben. Eines der großen Highlights ist die Sequenz, als eine Sängerin gefangen genommen wurde und auf der Morgenstern ein Ständchen gibt. Die Darstellung der Töne und der Fluss sind wahrlich meisterhaft und suchen ihres gleichen. Hier hat Reb's wirklich beeindruckende Arbeit geleistet.

Fazit: Die etwas andere Piratengeschichte

Riff Reb's präsentiert uns mit „An Bord der Morgenstern“ eine andere Piratengeschichte, welche im Genre schon lange überfällig war. Das Leben der Freibeuter wird von Krankheit, Gewalt, Alkohol und Prostitution bestimmt. Hier findet man keinen geschminkten Johnny Depp oder eine Piratenbraut. Im Gegenteil. Die Charaktere sind aufgrund ihrer Darstellung und ihrer Geschichte kaum sympathisch. Gleich auf den ersten Seiten des Bandes wird klar, dass hier ein anderer Wind weht. Pitti wird von einem befreundeten Bauernmädchen mit Essen versorgt, doch als diese ihn im Gegenzug für eine tote Krähe nicht unter ihren Rock schauen lässt, erwürgt er sie kurzerhand um anschließend seine Neugier zu befriedigen. Diese extremen Elemente tauchen immer wieder auf, ohne dabei auf eine Orgie an Blut und Gewalt zu setzen. Die Gewalt findet eher beiläufig statt, was sie um so erschreckender macht.

Einige Panel und Sequenzen im Comic wirken aufgrund der Darstellungsform der Charaktere unweigerlich lustig, wobei ich hier nicht beurteilen kann, ob dies von Reb's beabsichtig war oder nicht. Mich hat es nicht gestört, denn es war eine nette Abwechslung.

An Bord der Morgenstern von Riff Reb's mit 128 Seiten im Hardcover ist bei Carlsen erschienen. Preis: 18,90 Euro. ISBN 978-3-551-79108-5

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