Kann ein Algorithmus Bestseller erkennen?

Kann ein Algorithmus Bestseller erkennen?

Auf der Leipziger Buchmesse im März 2018 wurde eine deutsche Software vorgestellt, die Bestseller auf dem Buchmarkt vorhersagen soll. Entlastung für Verlagslektoren oder ein Tiefschlag für die Kreativität?

Tausende von Manuskripten landen pro Jahr bei deutschen Verlagen. Für die Lektoren unmöglich, sie alle seriös zu sichten. Viele der Texte gehen ungelesen zurück an den Autoren. Darunter eventuell auch solche, die das Zeug zum Bestseller gehabt hätten. Die Kulturwissenschaftlerin Gesa Schöning und der Programmierer Ralf Winkler meinen jetzt, eine Lösung gefunden zu haben: Die Software „QualiFiction“ will Manuskripte auf ihre Erfolgschancen auf dem Markt prüfen. Unter Zuhilfenahme von gewissen Daten ermittelt ein Algorithmus dazu den „perfekten“ Text und will den Verlagen so bei der Entscheidung helfen, ob ein Titel veröffentlicht wird oder nicht.

Software vergleicht Manuskripte mit publizierten Werken

Dieser Algorithmus wurde bereits mit Tausenden von Büchern gefüttert – erfolgreichen und nicht erfolgreichen. Anhand dieser Angaben will die Software mittels maschinellem Lernen Kriterien wie Stil, Thematik, Spannungsbögen und Figurenkonstellationen des Manuskripts analysieren und mit denen von Bestsellern vergleichen. Je nachdem, inwieweit das Manuskript die Anforderungen der einzelnen Kategorien erfüllt, errechnet „QualiFiction“ einen Bestseller-Score – der liegt zwischen 0 und 100.

So sollen Verlage eine objektivere Entscheidung treffen können, ob sie ein Buch drucken oder nicht. Zudem könne der Algorithmus auch gleich eine angemessene Auflage berechnen und die passenden PR-Maßnahmen liefern. Und die eine oder andere Lektorenstelle ließe sich so auch einsparen.

Kann eine Maschine Literatur bewerten?

Literatur, von einer Maschine bewertet – da schüttelt es viele Leser. Wo bleibt denn da die Kreativität? Dem widerspricht Gesa Schöning: „Lektoren sollten sich auf Werke konzentrieren können, die ihre Aufmerksamkeit tatsächlich verdienen.“ Und sie könnten Talente aufspüren, die sonst wahrscheinlich durchs Raster fallen: „Wir wollen den Verlagen die Angst nehmen, auch mal etwas Ungewöhnliches herauszubringen, indem wir ihnen verdeutlichen, dass die Komponenten für den wirtschaftlichen Erfolg trotzdem passen.“


Bild:Pixabay, 678265, nile

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