Wilbur Smith: Porträt und Kritik am britischen Kolonisten

Ein „Bachelor of Commerce“ als Schriftsteller

Wilbur Smith, 1933 im heutigen Sambia geboren, schloss nach einer ruhigen Kindheit sein Studium an der Rhodes University mit einem Bachelor of Commerce ab. Zwar hatte er zu der Zeit bereits einen Roman geschrieben, dieser blieb allerdings unveröffentlicht. Dennoch wollte Smith dem Wunsch, als freier Schriftsteller zu arbeiten, nachgehen und begann nun, eifrig Bücher zu schreiben. Auf durchschnittlich zwei Exemplare pro Jahr sollte er es in den folgenden Jahrzehnten schaffen. Seine Werke teilen sich hier zum Großteil in drei Reihen, die nach den Familien, die sie behandeln oder nach der Zeit in der sie spielen, benannt sind.

Die Courtney, die Ballantyne und die ägyptische Reihe

Die Courtney-Reihe behandelt das Leben der gleichnamigen Familien und ihre Erlebnisse in Afrika. Smith hat derzeit 13 Romane in dieser Reihe – von 1964 bis 2009 – geschrieben und deckt einen Handlungsraum von mehr als dreihundert Jahren Kolonialgeschichte ab. Die Reihe lässt sich wiederum in kleine Gruppen von Büchern einteilen, die sich je auf ein bestimmtes Mitglied der Courtney-Familie und deren direkte Nachkommen konzentrieren. Stammeskriege, Kolonialherrschaft und Intrigen zwischen den europäischen Mächten – all dies findet Platz in der Familiengeschichte der Courtneys. Eine besondere Rolle in Smiths Büchern aber spielt stets etwas anderes. Kein Mensch und kein Tier – der Kontinent selbst, auf dem die einzelnen Familienmitglieder immer nur für eine bestimmte Zeit verweilen können, hält die Reihe zusammen und zieht sich wie ein roter Faden durch das Gesamtwerkt von Wilbur Smith. Afrika ist der eigentliche Hauptdarsteller in jeder seiner Reihen, auch wenn er manchmal nur subtil wahrgenommen werden kann.

Auch die andere Familiensaga aus der Hand von Wilbur Smith, die Ballatynes-Reihe, beschäftigt sich mit einer Kolonialfamilie in Afrika.  Sie umfasst zur Zeit fünf Bücher und ist weniger ausgebreitet als die Courtney-Reihe. Die Erzählweise ist ebenso auf Afrika konzentriert, wie in der größeren Familiensaga und Smith sucht im zuletzt erschienenen Buch der Reihe sogar die Vereinigung mit dieser. Die Courtneys und Ballantynes treffen im 20. Jahrhundert aufeinander und begehen ihre literarische Reise möglicherweise von nun an gemeinsam.

Die dritte große Reihe von Smith beschäftigt sich mit den Wurzeln Afrikas, genauer gesagt mit dem ägyptischen Reich zur Zeit des Pharaos Thutmosis III. Ein historisch-fiktionales Bild wird hier gestaltet, das dennoch wiederum nur ein Ziel hat: Afrika als Handlungsträger zu etablieren und – in Verbindung mit den anderen Werken Smiths – ein möglichst umfassendes Bild des Kontinents zu zeigen.

Wegen seines weitreichendes Werks muss sich Smith aber auch einige Kritik anhören. Nicht nur wird ihm intellektuelle Anspruchslosigkeit infolge des immergleichen Hintergrunds der Geschichten vorgeworfen, sondern auch Rassismus und Seximus. Zwei Themen, die sowohl historisch als auch geografisch bedingt, äußerst brisant sind.

Aber muss nicht gerade, wenn über Afrika gesprochen wird, Rassismus stets – in der ein oder anderen Weise – thematisiert werden? Macht Smith seine Figuren glaubwürdiger, wenn er sie rassistischer macht oder kolportiert er dadurch nur Vorurteile, die durch sein kolonialgeprägtes Elternhaus an ihn herangetragen wurden?

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