Dieser Typ ist wie nichts anderes, das je in Serie gegangen ist. Beinah besser noch als Columbo, vielleicht. Und der ist schließlich legendär. Goren spricht mit den Fingern, mit jedem einzelnen in einer anderen Sprache. Dazu die Art, wie er in Wohnungen eindringt, in Büros oder Werkstätten. Raumgreifend und rücksichtslos. Selbst an Tatorten nimmt er sich nicht zurück. Er schnuppert an der Leiche und verkündet, dass sie nach Brandsalbe riecht. Dann zupft er einen weißen Baumwollfaden aus ihren Haaren. Ein Mörder mit Handverband also, darunter Brandblasen.
Goren klettert durch ausgebrannte Autos und turnt rückwärts über die Blutlache hinweg. Beinah tänzelt er, der große schwere Mann, wo immer er ist. Er fragt weit weniger als er sieht, doch er fragt viel. Immerzu ist er auch noch mit etwas anderem beschäftigt. Erdnussessen, in Akten blättern oder Komplimente machen. Nebenbei spielt er mit dem Eigentum seiner Klienten herum, bringt sie auf die Art zur Weißglut. Aber niemals ist Goren abgelenkt, auch wenn es manchmal so aussieht. Wenn er wütend wird, dann brüllt er, das geschieht sogar häufig. Aber es ändert sich nichts, nicht an seiner Haltung, nicht an seiner Körpersprache. Vielleicht ist er auch gar nicht wütend. Selbst wenn er mit Eisenstangen auf seine Verdächtigen einprügelt, bleibt er im Grunde ungerührt. Oder sieht zumindest so aus. Meistens jedenfalls. Oder?
Man weiß es einfach nicht, nicht sicher zumindest. Goren spricht auch kaum über Privates. Höchstens, wenn er schnell bei einem Freund die altchinesischen Zeichen deuten lassen muss, die er seltsamerweise nicht selbst entziffern kann. Ganz anders also als Columbo, der ja sozusagen immer seine Frau dabei hat. Dennoch fahren beide eine Verwirrtaktik, die am Ende stets aufgeht. Nur in einem Punkt unterscheiden sie sich grundlegend. Columbo glaubt man, dass er eine Frau hat, auch wenn man sie nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommt. Goren hingegen glaubt niemand. Die Verdächtigen nicht, die Zeugen nicht, nicht einmal seine Kollegen. Keiner weiß etwas genaues. Nur er selbst, das ist sicher. Und das reicht ja auch.
Eigentlich ein widerlicher Typ. Hinterhältig und gemein, falsch dazu. Arrogant. Alles, was der Job so mit sich bringt. Aber man liebt ihn, nach zwei Sekunden. Soviel steht fest.
Robert Goren wird übrigens gespielt von Vincent D’Onofrio, der seinen ersten großen Auftritt in dem Klassiker Full Metal Jacket hinlegte. Der fette Private Paula, der sich im Waschraum selbst erschießt. Grandios, dieses letzte Grinsen. 35 Kilo soll D’Onofrio sich für die Rolle angefressen haben. Damit muss sich sogar Robert De Niro geschlagen geben, der es für Wie ein wilder Stier nur auf 27 Kilo brachte.
Alles in allem: Respekt!
[Bilder: 1 = wikipedia.org; 2 = zelluloid.de]
