Weniger Hitler ? mehr Nanny: ?Besser essen??

Wenn ein Mensch seit Jahren arbeitslos ist und außerdem zu dick, dann hat das eine mit dem anderen nicht unbedingt zu tun, es sei denn, dieser Mensch strebt eine Modelkarriere an bzw. ist tatsächlich einer dieser Fälle, wo die 350-Kilo-Leiche irgendwann mit dem Kran aus der Wohnung gehievt werden muss. Oder dieser Mensch ist auf einem Sender wie RTL2 oder ProSieben zu sehen, und lässt sich für ein paar Euro ausbeuten.

So wie Antje (32), die nicht nur selbst zu dick ist, sondern auch ihre Tochter Marie mit den entsprechenden Anlangen ausgestattet hat. Klar, da muss einiges an der Lebenseinstellung geändert werden, und wer könnte einem da besser helfen als das Fernsehen. Das hat ja neuerdings total kompetente Ernährungsberater zu bieten, die einem dabei helfen können, die gesamte Lebenseinstellung zu ändern, weshalb sie auch ‚Lifecoaches’ genannt werden.

Was die für gute Ideen haben! Da hilft ein Schildchen mit einer durchgestrichenen Eistüte, das an den Fernseher geklebt wird, dabei, nicht mehr so viel Süßkram zu essen, wenn man schon ständig vor der Glotze hängt (Auf der anderen Seite macht ja jeder Gang schlank, auch der zum Kühlschrank). Und der Turnbeutel, den Töchterchen zur Vermeidung des Schulsports ja ach so gern „vergisst“, wird kurzerhand neben die Wohnungstür gehängt. Helfen kann so einfach sein.

Und wo ist dann der Unterschied zwischen „Besser essen…“ und seinem RTL2-Vorgänger? Nun ja, z.B. werden die Hiobsbotschaften den Beteiligten nicht in einem klinischen Labor-Setting beigebracht, sondern in ihrem eigenen Lebensumfeld, bezeichnenderweise per Fernseher. Dadurch kommen sie sich nicht wie Patienten oder Versuchskaninchen vor; sie sollen merken, dass sie als Menschen ernst genommen werden. Ist ja auch viel besser für den Lernfortschritt – da hat das Fernsehen mal ein bisschen dazugelernt.

Außerdem werden die Kinder nicht auf viel zu hohe Klettergerüste gescheucht, um ihr Selbstvertrauen und den Familienzusammenhalt zu stärken, sondern dürfen sich Träume erfüllen. So darf Marie, deren größter Wunsch angeblich eine Karriere im Reitsport ist, Reitstunden nehmen, die sie sich allerdings erst einmal mit körperlicher Arbeit verdienen muss – wir wollen ja nicht vergessen, an der Moral zu arbeiten.

Und so verliert sie nicht nur pro Stunde 500 Kalorien, sie lernt auch gleich, dass man sich die Freuden des Lebens erarbeiten muss. Dasselbe gilt natürlich auch für Mutti, und zum Glück ist das Fernsehen da und bringt die Altenpflegerin auf die Idee, doch einmal beim „nahe gelegenen Altenheim“ ihre Arbeitskraft anzubieten. Und auch wenn dort grad keine Stelle frei ist, ist die Heimleitung von Antjes Initiative tatsächlich sehr angetan. Siehste wohl – geht doch!

Sehr zu empfehlen ist auch der bei ProSieben obligate Psycho bzw. Ernährungs-Test, der z.B. auf die Frage „Wie sieht ein normales Abendessen bei dir und deiner Familie aus?“ die folgenden Antworten vorschlägt:

  • „Gesunde Mischkost, viel Salat und Gemüse
  • Schnelle Fertiggerichte aus Tiefkühltruhe oder Dose
  • Hauptsache viel, deftig und fettig“

Und wenn man dann so lustig ist, mal die krassesten Antworten anzuklicken, bekommt man auch gleich – hoch lebe das Fernsehen, hoch lebe ProSieben! – die Lösung aller Probleme serviert:

„Oje! Du und deine Familie brauchen ganz dringend die Hilfe unserer Berater! Deine Ernährung ist unausgewogen und einseitig, Bewegung fehlt gänzlich. […] Aber noch ist es nicht zu spät: Bewirb dich bei uns! Wir helfen dir und deiner Familie sehr gerne dabei, Ernährung und Leben besser in den Griff zu kriegen – und wieder so richtig in Schwung zu kommen!“

Eine Meinung

  1. Diese shows sind dermassen übel. Da setzt sich irgendeine dahergelaufene Z-promitussi ins fernsehen um leuten zu sagen was sie falsch machen ? wie geil. und nocb besser : da werden irgendwelche gemorphten bilder gezeigt unter der überschrift : so könnten sie/ihre kinder in 10-20 jahren aussehen wenn sie nicht auf UNS hören ……sowas sollte man verbieten.

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