Verbrauchertipps für Weihnachtsschenker – HEUTE: „Es leben die Liebe, das Leiden und der Sex!“

Brecht ist in. Jedenfalls kann man ihm zur Zeit kaum entgehen, nicht mal in der Popkultur. Man denke an die großartigen Dresden Dolls, an Slut, an Campino und Robbie Williams. Nicht immer gelungen, aber doch Beispiel für Aktualität und Prägnanz des Brecht'schen Werkes. Das mehr ist als bildungsbürgerliches Herumposieren, sondern gut für dich und mich. Da ist nämlich für jeden was dabei. Wie in diesem Buch.

In „Bertolt Brecht – Gedichte über die Liebe" gibt es viele kleine Perlen zu entdecken. Nie wirklich kitschig, dafür teilweise deftig ins Vulgäre geneigt. Und ja, sogar das Wort mit F kommt vor und mag den Leser leicht erröten lassen. Seine Affären (die ja einen ähnlichen Stellenwert in seinem Imagepuzzle einnehmen wie die Schiebermütze und die Zigarre) gaben ihm also ausreichend „Stoff" für eine derartige Variation von Tönen. Mal realistisch, mal romantisch, traurig, wild, derb, zynisch und wieder lyrisch.. Da zerreißt es den Leser zwischen Bewunderung (für die einzigartige Darstellung von Gefühlen, die [hoffentlich!] jede[r] kennt z.B. in „Fragen") und Mitleid (für den etwas armseligen Sexprotz z.B. in „Sauna und Beischlaf").

Ausgewählt von Werner Hecht und verlegt von Suhrkamp gibt es in diesem Bändchen Gedichte zu lesen, die man wohl „Klassiker" nennen kann, aber auch solche, die man erstaunt neu entdeckt (und die teilweise auch erstmals in diesem Band veröffentlich worden sind). Im Anhang gibt es die obligatorischen biografischen Daten und Anmerkungen zu den einzelnen Gedichten. Eine gelungene Sammlung, vielfältig und repräsentativ.

Liegt es nicht auch nahe, das große Brecht-Jahr mit einem entsprechenden Weihnachtsgeschenk abzurunden, das u.a. recht untypische Zeilen des Meisters und Salonrevolutionärs enthält? Natürlich kann man mit der Jahreszahl-Jubiläums-Begründung auch Mozart-, Heine-, Benn- und viele andere Bücher verschenken, aber vielleicht ist Brecht zwischen all diesen Denkmälern noch das wunderbar streitbarste.

Zusammenfassung: handliches Klassiker-Lesebuch für Spontan-Zitierer und Zeitgeist-Bohémiens jeden Alters; -Geeignet für: Verliebte und an der Liebe leidende und alle, die irgendwo dazwischen hängen

Romantikfaktor: 6

Weisheitsfaktor:5

Bildungsfaktor: 7

Humorfaktor: 4

Angeberfaktor: 8

Empfohlen vom Deutschen Institut für Rundum-Blicke auf Weltliteraten und von der Arbeitsgruppe „Fast hundert Jahre alte Gedichte in heutiger Aktualität" der Houellebecq-Stiftung Eifel (Ost)

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out-takes – das lesbisch-schwule Lexikon des unnützen Wissens

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