Storyboard erstellen: Wichtige Szenen aus dem Drehbuch richtig visualisieren

Während das Drehbuch konzeptionell alle wichtigen Informationen präsentiert, dient ein Storyboard im nächsten Schritt dazu, diese Grundlage visuell aufzubereiten. Das Drehbuch beschreibt Dialoge, Reaktionen, Mimik und Gestik und lässt das Kopfkino allein durch das Lesen beginnen. Da die eigene Fantasie jedem ein anderes Kopfkino-Erlebnis beschert, ist ein Storyboard notwendig, um Vorstellungen und Gedanken zu vereinheitlichen und damit einzelne Filmszenen besser zu planen.

Ein Storyboard erstellen spart beim Dreh oft Zeit und Nerven

Die konkrete Gestaltung und Planung einzelner Szenen aus dem Film, dient vor allem dem reibungslosen Ablauf beim Dreh. Während der Erstellung des Storyboards, sind Storyboard-Zeichner, Regisseur und Kameramann gezwungen, sich Gedanken zur filmischen Umsetzung des Drehbuchs zu machen. Würde ohne Storyboard am Set einfach planlos losgedreht werden, würde dies nicht nur mehr Zeit in Anspruch nehmen, sondern auch zu mehr Fehlern in der Produktion führen, die in der Postproduktion nur schwer und kostenintensiv behoben werden können. Ihr seht – Planung macht den Meister!

Storyboard erstellen: Was wird benötigt?

  • lose DIN A4 Blätter
  • Bleistift, Kugelschreiber oder Filzstift

Storyboard erstellen: So wirds gemacht!

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Welche Informationen gehören auf das Storyboard

  1. Neben der eigentlichen Zeichnung werden auf dem Storyboard noch weitere wichtige Informationen festgehalten. Sogenannte Metadaten geben Auskunft darüber, welches Equipment beim Dreh benötigt wird, wie die Kamerabewegung aussieht, um das nächste Bild zu erreichen oder was in der Postproduktion beachtet werden muss.
  1. Folgende Metadaten gehören auf das Storyboard:
  • Regieanweisungen
  • Kamerabewegung
  • Informationen zu den Lichtverhältnissen
  • Aufnahmezeit
  • welches Produktionsequipment benötigt wird
  • wichtig für die Postproduktion: Informationen zu Voice-Over, zu Soundeffekten und Animationen
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Aufbau eines Storyboards

  1. Um ohne großen Aufwand ein Drehbuch visualisieren zu können, lohnt es sich vorab Formblätter zu erstellen, die neben dem Rahmen für die Scribbles (beispielhafte, gekritzelte Zeichnungen) auch schon Felder enthalten, um die Metadaten einzutragen. Wie ihr diese Vorlagen anlegt, ist ganz Euch überlassen. So können z.B. links Informationen zum Dreh einen Platz finden, in der Mitte der Rahmen für die Zeichnung gelegt werden, um rechts noch Notizen für die Postproduktion zu hinterlassen.
  2. Wenn Ihr euer Layout für das Storyboard wählt, beachtet, dass die schriftlichen Informationen immer dem richtigen Bild zugeordnet werden müssen und nicht zu weit entfernt davon stehen sollten. Zudem sollte der Rahmen für die Scribbles das richtige Seitenverhältnis aufweisen, dass später auch im Film verwendet wird. Anderenfalls ist die Zeichnung nur schwer bei Dreh umsetzbar und führt zur Verwirrung.
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Storyboard erstellen – Einstellungsgrößen

  1. Habt Ihr Euch eine Arbeitsgrundlage geschaffen, kann es mit dem Zeichnen losgehen. Das Drehbuch gibt dabei als Grundlage die Struktur vor, der Ihr linear folgt. So sollten die unterschiedlichen Einstellungen einer Szene in chronologisch richtiger Reihenfolge auch nach einander gezeichnet werden.
  1. Eine Skizze dient dabei immer der Darstellung einer Kameraeinstellung. Wird diese gewechselt, erfolgt das in der nächsten Zeichnung, wobei die Information wichtig ist, wie die nächste Einstellung erreicht wird, z.B. in welche Richtung sich die Kamera drehen soll. Wichtig ist, sich bei der Zeichnung auf das Wesentliche zu konzentrieren und nur das zu skizzieren, auf das sich die Handlung bezieht. Hintergründe und ablenkende Informationen im Bild sollten stark reduziert sein.
  1. Anhand der Scribbles ist dann abzulesen, ob die Einstellungen der Szene sinnvoll sind, ob genug Dynamik im Bildverlauf erzeugt wird und welche Perspektive, welcher Blickwinkel überflüssig ist.
  1. Die wichtigsten Einstellungsgrößen im Überblick:
  • Supertotale oder Weite Einstellung – oft Landschaftsaufnahme oder Übersichtsaufnahme, in der die Menschen nur sehr klein zu erkennen sind; Bildinhalt ist die Weite, die totale Information über den gesamten Ort des Geschehens; wird oft benutzt, um an eine Szene langsam heranzuführen, als „Establishing Shot“
  • Totale – Landschaft und Umgebung sind nicht mehr der hauptsächliche Bildinhalt; Personen oder Gruppen lassen sich schon erkennen und sind vollständig zu sehen
  • Halbtotale – nun stellt die Person den Bildinhalt dar; sie ist von Kopf bis Fuß bildfüllend zu erkennen
  • Amerikanische Einstellung – eine spezielle Form, die hauptsächlich in alten Western zum Einsatz kam; die Person ist von Kopf bis Knie zu sehen, um genau beobachten zu können, wann und wie der Revolver gezogen wird
  • Halbnahe – die Person ist von Kopf bis Hüpfte im Bild
  • Nahe – oft verwendet in Dialogszenen, wenn Mimik und Gestik klar für den Zuschauer zu erkennen sein sollen; die Person ist vom Kopf bis zur Mitte des Oberkörpers im Bild
  • Großaufnahme – hierbei steht nur noch die Mimik im Vordergrund; die Person wird von Kopf bis Schulter gezeigt
  • Detailaufnahme – dient der Aufnahme eines einzelnen Details des Gesamtbildes, z.B. nur das Auge oder nur das Tippen auf der Tastatur
  • Italienische Einstellung – eine Sonderform der Detailaufnahme, in der nur beide Augen einer Person im Bild gezeigt werden; damals üblich in Sergio Leones Spaghetti Western

Einen tollen Film zur Erklärung der Einstellungsgrößen und Perspektiven im Film findet Ihr hier.

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Verschiedene Arten ein Drehbuch zu visualisieren

  1. Beim Storyboard erstellen sollte zudem schon bedacht werden, welches Publikum sich einmal die Zeichnungen ansehen wird. Storyboards für kommerzielle Zwecke haben z.B. andere Anforderungen und weisen mehr auf, als einen zeichnerischen Rohentwurf.
  1. Die wichtigsten Formen eines Storyboards im Überblick:
  • Shooting Board – ist die Arbeitsgrundlage für das Filmteam; Strichzeichnungen genügen, um Bildinformationen zu vermitteln
  • Presentation Board – dient dazu, den Auftraggeber, Chef oder ein Publikum von einer Idee zu überzeugen; das Storyboard ist daher oft aufwändig und farbig gezeichnet
  • Commercial Board – zielt auf das Endpublikum ab; Schlüsselszenen werden schon sehr realistisch dargestellt, oft als direkte Fotos aus dem Film

Interessante Storyboards zum bestaunen gibt es hier oder hier.

Zeitaufwand: 60 Minuten Schwierigkeitsgrad:

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