Morning Glories: Breakfast Club meets Lost meets Einer flog über das Kuckucksnest

Eine scheinbar wahllose Auswahl an begabten Schülern erhält ein Stipendium an einer der angesehensten Privatschulen Amerikas, doch bereits kurz nach ihrer Ankunft müssen die sechs Teenager erkennen, dass es sich dabei eher um ein Gefängnis mit vielen düsteren Geheimnissen handelt und ein paar sadistischen Lehrern, die alle einen höheren Plan verfolgen.

Morning Glories: Mystery im Sauseschritt

Lange wird hier nicht gezögert bis die Fassade bröckelt, ganz im Gegenteil, Nick Spencer wirft den Leser direkt in die sinistere Atmosphäre der scheinbar albtraumhaften Schule hinein und weiht ihn daher schneller als die Schüler ein. Ein gewagter Schritt für ein Mystery Comic, wird dabei doch normalerweise lieber aus der Sicht der Protagonisten erzählt, damit man weiter rätseln darf.

Doch rätseln kann man auch so genug, Volume 1 („für eine bessere Zukunft“) umfasst 6 Ausgaben, deren Coverart von Rodin Esquejo leider im Sammelband fehlt (was auch relativ unüblich ist), die nichtsdestotrotz schnell süchtig nach mehr machen. In dieser ersten Ausgabe wird viel aufgeworfen und wenig beantwortet, das sei schon mal gesagt.

„Lost“ lässt grüßen

Zugegeben, das Gefühl, dass man es hier mit einem Lost-artigen Universum zu tun hat, dem schnell die Ideen ausgehen könnten, lässt sich auch auf der letzten Seite nicht abschütteln, das aber auch nur, weil die bis dahin aufgeworfenen Mysterien nur allzu faszinierend sind. Ob es sich hier um Science Fiction, Fantasy oder Horror handelt, ist nämlich noch lange nicht klar, was die sechs Schüler abgesehen von ihren Geburtstagen verbindet und was der eigentliche Zweck der Schule ist, die wie Xaviers X-Men Academy wirkt, die durch einen verschwörungstheoretischen Orwell-Strudel geschickt wurde, lässt die Seiten schneller umblättern, macht aber auch Angst, dass hier zu viel versprochen wird, um es in späteren Bänden erfüllen zu können.

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Joe Eisma zeichnet lebendig und etwas generisch

Joe Eismas Illustrationen sind eigentlich in klassischer Tradition solide, vermögen es aber noch nicht ganz den Charakteren individuelle Merkmale zu verpassen, so dass besonders Nebencharaktere verschwimmen und man Mühe hat, sie zu unterscheiden. Gerade in einer Story, die derartig viele Fragen aufwirft, ist das natürlich doppelt verwirrend. Dass Esquejo dabei schon auf dem Cover distinktive Züge der Charakter zum Leben erweckt und man ohne überhaupt eine Seite gelesen zu haben, ein Gefühl für sie bekommt, zeigt dabei auf, dass Eismer als selbst erlernter Illustrator sehr wohl Talent hat, aber noch dazu lernen kann und es hoffentlich im Verlauf der Serie auch tut.
Ansonsten ist Eismer jedoch äußerst gewandt darin, Charakter durch Gestik und Körpersprache perfekt darzustellen, teilweise auch mit komödiantischer Finesse, die glücklicherweise im ansonsten doch sehr düsteren ersten Band notwendig ist.

Besonders in Band 1 kann sich niemand wirklich leiden und auch wenn die Teenager eingangs arg gewissen Stereotypen entsprechen (der Nerd, der Snob, der Geheimnisvolle, die Sirene, das Emo Girl und die Heldin), gibt es genügend Aspekte in kleinen Szenen, die darauf hinweisen, dass die sechs Kids hoffentlich im Verlauf der Bände noch weiter aus ihren Nischen heraus wachsen werden. Ansonsten wäre es eine sehr vertane Gelegenheit, denn das Teen Serien 101 kann es gut vertragen, neu aufgemischt zu werden.

Potentielle Comic Reihe

Alles in allem ist „Morning Glories“ trotz der vielen Fragen und kleinen Mängel das, was man allgemein als „Pageturner“ verstehen kann, denn die Finger lassen kann man von der Geschichte nicht und der zweite Band sitzt auch schon in den Startlöchern.
Und so sind die Kritikpunkte nur deshalb so sehr im Vordergrund, weil „Morning Glories“ so viel Potential hat und dieses hoffentlich auch ausnutzt, nicht zuletzt, weil Eismer schon jetzt im Gespräch mit diversen Produktionsfirmen ist, so dass es vielleicht auch bald eine Serie oder einen Film dazu gibt.

Wer nicht auf Esquejos Coverzeichnungen verzichten will, der sollte übrigens noch bis zum Erscheinen des Sammelbands der ersten 12 Comics warten, da diese dort enthalten sind.

Morning Glories
Story: Nick Spencer
Illustrationen: Joe Eismer
Cover Art: Rodin Esquejo
Verlag: Panini/Image
Preis: 19,95
Umfang: Ausgaben 1-6/ 192 Seiten

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