?Gong Show? Reloaded ? Gottschalk und der Kopiermarathon

Kaum hat man endlich wieder mal eine Welle gleichformatiger Sendungen überstanden, kommt schon die nächste angerollt. Ich gebe zu, bei Kati Witt hab ich zwischendurch auch mal bewusst eingeschaltet. Wirklich mitgefiebert habe ich nicht gerade, auch wenn ich mich doch dann und wann beim Fußwippen und virtuell mitpirouieren erwischte. Dennoch, gerade das Theater um die Eislaufshows von RTL und ProSieben hat einmal eindeutig gezeigt, dass es längst nicht mehr um neue Ideen geht, sondern darum, wer schneller und besser kopiert. Wer kündigt als erster an, wer geht als erstes „on air“ und wer hat dann die besseren Moderatoren, Kandidaten und Quoten – all dies hat gezeigt, dass der Einfallsreichtum des einen Senders oft in erster Linie von dem des anderen abhängt. Und der wiederum von dem (in der Regel) britischen Original.

Das war bei sämtlichen Casting-Shows von „DSDS“ bis „You Can Dance!“ so („Pop Idol“ und „So you think you can dance“), das war bei „Wer wird Millionär“ so („Who wants to be a millionaire“) und das war bei allen Promi-Tanz-Shows so, ob nun auf dem Parkett („Strictly Come Dancing“) oder auf dem Eis („Dancing on Ice“). Und – wir wollen ja beim Thema Talentshow bleiben – das war auch bei der Gong-Show so, die bei uns ca. 1993 von Götz Alsmann moderiert wurde (auf RTL) und 2003 mit Marco Ströhlein noch einmal wieder belebt wurde (in Sat.1), Gott sei Dank aber auch nur kurz.

Erinnern kann sich daran jedoch kaum noch jemand, und nicht einmal das Internet weiß Interessantes über Herrn Ströhlein zu berichten. Wie deprimierend muss das sein: das hat man eine TV-Show bei einem großen Sender und drei Jahre später kann sich nicht mal mehr das Internet so recht an einen erinnern. Aber das ist nun mal das Schicksal, mit dem man als Fernsehheini in einer Zeit, in der es keine richtigen Stars mehr gibt, zu rechnen hat.

Nun also wollen, wie DWDL berichtet, gleich zwei Firmen eine deutsche Version von „America’s got talent“ produzieren, und zwar Constantin Entertainment („Das Millionentalent“) und Grundy Light Entertainment. Letztere werden mit RTL zusammenarbeiten; die Berichte des Kontakters, Sat.1 habe Interesse an der Constantin-Produktion, wurden DWDL gegenüber jedoch nicht bestätigt. Bühne frei also für mindestens eine neue „Gong Show“, und im Land der Dichter und Denker bleibt alles beim Alten: Kopieren geht über Studieren.

Dass ein deutscher Kopf sich fürs Fernsehen mal was Neues ausgedacht hat, ist m. E. zuletzt Frank Elstner mit „Wetten dass..?“ gelungen, und das ist immerhin auch schon 25 Jahre her. Dass das Gebiss der Zeit am Konzept gehörig geknabbert hat, kann man prima an Show-Dino Thomas Gottschalk beobachten, der gemeinsam mit der Dino-Show alt geworden ist. Würdelos, wie der Mann immer tiefer in den Herrenwitz abrutscht, während die Frequenz seiner Grabbelattacken auf die weiblichen Stargäste stetig ansteigt.

‚Stargast’ ist übrigens ein sehr schönes Wort, das, so glaube ich, außer Gottschalk nur noch einer sagen darf, und das ist Florian Silbereisen. Der hat nämlich nicht nur eine ähnliche Frisur und ähnliche Klamotten, sondern auch eine ähnliche Aura wie der Herr Gottschalk, auch wenn er gerade einmal so alt ist wie „Wetten dass..?“ Wer weiß, vielleicht übernimmt der Florian ja irgendwann mal die Show, ich würd’s ihm gönnen. Könnte aber auch sein, dass Grundy Light Entertainment demnächst auf ihn zukommt und ihm die Moderation einer total neuen Show mit total neuem Konzept anbietet, einer Volksmusikanten-Casting-Show, vielleicht ja sogar mit Gong.

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