Ford Sierra Test: Unterwegs im Sierra RS Cosworth

Nein, der Ford Sierra war nicht zwangläufig ein Rentnermobil. Wenn der Kunde statt 2.0 CL lieber RS Cosworth geordert hatte, konnte er mit seinem Mittelklasse-Wagen direkt Mercedes 190 2.5 16V und BMW M3 herausfordern.

Als Nachfolger des XR4i mit 2,8-l-V6 gab sich der Ford Sierra RS Cosworth ganz der Turbomode der 80er Jahre hin. Neben der Aufladung noch einen 16V-Kopf der Könner von Cosworth, wildes Flügelwerk und eine straffe abgestimmte Aufhängung, schon war der Rennwagen für die Straße zum Preis von rund 50.000 DM erhältlich. Klar, damals ein Haufen Schotter, doch gerade auf Asphalt zeigte sich der Cossie in Bestform. Dessen waren wir uns schon vor dem Ford Sierra Test gewahr, und unsere Erwartungen wurden geradezu übererfüllt. Stichpunkt Fahrwerk: Der Sierra RS liegt wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße – grundsätzlich neutral, fährt der Hecktriebler exakt dahin, wohin er soll. So der Fahrer das Volant der nicht übermäßig präzisen Lenkung stets fest im Griff hat. Mit beiden Händen.

 

Ohne frische Brise ging beim Ford Sierra Test nichts

Auf großer Fahrt darben die Insassen des Ford Sierra RS Cosworth durchaus nicht. Ein Bordcomputer informiert den Fahrer über nicht geschlossene Türen, ein Blaupunkt-Radio unterhält den Rest der Belegschaft. Die Glücklichen in der ersten Reihe genießen massig Seitenhalt in bequeme Recaro-Sportsitzen, die keineswegs Unglücklichen im Fond ein überraschend hohes Maß an Kopf- und Beinfreiheit. Eine Klimaanlage gibt es im Ford Oldtimer nicht, dafür aber elektrische Fensterheber und ein Schiebedach. Die derart verbesserte Belüftung kommt alles andere als verkehrt, brannte beim sommerlichen Ford Sierra Test die Sonne doch mit weit über 30º C vom Himmel. Also nicht bummeln, mehr Tempo bringt mehr erfrischenden Fahrtwind ins üppig verglaste Interieur.

 

Zum alten Eisen gehört der Sierra RS Cosworth noch lange nicht

Ein herzhafter Tritt aus Gas, und der Sierra Cosworth schießt los. Kultiviert zwar und gleichförmig in der Beschleunigung, alles schön gleichmäßig ohne Turboloch und hinterhältig einsetzenden Boost. Aber eben auch so souverän wie unbeirrbar. Mit etwas Nachdruck lässt sich der Schaltknauf durch die Gassen des Fünfgang-Getriebes bewegen, nach flotten 7,0 Sekunden liegt dank satter 270 Nm Drehmoment Tempo 100 an. Die Leistung des Zwoliter-Vierzylinder kann sich mit 204 PS ebenfalls sehen lassen – die bei unserem Ford Sierra Test auf mäandernden Landstraßen nicht geprüfte Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h ebenfalls. Akustisch ist der Cossie dabei durchaus präsent – kernig grollend weist er wenig subtil auf seine Tugenden hin.

 

Preisverdächtig rasen ließ sich mit dem Ford Coupé auch

Traktionsprobleme fallen dank des Sperrdifferentials und des beachtlichen Heckflügels aus, der der Antriebsachse reichlich Anpressdruck beschert – der Sierra RS Cosworth entpuppt sich als Fahrmaschine par excellence. Das wurde vom Nachfolger des V6-befeuerten XR4i auch erwartet. Als kräftigem, aber nicht unzivilisiertem Homologationswagen für die DTM lastete auf ihm hoher Druck, nicht nur aus dem Lader. BMW M3 und MB 190 16V hießen die Konkurrenten, und 198 ließ Klaus Ludwig als frisch gebackener Tourenwagen-Meister die Korken knallen. Wir sind da etwas bescheidener und lassen es mit ein paar Runden beim Ford Ehrenlauf im Rahmen der diesjährigen Schloss Dyck Classic Days bewenden. Mangelnden Jubel musste das geflügelte Ford Coupé dabei übrigens nicht beklagen.

 

Bilder: ©Arild Eichbaum

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