Ford 17M RS Test: Reisespaß statt Rallyesport

Zum 50jährigen Jubiläum der Ford RS-Modelle durften wir jüngst in einem Ford 17M RS Platz nehmen. Der modellgepflegte 17M RS vom Typ P7b trat mit breiten Zierstreifen und Zusatzscheinwerfern entschieden dynamischer auf als der entsprechende P7a – selbst ohne dessen Lufthutze.

Eines vorweg: Im Rallye-Sport – „RS“ – zu punkten ist diesem Ford Oldtimer so fern wie sonst nur was. Die Verzögerung treibt beim Ford 17M RS Test den kalten Schweiß auf die Stirn, nach ewigem Pedalweg passiert gefühlt so gut wie gar nichts, dann wird in Zeitlupe Tempo abgebaut. Und das mit vorderen Scheibenbremsen! Ok, die sind arg klein ausgefallen, müssen innerhalb von 14-Zoll-Alus Platz finden… Ganz großes Kino ist das etwas Kraft verlangende Viergang-Getriebe mit ultrakurzen Schaltwegen und so sauberer Führung, dass selbst blinde Trunkenbolde den rechten Vorwärtsgang nicht verfehlen können. Anders verhält sich es jedoch beim Rückwärtsfahren, denn dieser Gang ist im 17M RS nur äußerst unwillig einzulegen.

 

Raserei ist beim Ford 17M RS Test nicht gefragt

Auch der 2,0 Liter große Ford-V6 mit zentraler Nockenwelle und Stößelstangen ist eher gemütlich getrimmt, brummelt sich zu 90 PS bei 5.000 Umdrehungen auf und schiebt die 1.100 kg schwere Fuhre mit 156 Nm bei 3.000 Touren nicht gerade rasant, doch allemal unbeschwert voran. Tempo 100 erreicht der gehobene Mittelklasse-Wagen aus dem Stand nach 14,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h bleibt angesichts der nicht eben Vertrauen erweckenden Bremsen ungeprüft. Das deutlich mehr auf Komfort als Sportlichkeit getrimmte Fahrwerk mit hinterer Starrachse an Blattfedern verhindert alle weiteren dynamischen Ambitionen: Kurven werden im Ford 17M RS Test zwar mit Genuss, aber auch beachtlicher Seitenneigung bewerkstelligt.

Mit dem Ford Oldtimer Sonne und Frischluft tanken

Als großer Reisewagen weiß das Ford Coupé um so mehr zu brillieren; rasch alle vier Scheiben runter gekurbelt, lassen sich die letzten Sonnenstrahlen des Jahres ungestört von einer B-Säule einfangen. Wunderbar, auch bei flotter Fahrweise zieht es nicht im Innenraum. Servo-Unterstützung ist übertriebener und nicht vorhandene Verweichlichung, Kursänderungen lassen sich über die nicht allzu direkte Lenkung auch so gut umsetzen. Der dünne Lenkradkranz aus rutschigem Kunststoff liegt aus heutiger Warte nur mäßig gut in der Hand – mit den damals geläufigen Fahrerhandschuhen sähe das sicherlich anders aus. Gewöhnungsbedürftig in Zeiten von Komfortblinkern war beim Ford 17M RS Test auch der Blinkerhebel ohne Rückstellung – 50 Jahre vergehen nun mal nicht spurlos.

 

Im 17M RS geht’s gediegen zu

Der mit einigen Chromakzenten ansehnlich dekorierte Innenraum zeugt vom Chic vergangener Tage: Schwarzes Kunstleder mit Pepita-Stoff galt als sportlich, die schrumpflackierte Mittelkonsole mit zum Fahrer geneigten Zusatzinstrumenten für Zeituhr, Öldrück und Batterieladung erst recht. Auch das übersichtliche Cockpit konnte Punkte sammeln. Akustisch hält sich der Motor beim Ford 17M RS Test zurück, was der Langstreckeneignung wie der üppig bemessene Gepäckraum durchaus zupass kommt. Die Liegesitze erweisen sich als bequem, Seitenhalt ist im Gegensatz zu Kopfstützen vorhanden. Den Ellenbogen schön auf der Türoberkante geparkt, lässt sich der Tag mit breitem Grinsen auf spreewäldischen Landstraßen vertun. Zeit zum Entschleunigen haben wir ja…

 

Bilder: ©Arild Eichbaum

 

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