Faust: imposante Verfilmung von Alexander Sokurow

Heinrich Faust (Johannes Zeiler) ist ein Getriebener: Sein Wunsch, die Welt in all ihren Facetten zu erkennen, scheitert am Auffinden der menschlichen Seele.

Dieser Wesenszug macht ihn für den Geldverleiher (Anton Adasinsky) – niemand geringeres als Mephisto – interessant, mit dem er nun gemeinsam von Ort zu Ort zieht und seine Umwelt analysiert.

Regisseur Alexander Sokurow hat die klassischen Elemente der Faustlegende in die Zeit des bekanntesten Bearbeiters des Stoffes, Johann Wolfgang von Goethe, verlegt, ohne sich direkt am bekannten Klassiker entlang zu hangeln.

Frei nach Goethe: Faust von Alexander Sokurow

Seine Seele verkauft Faust geradezu interessenlos, doch schnell stellt er fest, dass ihm nichts von dem reicht, das er für sie bekommt: Fausts Scheitern im Angesicht seiner Disziplinen führt zu unstillbarem Verlangen nach mehr Wissen – und nach Margarete (Isolda Dychauk), einer jungen Bauersfrau, die zum Objekt der Begierde und der Verfehlungen für ihn wird.

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Diese Verfilmung der Faust-Sage bezieht sich auf die Vorlagen aus Volkslegende, dem Drama von Johann Wolfgang von Goethe, dessen Vorgänger Christopher Marlowe oder dem Roman von Thomas Mann nur vage, bleibt vor allem in der vom Regisseur in seinen drei vorangegangenen Filmen „Moloch“, „Taurus“ und „Die Sonne“ etablierten Fragestellung um Machtmenschen und ihrer Umwelt. Wer eine Literatur- oder Theaterverfilmung erwartet, wie sie Gustav Gründgens 1960 vorlegte, wird erstaunt sein, nicht unbedingt aber enttäuscht.

Eigenständige Verfilmung des Volksmythos

Das 130-minütige Epos von Alexander Sokurow nähert sich seinen Vorlagen auf beeindruckende Weise mit ausufernden Dialogen zu Politik, Geldfragen, Macht und Begierde, während auch die Grundthemen von Philosophie und Religion weite Teile umfassen – das Publikum wird von dem geballten Wissensdurst des Doktors und der Redegewandheit des Mephistopheles geradezu erschlagen. Absurde und skurrile Momente setzen hier weitere Akzente.

Bei den Filmfestspielen in Venedig wurde dem 60-jährigen Regisseur mit dem Goldenen Löwen dessen erster großer Preis verliehen, sein „Faust“ wurde frenetisch als Überraschungserfolg gefeiert. Ab 19. Januar 2012 ist er auch in den regulären Kinos zu sehen.

Faust
Regie: Alexander Sokurow
Buch: Yuri Arabov, Alexander Sokurow, Marina Koreneva
Vorlage: Johann Wolfgang von Goethe
Mit: Johannes Zeiler, Anton Adasinsky, Isolda Dychauk, Hanna Schygulla, Georg Friedrich
Kamera: Bruno Delbonnel
Studio: Proline Film

Kinostart: 19.01.2012

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