„Eine Live-Sendung mit jungen Leuten, für junge Leute“: Vor 50 Jahren geht der Beat-Club auf Sendung

Für die damalige Fernsehlandschaft bedeutet der 25. September eine Revolution. Mit dem legendären Beat-Club startet die erste Musiksendung im bundesdeutschen TV, in der englischsprachige Interpreten und Bands zu sehen und hören sind. Und dann auch noch welche mit langen Haaren, die ihre Instrumente auf der Bühne zertrümmern!




Das deutsche Fernsehe – für Jugendliche muss Anfang der Sechzigerjahre das nackte Grauen gewesen sein. Volksmusik, Heimatfilme und altbackene Quizshows dominieren das Programm. Doch die jungen Leute gieren nach englischsprachiger Popmusik. Da sie es im Fernsehen nicht geboten bekommt, wendet sich die Jugend den englischen und amerikanischen Soldaten-Radiosendern wie BFBS und AFN zu, denn dort spielt die Beatmusik.

Das Fernsehen kann englische Popmusik nicht länger ignorieren

Als ab 1963 englischsprachige Bands und Interpreten zu Dauergästen in den deutschen Hitparaden werden, beginnen selbst die Senderchefs die Zeichen der Zeit zu erkennen. Mitte 1965 werden Michael Leckerbusch, Redakteur bei Radio Bremen, und der Bremer DJ Gerhard Augustin damit beauftragt, ein Konzept für eine moderne Musiksendung im Fernsehe zu entwickeln.
Bei der Anmoderation der Premierenfolge vom Beat-Club (siehe YouTube-Clip) sah sich der spätere „Tagesschau“-Sprecher Wilhelm Wieben noch zu einer entschuldigenden Vorwarnung an die älteren Zuschauer genötigt: „Sie aber, meine Damen und Herren, die sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Ihr Verständnis: Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten, für junge Leute. Und nun geht’s los!“

Die Sendung moderierte zunächst das Duo Uschi Nerke und Gerhard Augustin, der nach der achten Folge ausstieg. Während die meisten Erwachsenen mit Unverständnis bis Empörung über die Playback-Auftritte vor Publikum reagierten, wurde der Beat-Club unter Jugendlichen zum Renner, war für mehr als 60 Prozent der Unterdreißigjährigen ein Pflichttermin.

Die Großen der Szene geben dem Beat-Club die Ehre

Dabei waren zunächst lediglich dritt- bis bestenfalls zweitklassige Bands mit von der Partie, doch das Bedürfnis nach Popmusik war immens groß. Und bereits im Dezember 1965 hatte sich der Beat-Club auch international einen Namen gemacht und es gelang, Sonny & Cher sowie Gerry & The Pacemakers für einen Auftritt gewonnen werden konnten. In der Folge gab das Who’s who der Musikszene ein Gastspiel, The Who zertrümmerten vor Staunendem Studiopublikum ihre Gitarren, Jimmy Hendrix entlockte seiner Gitarre unerhörte Klänge.

Wandlung zum Nischenformat – und das Aus

Ab 1969 wendete sich der Beat-Club progressiveren Klängen zu, Bands wie Deep Purple, Yes, Soft Machine, Santana und Curved Air traten auf – trafen aber oft nicht mehr den Massengeschmack. Der Beat-Club wurde mehr und mehr eine Sendung für Kenner und Anhänger schrägerer Klänge, der Einschaltquoten gingen immer mehr zurück. Ende 1972, nach 83 Folgen, kam dann das Aus für die TV-Revolution von 1965.


Bildnachweis: Screenshot aus dem YouTube-Video „Trailer Beat Club“


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