Der neue Teppich riecht: Was tun?

Etwa 200 Millionen Quadratmeter Teppichboden werden pro Jahr in Deutschlands Haushalten, Büroräumen, Hotels etc. verlegt. Der Größte Teil davon – ca. 90 Prozent – sind Teppichböden aus Synthetik. Die restlichen 10 Prozent sind aus Wolle, Wolle-Synthetik-Gemischen, Kokos oder Sisal (eine Faserpflanze aus der Sisal-Agave) hergestellt.
So gut wie jeder neue Teppich besitzt einen Eigengeruch. Gerade Wollteppiche oder Teppiche aus einem Wolle-Synthetik-Gemisch riechen oft streng. Oktansäure oder Dodecansäure, die in den Wollfetten enthalten sind, sorgen für den Teppichgeruch, der nach einiger Zeit verfliegt.

Teppichgeruch: Der eigenen Nase trauen

Im Normalfall verflüchtigt sich ein Teppichgeruch von ganz alleine. Ein gewisser Richtwert sind vier bis sechs Wochen nach Verlegung. Selbst wenn der Teppich dann noch riechen sollte, liegt es oft am verwendeten Kleber und nicht am Teppich selbst. Oder an der Verbindung, die der Kleber mit der Gummierung eingeht. 

Wenn jedoch ein neuer Teppich stinkt und einen leicht bis extrem unangenehmen Geruch absondert, liegt dies am Teppich selbst. Seltener an der Faser, sondern an der Gummierung unter der Faser. Diese enthält Weichmacher, die ihre Schadstoffe an die Raumluft abgeben.

Wobei Weichmacher nicht generell zu verteufeln sind. Tablettenüberzüge, um vorzeitiges Zersetzen im Magen zu verhindern oder Blutplasmabeutel, Operationsschläuche, in Schuhen und natürlich auch in Teppichbelägen, überall dort werden gesundheitlich unbedenkliche Weichmacher eingesetzt. Dies nur nebenbei. 

Der Preis spielt keine Rolle

Wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat (test 07/2002), spielt der Preis eines Teppichbodens nur eine untergeordnete Rolle. Auch teure Teppiche können stinken. 

Es gibt verschiedene Teppich-Gütesiegel, auf die man achten sollte. Diese bieten zwar keine Garantie auf geruchsfreie Teppiche, machen jedoch das Reklamieren im Geschäft etwas einfacher. Und etwas Verlass bieten sie natürlich auch.

Teppiche kann man umtauschen

Stinkt der Teppich auch noch nach mehreren Wochen (mindestens vier Wochen), kann man den Teppich beim Händler reklamieren und auch umtauschen. Der Händler hat die Möglichkeit nachzubessern. Weigert er sich, können Sie verlangen, dass er den Teppich zurücknimmt und den Kaufpreis erstattet. Was einige Händler jedoch einfach ablehnen. Hier sollte man sich an die Verbraucherberatungsstellen wenden, die Erfahrung damit haben. Diese nennen auch gerne Adressen von Prüfinstituten, bei denen man den Teppich auf Schadstoffgehalt prüfen oder eine Geruchsprüfung durchführen lassen kann (siehe unten).

Teppichgeruch beseitigen: Was wird benötigt?

  • Teppichmesser, Einmachglas, eine gute Nase

 

Teppichgeruch beseitigen: So wird's gemacht!

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Eigentest 1

Schnüffeln Sie schon im Geschäft am Teppich. Riecht der Teppich im Geschäft scharf und unangenehm, kann man den Verkäufer fragen, wie lange der Teppich hier schon in der Ausstellung liegt. Daraus kann man schon gewisse Rückschlüsse ziehen. Stinkt er regelrecht, sollte man den Teppich einfach nicht kaufen. Bitten Sie den Verkäufer, Ihnen von dem Teppich ein kleines Muster (10×10 cm) mitzugeben. Stecken Sie das Stück in ein Einmachglas und schließen dieses mit Gummiring und Alufolie luftdicht ab. Nach ca. 10 bis 12 Stunden öffnen und die Schnüffelprobe machen: Ist der Geruch unangenehm – vielleicht sogar beißend – den Teppich besser gar nicht erst kaufen.

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Eigentest 2

Ist der Teppich schon verlegt und der Teppich riecht über Wochen hinaus, machen Sie diesen kleinen Test:
Schließen Sie in dem Raum die Fenster und die Tür(en) und gehen Sie erst nach mindestens 24 Stunden wieder hinein. Riecht es in dem Raum sehr unangenehm und beißend, bis hin zu Reizungen in den Augen und Atemwegen, sollten Sie den Teppich unbedingt umtauschen oder prüfen lassen (siehe unten). (Danach natürlich sofort gründlich lüften.)

Stellen Sie aber nur einen leichten Geruch fest, der dazu vielleicht nur schwach unangenehm ist, kann man davon ausgehen, dass dieser sich mit der Zeit verflüchtigt.
Es hängt natürlich auch davon ab, wie empfindlich man selbst ist (generell Gerüche als unangenehm empfindet) oder ob Allergien vorliegen. Da, wie gesagt, so gut wie jeder neuer Teppich etwas riecht, gewöhnt man sich zum einen an den Geruch und zum anderen wird dieser mit der Zeit immer schwächer.
Wir sprechen hier von Wochen, nicht von Monaten. Wenn ein Teppich nach sechs bis acht Wochen immer noch deutlich wahrnehmbar riecht, bei regelmäßiger Lüftung, liegt es an der Qualität des Teppichs. 

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Prüfinstitute

Es gibt professionelle Prüfinstitute, die den Teppich auf Schadstoffe und Umweltbelastungen prüfen können. Als Beispiel sei hier die TFI (TFI – Textiles & Flooring Institute GmbH) mit Sitz in Aachen genannt (mehr Infos hier). Das Institut prüft vor allem Teppiche, die das GUT Prüfsiegel besitzen. Man kann aber auch Teppiche mit anderen oder ohne Gütesiegel prüfen lassen.  
Führende europäische Teppichbodenhersteller gründeten 1990 die Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V. – kurz GUT genannt. Diese Gemeinschaft arbeitet mit verschiedenen Prüfinstituten zusammen, unter anderem auch mit der TFI. Diese hilft auch bei Reklamationen.
Eine Prüfung von Teppichen mit GUT und Prodis-Siegeln ist kostenlos (ansonsten kostet es 55 Euro). Zur Prüfung muss ein etwa DIN-A4 großes Stück Teppich (oder der ganze Teppich) eingesandt werden.
Über die Prüfnummer im Siegel kann der Hersteller ermittelt und kontaktiert werden. Diese zeigen sich auch oft kulanter als die Händler selbst.

Tipps und Hinweise

  • Wollteppiche niemals nass werden lassen – der Gestank ist nicht zu entfernen!
  • Teppiche beim Fachhändler kaufen. Dort ist die Beratung besser und Reklamationen sind einfacher.
  • Vor allem Allergiker sollten fachlichen Rat in Anspruch nehmen. Oder wenn man einen Teppich für ein Kinderzimmer kaufen will.
  • Wenn möglich den Teppich nicht verkleben, sondern lose verlegen, mit dünnem Klettband (oder doppelseitigem Klebeband) an den Kanten versehen. Einerseits erleichtert dies das Entfernen, anderseits entgeht man der Gefahr, dass Kleber und Gummierung ungewollt reagieren und für schlechte Raumluft sorgen.
  • Bei sehr großen Räumen, vorab ein Musterstück auf Schadstoffe und Geruch prüfen lassen.

Eine Meinung

  1. Immer keine Antwort darauf, was machen wenn der Teppich stinkt! !

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