Das Labyrinth der Wörter: La Tête en Friche

In „Das Labyrinth der Wörter“ trifft Germain (Gérard Depardieu, „Public Enemy No. 1“) im Park die alte Dame Margueritte (Gisèle Casadesus), die ebenso wie der dickliche, ungehobelte Hilfsarbeiter gerne Tauben füttert und diese dabei zählt. Auf den ersten Blick scheint dies die einzige Gemeinsamkeit des ungleichen Paares zu sein: Germain hat die Schule abgebrochen und keine weitere Ausbildung, wird also in einer Malerei immer für das eingesetzt, was gerade anfällt, Margueritte ist beinahe doppelt so alt wie er und eine pensionierte Lehrerin. Er spricht die Dinge knallhart aus, während sie es versteht, sich gewählt auszudrücken.

Das Labyrinth der Wörter mit Gérard Depardieu

Und dennoch beginnt eine Freundschaft, zu der beide Wesentliches beizusteuern haben. Germain hat aufgrund seiner mangelnden Vorkenntnis seine ganz eigenen Gedanken zu dem, was in der Welt vor sich geht, Margueritte entdeckt in ihm einen fruchtbaren Grund, den sie kultivieren kann. Sie beginnt ihm, aus Büchern vorzulesen, wodurch er beginnt, die Welt anders wahr zu nemen und sich für ihn ein bisher unbekanntes, neues Gefühl der Liebe einstellt. Als er mitbekommt, dass Margueritte langsam blind wird, lernt Germain lesen, um später ihre Rolle als Vorleser übernehmen zu können.

„La Tête en Friche“ basiert auf dem Buch von Marie-Sabine Roger, das im Februar 2010 auf deutsch bei Hoffmann und Campe erschien und den Prix Inter 2009 gewann. Der deutsche Titel, „Das Labyrinth der Wörter“, legt noch mehr die Intertextualität der Vorlage nah, wenn Literatur vor allem über Literatur spricht. Doch es ist vor allem die ungehobelte Wahrheit Germains und die stille Liebe zwischen dem Mittvierziger und der Fast-Neunzig-Jährigen, die sowohl in der Buchvorlage wie auch in der Verfilmung Leser und Zuschauer in die Geschichte zieht.

Buchverfilmung: La Tête en Friche

Jean Becker („Ein Sommer auf dem Lande“) drehte mit Frankreichs wohl bekanntestem und erfolgreichsten Schauspieler Gérard Depardieu „Dialog mit meinem Gärtner“ und konnte als Margueritte die 96-jährige Gisèle Casadesus gewinnen. Den Titel von Buch und Film kann man wahlweise als „Hohlkopf“ übersetzen oder eben als einen Kopf, der brachliegt – Germains also, der von Margueritte wie ein Acker bestellt und kultiviert wird und das auf amüsante und anrührende Weise.

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Die ungewöhnliche Lovestory „Das Labyrinth der Wörter“ lief in diesem Sommer sehr erfolgreich in Frankreich und kommt am 06. Januar 2011 auch nach Deutschland.

Das Labyrinth der Wörter
(La Tête en Friche)
Regie, Drehbuch: Jean Becker
Buchvorlage: Marie-Sabine Roger
Mit: Gérard Depardieu, Gisèle Casadesus
Verleih: Concorde
Kinostart: 06.01.2011

Eine Meinung

  1. Der Film erzählt eine entzückende Geschichte. Es ist eine Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern. Es ist auch ein Beispiel dafür, dass man eigenes Leben jederzeit bereichern kann, wenn man nur offen bleibt.

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