Rocky Balboa – Ein Denkmal ohne Gnade

Ich wundere mich ein bißchen über mich selbst. Nach meinem letzten Besuch in einem Mulitplex Kino in München, war ich heute schon wieder in einem, diesmal im „Mathaeser“. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass alle anderen Kinos in München ab 22.00 Uhr unter der Woche keine Filme zeigen. Ich gehe aber gerne spät ins Kino, auch unter der Woche und so bleibt mir manchmal einfach nichts anderes übrig, als Mainstream Filme in anonymer Atmosphäre zu sehen. Meinen spontanen Entschluss in „Rocky Balboa“ zu gehen, muss ich letztlich mit einem Doppelminus an Kinoerlebnis bezahlen.

Warum das Doppelminus? Erstens, weil Multiplex Kinos an Flughäfen erinnern. Die Kinokasse wird zum Check-in und der Weg zum richtigen Kinosaal gestaltet sich wie die Suche nach dem richtigen Gate. Rolltreppen sind zu überwinden, Wegweisern an Betondecken ist zu folgen. Individualität und das geheime Einverständnis einer verschworenen Kinogemeinde kommen in so einer Atmosphäre gar nicht erst auf. Ich fühle mich abgefertigt und ergebe mich in mein Schicksal – ein erstes Minus.

Das zweite Minus ist der Film. Ein 60jähriger (Stallone) spielt einen 50jährigen (Rocky), der gegen einen ca. 30jährigen Boxchampion antritt. Der Film versucht bemüht, sich selbst ein Denkmal zu setzen. Die amerikanische Gesellschaft wird mit ihren verschiedenen sozialen Schichten und ethnischen Hintergründen vorgestellt. Da gibt es die Manager in Glaspalästen, die italienischen Proleten, die auf Rinderhälften einhämmern und gleichzeitig ihre Ehefrau als Ikone verehren, die Mexikaner, die im Untergrund anonym vor sich hin schuften, die erfolgreichen schwarzen Sportler, die sich ihre Aussenseiterrolle mit Diamantohrringen und Lamborghinis erträglich machen etc. Die gezeigten Figuren haben etwas Allgemeingültiges, wie man sich Amerika halt so vorstellt. Brüche in den Figuren sind nicht zu erkennen. Rocky hört als italienischstämmiger Amerikaner brav Frank Sinatra, sein schwarzer Gegner wird mit Rapmusik angekündigt. Ausgiebig geht der Film auf jede mögliche Kritik von Außen ein, indem er die Kritik am Film als Kritik am Comeback Rockys zur Sprache bringt. Rocky gibt auf die über allem schwebende Sinnfrage die Antwort: „Ein Kämpfer muss kämpfen.“ Der Zuschauer, der ja nicht dumm ist, vollzieht sofort die Übertragung dieser Antwort auf die eigenen Fragen, warum es überhaupt einen „Rocky 6“ gibt und warum sich Stallone nochmals für den Film gequält hat.

Das eigentliche Thema des Films ist die Gnadenlosigkeit der Welt: Kannst Du besser Einstecken und Austeilen als Deine Gegner bist Du der Champ! Dadurch, dass Rocky mit sich und anderen keine Gnade hat, fällt es schwer, für ihn Sympathie zu entwickeln. Im Gegenteil, Rocky wirkt teilweise höchst unsympathisch. Er möchte zum Beispiel mit seinem Sohn ins Gespräch kommen, der sich von ihm zurückgezogen hat. Als sein Sohn ihm endlich offenbart, dass er unter der Omnipräsenz seines Vaters leidet, schiebt der ihm schlicht die Rolle eines Versagers zu, der mit dem Erfolg seines Vaters nicht zurechtkommt. Denn eigentlich sei doch die Aufgabe des Sohnes, den Vater noch zu übertreffen – Ödipus lässt grüßen! Der Sohn darf den Vater nicht kritisieren – auch das eine unverhohlene Botschaft an das Kinopublikum, wie man mit dem Film umzugehen habe.

Fazit: Lieber Rocky, lieber Sly: Deine Ideale sind nicht meine Ideale.

A bientôt,

Jean Gérard

5 Meinungen

  1. Bisher habe ich auch fast nur gutes über den Film gehört, außer wenn man hier mal liest:

  2. Ich fand ROCKY BALBOA großartig! Ein wahrhaft würdiger Abschluss der Boxer-Saga.

  3. Ich will mich nicht hinstellen und behaupten, dass Stallone einen postmodernen Diskurs Film gemacht hat. Aber der Mann ist nicht mit seinem Helden zu 100% identisch, und ich denke schon, dass Stallone immer auch die Beschränkungen und die Artikulationsnöte seiner Figur sehr deutlich gemacht hat – die sich jetzt ja auch in der Entfremdung des Sohnes zeigt.

  4. Also hier ist meine Meinung zu Rocky 6: Rocky Balboa in 60 Sekunden erzählt

  5. blöde kritik
    der darsteller wirkt vollkommen sympathisch
    mag sein,dass nicht jedem so eine story gefällt
    wenn einem was nicht zusagt lässt man es bleiben
    der titel verrät allerdings ,worum es sich handelt

    ausserdem hat stallone diesen film gedreht um einen würdigen abschlss für
    Rocky zu finden .der abschluss punktet in jeder runde

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