Night-Eating-Syndrom: Fressattacken in der Nacht

Wenn nächtliche Hungerattacken Sie regelmäßig aus dem Schlaf hochreißen, kann dies nicht nur nerven, sondern regelrecht zur Belastung werden. Nicht nur, dass nach den nächtlichen Plünderungen ständig gähnende Leere im Kühlschrank vorherrscht: Die unkontrollierten nächtlichen Mahlzeiten boykottieren sämtliche Abnehmversuche und sind den Betroffenen oftmals peinlich.

Night-Eating-Syndrom: Was ist das?

Von einer Sekunde auf die andere erwachen Betroffene aus dem Nachtschlaf und empfinden ein starkes Heißhungergefühl. Sie sind in diesem Moment davon überzeugt, kein Auge mehr zu tun zu können, wenn sie nicht umgehend den eigenen Hunger stillen. Nun wird das vermutlich jeder schon mal erlebt haben: Eine nächtliche Stippvisite zum Kühlschrank muss für den Einzelnen deshalb noch lange kein Problem darstellen! Kritisch wird es hingegen, wenn nächtlichen Fressattacken sich häufen und die Betroffenen darunter leiden.

Diagnose des Night-Eating-Syndroms

Nun könnte man ja vermuten, da wurde im Zuge des allgegenwertigen Diagnosewahns einfach mal wieder eine neue Störung erfunden. Das Phänomen wurde erstmals jedoch bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert beschrieben. Schon damals bezeichnete der amerikanische Psychiater A. Stunkard die nächtlichen Küchenstreifzüge als Night-Eating-Syndrom. An den (sehr allgemeinen) Kriterien zur Diagnose hat sich übrigens bis heute nicht viel geändert: Demnach leiden Betroffene an Schlafstörungen und decken in den Nächten mindestens 25% ihrer täglichen Nahrungszufuhr. An den darauffolgenden Morgen fehlt in der Regel dann jegliches Hungergefühl. Stattdessen quälen nach dem nächtlichen Binge Eating die üblichen Verdächtigen: Appetitlosigkeit und Gewissensbisse.

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Den Diagnosekriterien des US-amerikanischen International Journal of Eating Disorders zufolge liegt ein so genanntes Night-Eating-Syndrom vor, sobald man länger als drei Monate lang mehr als 25% seiner Nahrungszufuhr erst nach dem Abendessen deckt – oder sich mindestens zwei Mal wöchentlich aus dem Bett erhebt, um in der Nacht zu essen.

Abgrenzung von anderen Störungen

Wichtig: Night Eating ist keine Form des Schlafwandelns! Im Gegensatz zu Schlafwandlern können sich Betroffene des Night-Eating-Syndroms nämlich auch am nächsten Morgen noch an die nächtliche Fressatacke erinnern. Eine klare diagnostische Abgrenzung ist deshalb schwierig, weil das Night-Eating-Syndrom sich im Graubereich verschiedener Störungen befindet, die sich gegenseitig überlappen. Zwischen Schlafstörung, Essstörung und affektiver Störung lässt sich nächtliches Binge Eating nicht immer eindeutig feststellen, zumal so genannte Komorbiditäten (als Überlappungen verschiedener Störungen) häufig sind. Schätzungen zufolge ist in Deutschland etwa 1 – 2% der Bevölkerung betroffen.
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Ursachen und Behandlung des Night-Eating-Syndroms

Als eine der Hauptursachen der Störung gilt Stress. So sollten auch Therapien das Problem an der Wurzel bekämpfen und in erster Linie bei der Stressreduktion ansetzen. Bereits die bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Belastungsfaktoren kann zu einer raschen Verbesserung der Symptome führen. Tatsächlich stellt positives Stressmanagement den besten Schutz gegen die nächtlichen Hungerattacken dar. Dabei kann auch das Erlernen von Entspannungstechniken sehr hilfreich sein. Ergänzend werden mitunter auch schlaffördernde Antidepressiva verordnet; diese stellen jedoch eher eine kurzfristige Lösung dar, da Sie eher die Symptome als die Ursachen bekämpfen. Langfristig sinnvoll kann es hingegen sein, eine Psychotherapie zu beginnen. So ist es im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie relativ zeitnah möglich, Techniken zur Selbstbeobachtungen und Verhaltenssteuerung zu erlernen. Erste Erfolge zeigen sich hier in der Regel sehr schnell.

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