Maps & Atlases: Interview zum Album ‚Beware and be grateful“

Maps & Atlases sind Frickler und Nerds wenn es um ihre Musik geht, genau deshalb ist sie sicher auch so gut. In einer eher durch Hardcore Bands geprägten Szene in Chicago erwachsen haben Erin, Shiraz, Chris und Dave sich über nunmehr 8 Jahre hinweg zu einer schillernden Artpop Band gemausert, die Zappa- und Grizzly Bear Fans gleichermaßen von ihrer Kunst überzeugen.

Maps & Atlases: Art meets Pop

Ihr aktuelles Album „Beware and be grateful“ geht einen weiteren Schritt in die Eheschließung komplizierter Rhythmus-Gespanne und radiotauglicher Melodien, gekoppelt mit introspektiven und äußerst amüsanten Texten machen sich die meisten Songs so versöhnlich gegenüber vielen Genres aus, dass man hier eindeutig von einer Renaissanceband sprechen kann.

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Wer die Diskographie der Band kennt, der hat vielleicht schon gemerkt, dass jedes Release einen distinktiven Sound hat, der jeden Schritt der Musiker genau markiert. Wer noch noch nach einer einfachen Wetten Dass!? Wette sucht, der sollte sich heran machen, zu raten, welcher Song zu welchem Album gehört.

Dave: Ich glaube, das wir uns alle gerne mit jedem Release weiter entwickeln wollen und dass jedes Release sinnvoll ist und uns zu der Zeit als Künstler repräsentiert. Es ist nicht direkt absichtlich, aber vorwiegend wollen wir uns selbst als Künstler herausfordern.

Für die Aufnahmen des aktuellen Albums „Beware and be Grateful“ hat sich die Band dieses Mal auch etwas mehr Zeit genommen, ein kleiner Luxus, den man sich nach diversen EPs, einem Album und unzähligen Touren schon einmal nehmen darf.

Zeit im Studio für „Beware and be Grateful“

Dave: Auf dem letzten Album haben wir das Schlagzeug in einem Studio in Chicago aufgenommen und den Rest haben wir überall aufgenommen, wo es gerade ging. Dieses Mal haben wir ein Studio gehabt, im ARC in Omaha und haben es in drei Wochen-Sessions aufgenommen. Es hat viel Spaß gemacht sich einfach darin zu verlieren, im Studio zu arbeiten und am nächsten Tag auch wieder ins Studio zu gehen. Wir sind viel getourt und sind daher ins Studio für eine Woche, haben ein paar Shows gespielt und sind dann wieder zurück. Es war interessant ins Studio zu gehen und total im Album involviert zu sein und dann wieder raus zu kommen. Und das ist auch gut, weil es einem etwas Perspektive verschafft.

Auch das Songwriting haben sie etwas aufgemischt, denn wo es früher vor allem darum ging, einen gemeinsamen Sound zu entwickeln, geht es mittlerweile eher darum, diesen so zu verfeinern und zu verbessern, dass die einzigartigen Aspekte von Maps & Atlases immer klarer durchscheinen.

Dave: Zu Beginn der Band haben wir viel zusammen gehangen und einfach gejammt und improvisiert und haben auch etabliert, wie wir zusammen spielen aber mit der Zeit haben wir mit einer speziellen Grundidee angefangen, damit der Song auch eine Richtung hat, ob das nun Vocals waren oder ein paar Gitarrengriffe und sobald die Grundstruktur des Songs steht, versuchen wir heraus zu finden, wie wir ihn als Band spielen könnten.

Wenn etwas nicht funktioniert, dann legen wir es beiseite und machen etwas anderes, meistens sind wir uns darüber auch einig.

80er Pop, Flurschlagzeug und fuzzige Gitarrensoli

Was zwar nicht überraschend kam, aber doch erfrischend wirkt, ist die großzügige Umarmung des Pop auf dem aktuellen Album. „Beware and be Grateful“ lädt zum Tanzen ein und scheut sich auch nicht davor, in Songs wie „Vampires“ ein wenig auf 80er Pop zu machen, was laut Band vor allem am Schlagzeug liegt (und mich persönlich an Bruce Springsteen erinnert).

Dave: Wir wollten auf jeden Fall tanzbare Songs machen und da haben wir sehr darauf geachtet. Und ich denke, dass der 80er Sound auch daher kommt, dass wir dieses Mal sehr mit unseren Instrumenten experimentiert haben und das und viele andere Sachen haben das wohl beeinflusst. Besonders wie das Schlagzeug klingt, das hat da sicher viel zugetan.

Das ist ganz interessant, weil Jason Kopp, der das Album produziert hat, der meinte, dass viele Leute dachten, dass die Snare auf „Fever“ irgendein Sample ist, aber es ist eigentlich der echte Sound und Jason war davon total begeistert. Ich glaube, vom Schlagzeug her wurden auch einige Sachen sicher von Genesis beeinflusst.

Chris: Viel davon kam sicher von den Snares, wir haben viel außerhalb des Raumes aufgenommen, Jason hatte diese Idee, dass ich es im Flur aufnehme und dadurch hat es diesen großen, hallenden Klang bekommen, der nicht richtig echt klingt. Jason ist einfach der Typ, der überall Mikrofone aufbaut und guckt, was cool klingt.

Auf „Fever“ haben sich Maps & Atlases außerdem ein besonderes Gitarrensolo vorgenommen, mittels einem obskuren Fuzzpedal (wahrscheinlich Z. Vex) wurde sich dort zum ersten Mal in der Bandgeschichte durch ein Solo geschrammelt, für gewöhnlich schreiben und spielen sie Unisono, aber wenn es um kreative Weiterentwicklung geht, muss man auch mal Einzelschicksal spielen.

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Dave: Wir wollten etwas in jedem Song, das uns herausfordern würde und das uns nicht nur individuell als Musiker herausfordern, sondern auch uns als Band erweitern würde. Und das nicht, indem wir einfach wahllos Ideen einwerfen, sondern wir haben eher gedacht 'oh, das haben wir noch nie gemacht, wie würden wir es denn machen?'.

Wir haben noch nie ein Gitarrensolo drin gehabt, wie sollte ein Gitarrensolo bei uns klingen und wie bringt es dem Song am Meisten?

Neben fuzzigen Gitarrensoli und Korridordrums geht es teilweise auch etwas ruhiger vor sich, einer der schönsten Momente davon dürfte „Remote and Dark Years“ sein, das mit zögernder Gitarrenspur und vielen, sanften Spuren wie ein Innehalten im Fall wirkt, bei dem die Gedanken klar werden und man Entscheidungen treffen muss, selbst wenn sie schmerzen.

Dave: Genau so wie wir uns selbst herausfordern wollten, wollten wir auch versuchen, subtiler und emotionaler zu klingen und damit den Horizont zu erweitern. Emotionen rüber zu bringen mit denen man zu tun hat, ist eine der Aufgaben, die man als Künstler hat, wenn man sich weiter entwickeln möchte, um nicht nur reifer, sondern auch diffiziler zu werden und bestimmte Gefühle einfach noch klarer herüber zu bringen.

Als eine Band, die so sehr mit Rhythmus experimentiert ist es interessant, den Rhythmus abzubremsen.

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Maps & Atlases bringen Menschen zusammen

Metalfestivals und Hippiefeten, als Mathrockpopband darf man überall mal spielen, nicht zuletzt, weil viele Leute keine Ahnung haben, in welchem Genre sie einen nun unterbringen sollen. Deshalb sieht die Liste der Bands, mit der Maps & Atlases bereits zusammen getourt sind und gespielt haben reichlich schizophren aus. Ob nun Postcore/Harcorebands a la Fall of Troy und These Arms are Snakes, Mathrockkollegen mewithoutYou oder aber Indiepopbands a la Ra Ra Riot und Portugal. The Man. Die Gesellschaft ist immer ausgezeichnet, aber vom Genre her breit gefächert. Ähnlich wie das Publikum.

Dave: Es gab nicht wirklich ein Publikum am Anfang. (Gelächter) Aber irgendwie waren es von Anfang an sehr unterschiedliche Leute, die uns mochten. Besonders in den USA, wo wir viel mit verschiedenen Bands getourt sind, war es sehr unterschiedlich. In manchen Städten waren es vorwiegend junge Leute, in anderen ältere, es ist überall Querbeet und das ist irgendwie auch aufregend.

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„Beware and Be Grateful“ ist ein wundervolles Album, ein Album, aus dem man sich je nach Laune seine Lieblinge heraus picken kann, das jedoch auch im Ganzen wie ein Fluss wilder Strömungen ein mehr als befriedigendes Hörerlebnis bietet und letzten Endes die stetige Weiterentwicklung einer Band aufzeigt, die sich so dreist den Genreschubladen entzieht, dass man nur die Hände in die Luft werfen kann, um zu Songs wie „Winter“ die Seele baumeln zu lassen.

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