Laura Whitcomb: Silberlicht – Seelenverwandtschaft in ihrer reinsten Form

'Jemand sah mich an – ein seltsames Gefühl, wenn man tot ist'

Helen ist bereits seit mehr als einhundert Jahren tot, aber sterben kann sie nicht. Sie ist eine Lichtgestalt, gefangen im Universum und ihre einzige Möglichkeit, nicht in ihre persönliche Hölle abzudriften, ist das Festhalten an ihren 'Bewahrern'. Diese sind allesamt literaturbegeistert, in der Regel selbst Schriftsteller auf zumindest irgendeine Art und sie ahnen nichts von der Anwesenheit ihrer Muse. Die 'Zusammenarbeit' klappt prima, vor allem bei Mr. Brown, einem Lehrer mit schriftstellerischen Ambitionen, der von seinem 'Licht' geradezu vergöttert wird. Bis Helen bemerkt, dass einer seiner Schüler nicht wie alle anderen durch sie hindurchsieht: „Dann bewegte er sich. Er ließ das Blatt Papier, das gerade zu ihm durchgereicht worden war, absichtlich von seinem Tisch gleiten; ich war mir sicher, dass es vorsätzlich geschah. Als er sich hinabbeugte, um es vom Boden aufzuheben, drehte er den Kopf und sah nach hinten in meine Richtung. Unsere Augen trafen sich und er lächelte.“

Die Liebe ist stärker als alle anderen Kräfte

James ist eine Lichtgestalt, genau wie Helen. Die Einzige, die sie bisher traf. Und genau wie sie gefangen in ihrem Zustand. Aber der Junge hat es sich einfacher gemacht und bemächtigt sich eines menschlichen Körpers. Eines Körpers, der bereits leer war, dessen Seele es vorzog zu flüchten. Er gehörte einem Jungen aus geringen gesellschaftlichen Kreisen, drogensüchtig und so verletzt, dass er es sich zum Hobby machte, verletzend zu werden.

Die Liebe, die sich zwischen James und Helen entwickelt, geht nicht den einfachsten Weg. Denn zunächst fühlt sich auch Helen gezwungen, einen seelenlosen Körper einzunehmen, um mithilfe dieses Werkzeugs auch körperlich Kontakt zu ihrer Liebe aufzunehmen. Doch ein Körper, dessen Seele beschlossen hat, ihn zu verlassen, lebt mit ziemlicher Sicherheit in einem Umfeld, das alles andere als gesund ist. So wie Jennys.

Seelenschweben

Laura Whitcomb gelingt es, in ihrem Roman 'Silberlicht' die Tragödien der verschiedensten Seelenformen so darzustellen, dass man fast glauben mag, zwischen seelenlosen Körpern, lichtdurchfluteten Gestalten und Gelichter jeder Art zu wandeln. Ihr Roman beginnt zunächst ein wenig gräulich, nicht richtig greifbar. Gewinnt dann aber deutlich an Fahrt und lässt zuletzt den Leser nicht mehr aus seinen Fängen. Poetisch auf ganz besondere Art, phantasievoll, aber auch dramatisch entwickelt sich eine Liebe, die so zart ist, dass man regelrecht Angst hat, umzublättern. Vor allem dann, wenn ein Lichtstrahl auf die Seite trifft.

Die Autorin stammt aus Amerika. 'Silberlicht' ist das erste Buch von Laura Whitcomb und sie konnte damit gleich mehrfach Preise einheimsen.

Laura Whitcomb: Silberlicht, Roman, erschienen als Taschenbuch bei Knaur im Juni 2012 und eigentlich gedacht für Jugendliche ab 14 Jahren. Wobei es keinen Grund gibt, warum dieses Buch nicht auch zahlreiche andere Zielgruppen haben könnte.

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