Königskinder

Da ist auf der einen Seite die emotionsgesteuerte Simone – wohlgemerkt französisch ausgesprochen – die eigentlich Saraswati hätte heißen sollen, was ein spießiger Standesbeamter ihrer Hippiemama aber deutlich verwehrte. Und auf der anderen Seite ist Mark, dessen Eltern und damit auch dessen Erziehung konservativer nicht sein könnte und der völlig verkopft ist. Bereits vom Tag ihrer Geburt an schrammen die beiden füreinander Vorbestimmten grundsätzlich mit Haaresbreite aneinander vorbei. Wobei der Autor in dieser Hinsicht nichts auslässt. Demonstrationen, Fluten, die Landung von Herrn Rust in Moskau und die Jahrtausendwende – Simone und Mark sind immer dabei und manchmal nur wenige Meter voneinander entfernt. Doch wie es der Zufall will, gelingt es ihnen nie, sich zu erkennen – und das, obwohl sie beginnen zu spüren, dass etwas Wichtiges geschieht. Aber das Schicksal lässt sich auf Dauer nicht vom Zufall foppen und es setzt sich durch – wenn auch deutlich später als gedacht.

Dieses Buch ist, das wage ich zu behaupten, einer der schönsten Liebesromane der heutigen Zeit. Dem Autor, der ein Händchen für Situationskomik hat, gelingt es, zwei Lebensgeschichten – und noch ein paar mehr außenherum – so gekonnt miteinander zu verweben, dass man spätestens nach dem Genuss der rund 350 Seiten an sein persönliches Schicksal glaubt und die Welt um sich herum zumindest ein paar Tage lang sehr viel genauer betrachtet als sonst – es könnte einem ja etwas, es könnte einem ja jemand entgehen.

Gernot Gricksch: „Königskinder“, erschienen bei Droemer im Februar 2010, zu haben für 12, 95 Euro.

 

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