Kleider machen Leute und der Teufel trägt Prada

Frisch von der Uni in New York angekommen, findet Andrea Sachs (Anne Hathaway) mit viel Glück den „absoluten Traumjob“: Assistentin der tyrannischen Chefredakteurin des Hochglanz-Modemagazins Runway (Meryl Streep). Will sie zunächst nur genügend Geld verdienen, um ihre Rechnungen zu zahlen, verfällt sie zusehends den willkürlichen Anforderungen ihrer sadistischen Chefin. Doch auch wenn ihr Privatleben mehr und mehr an der Verflachung ihres Lebens leidet, zahlt sich die unterwürfige Aufopferung scheinbar aus: Eine Reise nach Paris, im Modewunderland die Krönung jeder Assistentin, wird ihr wie ein Goldstück in die Hände gelegt. Doch wieviel Glanz ist an diesem Goldstück wirklich… ?

Daß die Modebranche von einem obsessiven Schönheitsprinzip lebt, das vor allem auf der Gefühlswelt unsicherer, kapriziöser Mädels gedeiht, ist nichts neues, und hinter der einhergehenden Oberflächlichkeit und Herablassung der Beteiligten muss man auch nicht nach weiteren, versteckten Ursachen suchen: Hier geht’s um harten, aggressiven Business, oft auf Kosten natürlicher Schönheit. Wer wissen, will, welch perverse Machtverhältnisse dies hervorbringt, kann es im gleichnamigen Buch (Der Teufel trägt Prada) nachlesen. Auch als Film wäre Lauren Weisberger’s „Erfahrungsbericht bei Vogue“ wohl eine entsprechend harte, aggressive Satire wert. Doch die Produzenten gehen einen sichereren Weg, mildern den Charakter des wohl tatsächlich unerträglichen Vorbilds (alias Anna Wintour) ab, ebenso wie den einiger – im Buch wichtigeren – Nebencharaktere, um insgesamt eine süß-saure, fast herzliche Komödie hervorzubringen: Gutmütiges, intelligentes Mädchen (die trotz aller Aufgeschlossenheit noch nie was von Dolce & Gabbana gehört hat ?) verirrt sich bei den bösen Menschen, schafft aber rechtzeitig und unbeschädigt den Absprung – „Girl finds her „true self“.
Aber was soll’s. Der Aberwitz der Verhaltensweisen ist zu eklatant und die süffisanten Verachtungen untereinander zu witzig, um einen herausforderenden Film zu riskieren, der womöglich auch weniger einträglich wäre – marketingmäßig betrachtet, würde man glatt die „Unique Selling Proposition“ verpassen. Also verlässt sich Regisseur David Frankel auf pointierte Dialoge, schräge Weisheiten („Wenn Dein Privatleben den Bach runter geht, ist es wohl Zeit für eine Promotion“ – oder: „Wenn Du es zu etwas bringen willst, dann auf Kosten anderer“) und fährt gelegentlich Klamotten an dünnen, hübschen Mädels auf, dass es kracht. Überzeugen tun im „Teufel“ aber letztlich vor allem die erstklassigen Darsteller, allen voran Meryl Streep. Madame ist so eisig in ihren meist geflüsterten, verachtenden Zurechtweisungen, dass man sie für dieses Talent bewundern muß, ja fast schon mag. Anne Hathaway bemüht sich mehr recht als schlecht, dem Charme des Bösen etwas entgegenzuhalten, doch man kann man ihr immerhin folgen. Andere Figuren sind noch mehr geglättet und treten in, wie’s scheint, schnell heruntergeschriebenen Szenen auf: Andy’s Freund Alex ist ein lässiger, charmant-unrasierter Studententyp, er könnte, naja, auch Werbung für THE GAP machen. Die im Buch wesentlich einflussreichere Freundin Lily ist kaum mehr als ein Platzhalter für „die Freundin“… etc. Doch der „Teufel“ verspricht auch nicht mehr zu sein, als was er ist, und so verbringt man letztlich einen unterhaltsamen, lustigen Abend. Wer wollte denn mehr. Also : Ab 12. Oktober – rein ins Fashion-Gewimmel, es gibt was zu lachen 🙂 !

Eine Meinung

  1. Was für eine lange Rezension. Aber es geht auch kürzer. Wir haben den Film mal auf 60 Sekunden komprimiert – das Ergebnis kann man sich hier ANHÖREN! Kino-Comedy zu „Der Teufel trägt Prada“Viel Spaß 😉

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