Keine Freunde mehr? Wie Sie die Einsamkeit überwinden

Zunächst: Jeder(!) Mensch kennt Einsamkeitsgefühle. Denn Einsamkeit ist in erster Linie ein zutiefst menschliches Gefühl. Es sind die Augenblicke, in denen wir uns ganz abgetrennt und abgeschnitten vom Rest der Menschheit fühlen. Die Erkenntnis, in letzter Instanz auf sich selbst zurückgeworfen und eben allein zu sein, gehört zum Menschsein wie der Herzschlag, das Atmen und letztlich der Tod. Was aber geschieht mit uns, wenn sich das Gefühl der Einsamkeit in uns festfrisst und von dort nicht mehr verschwindet? Wenn es sich tief in uns einnistet, sich dort festgräbt und uns in immer bedrückendere Isolation treiben will? Wenn sich solche Gefühle verselbständigen, kann uns die Einsamkeit krank machen. Es ist deshalb wichtig, dass wir beizeiten in uns selbst hinein hören und Wege aus der Einsamkeit finden.

Einsamkeit überwinden

Wenn Sie unter Einsamkeitsgefühlen leiden, so ist dies ein emotionales Alarmsignal. Es ist ein Hinweis darauf, dass in Ihrem Alltag elementare Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden. Diese Bedürfnisse verlangen dringend nach Erfüllung. Je länger sie ignoriert werden, umso schmerzhafter und auch tückischer werden sie. Seien Sie deshalb gut zu sich und nehmen Sie das Einsamkeitsgefühl als Anlass, darüber nachzudenken, woran genau es Ihnen im Leben fehlt. Versuchen Sie herauszufinden, auf welchem Wege Sie das, was Sie vermissen, für sich persönlich wieder erreichen können. Dazu kann auch gehören, einen positiven Umgang mit dem Alleinsein zu erlernen. Denn Alleinsein und Einsamsein bedeuten nicht zwangsläufig dasselbe. Im Gegenteil! Gleichzeitig können Sie wieder lernen, auf andere Menschen zuzugehen.
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Was hilft gegen Einsamkeit?

Nehmen Sie sich selbst so an, wie Sie sind!

Der erste Schritt, um die eigene Einsamkeit überwinden zu können, ist Selbstakzeptanz. Auch wenn Sie den Eindruck haben, das sei leichter gesagt als getan: Sich selbst anzunehmen kann man lernen! Es beginnt bereits an dem Punkt, dass Sie die eigenen Einsamkeitsgefühle nicht als Feind bekämpfen. Haben Sie stattdessen Mitgefühl mit sich selbst und erlauben Sie sich auch solche negativen Gefühle. Natürlich sind sie unangenehm und ungeheuer schmerzhaft, aber Sie brauchen sich ihrer weder zu schämen, noch Sie vor sich selbst verstecken. Versuchen Sie stattdessen, sich selbst mit all Ihren Schwächen anzunehmen. Auch wenn es widersprüchlich klingen mag: Je weniger Sie gegen sich selbst ankämpfen, umso schneller werden Sie auch die Einsamkeit überwinden!

Seien Sie gut zu sich!

So wie Sie einen guten Freund behandeln würden, mit freundlicher Anteilnahme, kleinen Aufmerksamkeiten und wohlwollendem Verständnis – so sollten Sie auch mit sich selbst umgehen. Hand auf's Herz: Sind Sie der Meinung, dass es unnötig ist, für sich selbst eine köstliche Mahlzeit zuzubereiten? Aber warum eigentlich? Und lohnt sich der Spaziergang, der Gang ins Kino wirklich nur zu zweit? Die Idee, dass Sie allein es nicht wert sind, eine schöne Unternehmung oder einen nahrhaften Genuss zu erleben, ist ein Zeichen schlechter Selbstsorge. Versuchen Sie es und drehen Sie den Spieß einmal um. Sie werden sehen: Kleine Freundlichkeiten sich selbst gegenüber fühlen sich im Alltag nicht nur wunderbar an, sondern Sie führen „in der Tat“ zur sukzessiven Versöhnung mit sich selbst. Diese wiederum ist nicht nur der Schlüssel für ein zufriedeneres Leben, sondern zugleich auch eine Grundvoraussetzung, um Einsamkeit überwinden zu können.

Gehen Sie in Kontakt mit Ihrer Umwelt!

Wenn Sie schon länger unter dem Gefühl leiden, keine Freunde mehr zu haben, wird es Zeit, dass Sie sich wieder in soziale Kontakte begeben. Denn Sozialkontakte sind ein menschliches Grundbedürfnis. Fangen Sie ganz klein an. Ein freundlicher Satz beim Bäcker, und im Treppenhaus ein Lächeln für das niedliche Nachbarskind. Beim nächsten Mal gelingt vielleicht ein kurzer Wortwechsel mit der Mutter des Kindes. Ergreifen Sie die Gelegenheit, wann immer sich eine kurze Unterhaltung anbietet. Meiden Sie dabei schwergewichtige und intellektuelle Themen wie Politik, Religion oder Wissenschaft. Hängen Sie Ihr Herz nicht an die jeweilige Gesprächssituation, sondern beginnen Sie unverfängliche, positive und leichte Themen: Ganz egal, ob es das Wetter(!), das Formel 1-Rennen, die Olympiade in London oder das nächste Kiezfest ist. Zeigen Sie sich interessiert an den Äußerungen Ihres Gegenübers und verraten Sie auch eine Kleinigkeit über sich, z.B. was Sie mögen oder worüber Sie sich besonders gefreut haben. Toll sind auch unverfängliche, aber ernstgemeinte Komplimente und freundliches Bedanken. Üben Sie sich im Alltag in solchen sozialen Interaktionen. Das Tolle daran ist, dass bereits wenige dieser Situationen Sie innerlich auftanken werden. Nebenbei gewöhnen Sie sich allmählich wieder an das Gefühl, „dazuzugehören“.

Suchen Sie sich eine sinnvolle Beschäftigung!

Eigentlich liegt es ja auf der Hand: Ein Leben ist nur dann erfüllend, wenn wir für uns selbst auch einen Sinn darin finden. Nun gehören zu jedem Leben auch Sinnkrisen. Die Chance liegt jedoch darin, solche Krisen zum Anlass zu nehmen, bewusst nach neuen Perspektiven zu suchen. Was würde Sie glücklich machen? Wofür haben Sie sich schon immer interessiert, und hatten doch nie die Gelegenheit? Gibt es eine heimliche Leidenschaft, ein stilles Interesse, das Sie schon längst einmal ausprobieren wollten? Auch eine ehrenamtliche Tätigkeit sollten Sie erwägen. So können ältere Menschen darüber nachdenken, Leihoma oder Leiopa zu werden oder als Lesepate ehrenamtlich in Kindergärten Geschichten zu lesen. Durch soziales Engagement fühlen Sie sich wieder gebraucht und kommen leichter in Kontakt zu Ihren Mitmenschen. Pluspunkt: Das Pflegen eigener Interessen wird sich auch positiv auf Ihr Sozialleben auswirken. Denn je erfüllender und spannender ein Mensch seine eigene Zeit erlebt, umso spannender und bereichernder wird er automatisch auch als Gesprächspartner.

Suchen Sie Gleichgesinnte!

Absurd: Wenn Sie einmal den Satz „Ich bin einsam“ bei Google eingeben, werden Sie feststellen, dass im Internet Millionen Menschen dasselbe Leid teilen. Jeder ist (gefühlt) für sich und doch verbindet alle dasselbe Gefühl. Es kann eine große Entlastung für den Einzelnen sein, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. So können Sie sich in Diskussionsforen zum Thema Einsamkeit Rat einholen oder einfach nur über den erlebten Leidensdruck austauschen. Gerade zum Einüben von Sozialkontakten kann der virtuelle Raum hervorragend geeignet sein. Aber Vorsicht! Eine Online-Gemeinschaft ist kein Ersatz für echte Freunde. Wenn Sie letztlich einen Großteil Ihrer täglichen Zeit vor dem Rechner verbringen, wird dies Ihr Problem der Einsamkeit und realen Isolation eher verstärken. Achten Sie deshalb von Anfang an auf eine Begrenzung der Onlinezeit, und gehen Sie möglichst täglich unter Menschen und nach draußen.

Relativieren Sie Ihre Ansprüche und Erwartungen an andere Menschen!

Es ist häufig so, dass Menschen kaum oder gar keine Freunde haben, weil sie sehr hohe Ansprüche an ihre Kontakte stellen. Diese Ansprüche sind jedoch nur schwer erfüllbar. Es gibt wenige Menschen, die unsere komplexen Bedürfnisse auf allen Ebenen gleichzeitig befriedigen und beflügeln können. Das Gute aber ist: Das müssen sie auch gar nicht. Im Gegenteil kann es umso schöner sein, eine Freundin zum Nordic Walking zu haben, und sich mit der anderen immer zum Frühstücken zu verabreden. Und während der eine Freund uns ins Kino begleitet, taugt der andere vielleicht ganz wunderbar zum Reden.

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