Jesus von Siku: Manga über das Neue Testament macht inhaltliche Abstriche

Nachdem Siku alias Ajibayo Akinsiku die Manga Bibel veröffentlicht hatte, machte er sich an ein weiteres Werk und erschuf „Jesus“, ebenfalls als Manga.

Inhaltlich orientiert er sich dabei am Neuen Testament und erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des christlichen Messias. Auf den 352 Seiten des Bandes verfolgen wir den Weg Jesu von seiner Kindheit bis zum Tot am Kreuz und die darauf folgende Auferstehung.

Der Inhalt wurde natürlich vom Autor komprimiert, denn das komplette Neue Testament abzubilden würde der Rahmen mehr als sprengen, ganz davon abgesehen, dass viele langatmige Passagen enthalten sind. Daraus resultieren einige Sprünge in der Story, die man ohne ein Grundwissen im Neuen Testament nicht nachvollziehen kann. Wer also noch nie Berührungspunkte mit den Evangelien hatte wird sich sicherlich schwer tun bei der Lektüre dieses Werkes. Natürlich geht Siku auf wichtige Ereignisse ein und gibt diese wieder. So findet sich die Vertreibung der Händler aus dem Tempel ebenso wie die Heilung von Kranken oder das Austreiben von Dämonen in der Geschichte wieder.

Einige Ereignisse wurden jedoch Aufgrund der zur Verfügung stehenden Seitenanzahl weggelassen. Warum zu diesen auch die Bergpredigt zählt ist für mich nicht klar, da diese eine essentielles Ereignis war.

Künstlerisch überzeugend

Künstlerisch bietet der Band eine gelungene Arbeit. Siku führt den Leser durch die geschickte Nutzung der Panel gekonnt durch die Sequenzen seiner Geschichte und beweist erneut, dass er die Kunst der Mangas beherrscht. Diese ist nämlich nicht nur die Darstellung der Charaktere mit bekannten Merkmalen wie zum Beispiel die großen Augen. Auch die typische Humor der Mangas erhielt an einige Stellen Einzug und lockert das Geschehen auf. Ein großes Manko der Zeichnungen sind die sich zu sehr ähnelnden Gesichter, was die Unterscheidung der Charaktere nicht gerade vereinfacht.

Fazit

Der Band ist künstlerisch ein gutes Werk. Was die Geschichte angeht, so gibt es einige Kritikpunkte. Siku versucht die wichtigsten Stationen im Leben von Jesus mit in seine Story zu packen, lässt dabei aber einige wichtige Punkte außer Acht. Dazu gesellt sich noch ein fehlender Kontext und wer hier kein Vorwissen in der Thematik aufweisen kann, wird schnell überfordert sein. Es gehen zu viele Hintergründe zu den einzelnen Handlungen nicht aus dem Band hervor. Es kommt leider auch keine Spannung im Verlauf der Story auf, wodurch das Lesen recht eintönig wird. Anstatt auf die biblische Sprache und Wortwahl zu setzen, verwendet Siku alltägliche Umgangssprache und es finden sich Aussprachen wie „cool“ oder „krass“ auf den Seiten wieder. Diese mögen auf den ersten Blick etwas verstörend wirken, doch lockert die Wortwahl definitiv den Leseverlauf auf. Sicherlich sprach Jesus seinerzeit ebenso die damalige Umgangssprache und predigte auch in dieser.

Mangas waren schon immer Geschmacksache und wenn man sich als Autor zusätzlich für eine Geschichte, die der Inhalt des Christentums ist, entscheidet, sind Diskussionen vorprogrammiert. Die Person des Messias hat meiner Meinung nach einen leichten Helden-Touch in dieser Story, ohne dabei zu überdreht oder kitschig zu wirken. Siku, der selbst Theologe ist, hat seine Auslegung der Evangelien mit viel Feingefühl und Respekt erarbeitet. Unglücklich finde ich die Wahl des Covers und der Texte auf den Einband, da diese einen kitschigen Eindruck hinterlassen, was dem Comic beziehungsweise Manga nicht gerecht werden.

Jesus von SIKU im Hardcover mit 352 Seiten erschienen bei Ehapa. Preis 19,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3406-0

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