Ingo Niermann: Umbauland

Vielleicht ist er es, wie so viele andere, nie gewesen. Von den Mesopotamia-Autoren ist er mir in angenehmer Erinnerung. Sein Roman "Der Effekt" ging spurlos vorüber, der soeben erschienene hauchdünne Band mit "zehn deutschen Visionen" klang nach ein, zwei der geschätzten interessanten Gedanken. Niermann formuliert witzig und kenntnisreich. Dass die Texte ohne Zynismus nicht auskommen und die Kenntnis oft angelesen wirkt, geht in Ordnung. Schließlich sind Autor und Verlag klug genug, das Buch nicht allzu ernst zu nehmen. Irritierend dialektisch daher der Einfall, die Texte in der ehrwürdigen edition-Reihe herauszubringen, sowie der mit abgedruckte Wunsch des Autors, "Umbauland" möge nicht als zynisch oder bloße Provokation missverstanden werden. Quelle idée! Andererseits: So macht es ja Sinn. Der geschulte es-Leser weiß schon, wie er solche Volten zu nehmen hat. Nicht auszudenken, wie abstoßend ein Vorschlag sonst klänge, Alkoholiker dazu zu bewegen, "ihre Delirien in sich sogar kunstvoll des Tremor bedienenden Stick-, Web-, Häkel- und Schnitzarbeiten" umzusetzen. Pfui.

4 Meinungen

  1. Alle US-amerikanischen Literaturnobelpreistäger christlicher Abstammung waren Alkoholiker. Jackson Pollock, die größte Ikone der Nachkriegskunst – ein Säufer. Nur die Kunst der Unterschicht soll bitte schön nüchtern sein. Sonst findet das Bürgerskind den Gedanken ganz schrecklich degoutant.

  2. Nee, Kunstgewerbe aus Zwangsarbeit klingt klassenübergreifend krank. Hemingway hätte einem Anfänger, der ihn zum Häkeln abkommandieren will, sicher in den Arsch geschossen.

  3. Zwangsarbeit??? Da scheinen eher Zwänge in Ihrem Kopf vorzuliegen. Böse Alpträume? Oder – das sagt mir der Hemingway – insgeheime Phantasien?

  4. natürlich ist der handarbeitsgedanke zynisch. hartz4 empfänger nutzen ihre zeit und arbeiten an handwerklichen produkten, die sie später verkaufen und … also bitte schön ;))

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