Helmut Schmidt – Wenn kluge Köpfe rauchen

Oft heißt es, Reinhold Beckmann sei für viele Damen der ideale Schwiegersohn. Da passt es ganz gut, dass ich mir seinen gestrigen Gast ziemlich gut als Opa vorstellen könnte. Denn Helmut Schmidt, seines Zeichens Bundeskanzler a. D. („außer Diensten“, nicht wie einer meiner Mitschüler damals meinte „aus Deutschland“, aber wir waren noch jung und er hatte einen „Migrationshintergrund“, wie man so schön sagt) ist wohl die Verkörperung dessen, was man mangels besserer Ausdrücke als „rüstig“ bezeichnen würde. Sieht mit 87 Jahren aus wie Ende sechzig oder vielleicht Mitte siebzig und sitzt da mit einer Lebenserfahrung, die locker für hundert Jahre reichen würde. Von wegen „Altbundeskanzler“.

Da sitzt er also, der Ex-Kanzler und erzählt dem Beckmann mal was über das Leben und über die Welt. Und zündet sich eine Zigarette nach der anderen an. Ich habe mir erst zwanzig Minuten vor Schluss die Mühe gemacht mitzuzählen; zwischen 23.40 Uhr und Mitternacht hat Helmut Schmidt doch tatsächlich fünf Zigaretten geraucht. Gut, die Sendung war nicht live, aber während so einer Aufzeichnung kann man auch mal eine ganze Schachtel wegziehen. Soll er, denn wer sich um Deutschland verdient gemacht hat, dem verzeiht man das eine oder andere Laster, ob nun das Schmidtsche Rauchen oder die Beckenbauersche Weihnachtsfeier. Und so ist Helmut Schmidt so ziemlich der Einzige, der vor deutschen TV-Kameras noch rauchen darf. Das war schon im Jahre 2004 so, als der Bundeskanzler noch junge 85 war:

„Sieht man sich eine alte Talkshow an, so fällt es oft schwer, die Gesichter der Gäste zu erkennen, weil im Studio eine dichte Rauchwolke hängt. Heute dürfen bekanntlich nur noch Helmut und Loki Schmidt im Fernsehen rauchen – und machen von diesem Privileg exzessiv Gebrauch.“

Stimmt nicht ganz. Es gibt auch noch ein paar andere Fernseh-Raucher, zum Beispiel den Ex-Staatsminister für Kultur Michael Naumann, den ich auch mal in einem sehr interessanten Fernseh-Interview erleben durfte. Aber das war auf 3sat und nicht beim Beckmann, haben also wahrscheinlich vergleichsweise wenige Menschen gesehen, im ARD-Fernsehen darf nur Schmidt.

Worum genau es in dem Naumann-Gespräch ging, weiß ich leider nicht mehr, aber wie Helmut Schmidt pflegt auch der ebenso passionierte Raucher Michael Naumann immer sehr schlaue Sachen von sich zu geben, weshalb ich im sicherlich an den Lippen gehangen habe, zusammen mit dem Glimmstängel. Auch interessant: Helmut Schmidt ist seit 1983 Mitherausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“, Michael Naumann seit 2001. Vielleicht ist das Rauchen da ja Einstellungsvoraussetzung, man weiß es nicht. Jedenfalls musste der Beckmann das Rauchen in der Sendung auch thematisieren:

Schmidt: „Wir haben noch Stoff für drei Stunden Sendung.“

Beckmann (zeigt auf Schmidts Zigarettenschachtel): „Haben Sie denn noch genug Stoff?“

Schmidt: Ich hab noch drei Zigaretten, dann müssen wir aufhören.“

Und so war’s dann auch. Vorher ging’s aber noch kurz um den einzigen Plan, den Schmidt jetzt noch verfolgt: das Verfassen seines letzten Buches. Das wäre dann sein sechzehntes, wenn ich mich nicht verzählt habe. Wenn das mal nicht „rüstig“ ist.

2 Meinungen

  1. Hy!!Ich habe als abschluss Präsentationsthem Helmut Scmidt gewählt und ich wollte fragen ob mir jemand ein paar insider infos oder videos von ihm schicken könnte??!MFG

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