Half Moon – Grauhaarige Headbanger touren durchs wilde Kurdistan

Schnell, ein Fahrzeug muss her, für möglichst viele Personen. Ein abgewrackter, orangefarbener, ehemaliger US-Schulbus wird organisiert, reisefertig hergerichtet und mit Mamo, seinen neun Söhnen und jeder Menge Instrumenten vollgestopft. Kako fährt den Bus, seinen Lieblingskampfhahn – „absolut vogelgrippefrei" – als gackerndes Maskottchen auf dem Armaturenbrett.

Dunkle Todesahnungen

Die Stimmung in der Männermusikantentruppe ist bestens – so scheint es jedenfalls. Doch nach und nach wird nicht nur Mamo von dunklen Todesahnungen heimgesucht, auch seine Söhne haben Bedenken, was die Konzert-Tour in den Irak betrifft. Mamo lässt sich nicht aufhalten, weder von seiner kranken Tochter noch von der Tatsache, dass seiner Musikergruppe nun die Sängerin fehlt. Hesho, die vor Jahren mit 1334 anderen Sängerinnen in ein abgelegenes Bergdorf im Iran verbannt wurde, soll an Stelle von Mamos Tochter singen. Und Mamo hat sogar schon einen Plan, wie er Hesho in den Bus schmuggeln kann…

Zeit der trunkenen Pferde

Vordergründig zeigt Bahman Ghobadi, dessen Regiedebüt „Zeit der trunkenen Pferde" (2000) die Goldene Kamera gewann, einen alten Mann, der sich seinen letzten großen Traum erfüllen will. Vielmehr geht es ihm jedoch um die kurdische Kultur und ihre Geschichte. Diese Kultur ist zwar modern geworden, Mobiltelefone und Laptops haben Einzug gehalten, und doch ist sie mit den jahrhundertealten Traditionen noch immer fest verbunden.

Fremde Mythen

Ghobadi gelingt ein riskanter Spagat zwischen Komik und Tragik. Er entführt den Zuschauer in eine Welt voller fremder Mythen und Restriktionen. Alte Männer mit weißen Haaren tanzen Headbanging, junge Frauen in farbenfrohen Gewändern schlagen Tamburine und verzaubern mit ihren wunderschönen Stimmen die karge iranische Bergwelt. Ghobadis fantasievolles Roadmovie lässt den Zuschauer schwanken zwischen dem Bedürfnis, dieses fremde Land bereisen zu wollen und der Erleichterung, es nur vom Kinosessel aus sehen zu müssen.

Im Iran verboten

Im Iran wurde „Half Moon" kurz nach seiner Uraufführung aufgrund seiner Regimekritik verboten. Der deutsche Verleih zeigt den Film in der kurdischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Eine Meinung

  1. seit wann gibt es denn Kurdistan?? ist mir aber SEHR neu

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.