Sandkastenkrieg mit alten Männern

Im Radio (SWR3) hieß es, dass sich beide ihre Tempel bauen wollten. Sprich: Herr Schell (GDL-Vorsitzender) will angeblich einen nie dagewesenen Tarifabschluss erreichen, bevor er in Rente geht (er ist jetzt 64), und Mehdorn (60 Jahre alt) will die Bahn an die Börse bringen, was sein Tempel sein soll. Wenn nun doch noch ein Moderator hinzugezogen wird (auch Schlichter genannt, denn wenn niemand etwas sagt, muss auch nichts moderiert werden) könnte man den Streik noch verhindern, aber es läuft doch irgendwie alles auf einen großen Sandkasten-Krieg, auf Kosten der Gesamtwirtschaft.

Wenn ich mir die beiden Seiten betrachte, dann finde ich hat eigentlich nur Herr Mehdorn eine realistische Chance seine derzeitige "Tempel"-Planung umzusetzen, wenn auch die Schienen nicht an die Börse gehen mögen, dann doch der Rest. Aber was denkt sich Herr Schell bei seiner Forderung? Inzwischen gibt er sich ja etwas verhandlungsbereit, denn nun will er "nur" noch einen eigenen Tarifvertrag, statt den 31% (angeblich ließe sich über alles andere verhandeln; wer’s glaubt). Laut diesem Interview müsste Herr Schell doch sehr siegessicher sein, denn demnach hat die Bahn keinerlei Handhabe gegen die Lokführer.

Wirklich keine? Ist die GDL sooo mächtig? Wenn dem so ist, dann sollte man schleunigst daran etwas ändern, denn weiterhin muss gelten: "Jeder ist ersetzbar". Meine Idee steht immer noch: automatische Lokführersysteme. Vielleicht nicht jetzt, aber in 5 Jahren denkbar, denn Pilotsysteme sind schon in einigen Städten im Einsatz, da ist nur fürs gute Gefühl ein Mensch hinterm Steuer. Warum also nicht auch bei den 50km/h rumkriechenden RB-Zügen, dann kann man schon mal ein paar Streiktage länger aushalten. Und die verbeamteten Lokführer kriegen dann Crash-Kurse im ICE/IC/RE, und schon läuft es wieder halbwegs ohne die GDL-Lokführer. Ich sehe schon die Werbe-Slogans: "Nie wieder Verspätung durch Streik, denn Computer streiken nicht". Was natürlich maßlos übertrieben wäre, denn auch Computer streiken hin und wieder, aber besser als "3 Minuten sind 3 Minuten zu viel" ist es dann doch allemal.

Allerdings glaube ich trotz allem, dass Herr Schell diesen Kampf verlieren wird, oder er muss seinen Tempel deutlich kleiner ausfallen lassen müssen, wenn er ihn denn überhaupt bauen möchte. Wir werden sehen, wie viel von Deutschlands spärlichen Aufschwung dabei auf der Strecke bleibt, wenn sich zwei Opis kloppen.

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