Echte Russen mögen keinen Kaviar

Kaminer führt uns durch zehn Staaten russischer Küche, skizziert die Länder in geschichtlichen und geopolitischen Kurzabrissen und stellt dem Ganzen  jeweils eine besonderes Erlebnis im Zusammenhang mit einem spezifischen Gericht zur Seite. Ergänzt werden diese Ausführungen durch mehrere Rezepte, für deren Kochbarkeit sich Olga Kaminer persönlich verbürgt.
Wir reisen so, schmausend und belustigt von karrikierenden Anekdoten, durch Armenien, Weißrussland, Georgien, die Ukraine, Aserbaidschan, Sibirien, Usbekistan, Lettland, Tatarstan und Südrussland. „Lach dich satt“ ist die Devise dieser  kulinarischen Länderkunde.
 
„Erst Zar Peter der Große brachte die Kartoffel nach Weißrussland, im Zuge einer allgemeinen russischen Kartoffelreform. Laut der Legende musste sich Peter keine große Mühe machen, um die Bevölkerung für die neue Speise und ihren Anbau zu begeistern. Er ließ rund um das Kartoffelfeld Schilder aufstellen, die einem Dieb mit Todesstrafe drohten – und gleich in der ersten Nacht wurde das ganze Feld leer geräumt. (…) Einige mögen denken, diese ganzen regionalen Rezepte sind nur ein Spaß für den Magen – aufgegessen und vergessen. Ich aber weiß, dass der verzehr eines Nationalgerichtes nachhaltige Folgen für das ganze Leben haben kann. Ein bekannter von mir, den ich auf einer Lesereise durch die neuen Bundesländer kennen lernte, erzählte mir einmal, wie das aserbaidschanische Gericht „Lula Kebap“ sein damals anarchisches Studentenleben in die richtige Bahn lenkte.“
Was folgt ist eine superlustige  Geschichte in deren Mittelpunkt eben jenes Gericht steht, dass bei der zukünftigen Gattenwahl  für einen durchschlagenden Erfolg sorgte. Leider fehlt genau hierfür das Rezept.
Ravi Unger schreibt zum Buch: „Ach, Kaminer macht schon Spaß, wenn er Sibirien, diese deutsche TV-Seelenlandschaft, wie er verwundert anmerkt, auf der Suche nach Essbarem durchstreift, aus der Ukraine die „Fischrolle ‚Das Geheimnis'“ an Land zieht (trockene Gelatine darüberstreuen!), oder von Gleb, dem Armeekumpel berichtet, der seine geliebten weißrussischen Bratkartoffeln aus purer Not in Vaseline briet, ein Versuch der uns gnädig erspart bleibt. Kaminers sozusagen mit stoischer Miene vorgetragenen Lausbubengeschichten, wie auch seine spitz milden Kommentare zur — zugegeben recht problematischen Politik einiger ehemaliger Sowjetstaaten — werden die stattliche Hitliste seiner bisherigen Bücher garantiert um ein weiteres bereichern“. Spannend und aufschlussreich sind auch die drei Anhänge zu den Themen: Kaviar, Wodka und, wichtig! „Muttis Küche“, ohne die es jemanden wie Tim Mälzer ja gar nicht gäbe.
„Das einzige Gericht, das dem weit verbreiteten Klischee über die Russen und deren nationaler Küche entspricht, ist der Wodka, der in Russland tatsächlich oft als Hauptspeise behandelt wird“.  Schluss hier, lesen müsst ihr es selbst.
Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Er veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, hat eine Sendung namens „Russendisko Club“ beim RBB Radio MultiKulti sowie eine Rubrik im ZDF-Morgenmagazin.
Olga Kaminer wurde auf Sacahalin geboren, zog mit 16 nach Leningrad, wo sie Chemie studierte. 1990 wanderte sie nach Deutschland aus; heute lebt sie mit ihrem Mann ( Vladimir Kaminer)  und ihren beiden Kindern in Berlin. 2005 veröffentlichte Sie die Erzählungen: „Alle meine Katzen“.
 
Küche totalitär – Das Kochbuch des Sozialismus von Wladimir und Olga Kaminer, Manhatten 2006, 17,99 Euro. Auch als Hörbuch erhältlich.
 
 

 
 
 

Eine Meinung

  1. also ich bin russe und ich lieeeebe kaviar … natürlich kann ich mir den ganz teuren nicht leisten aber das tut hier nichts zur sache ^^ …ich mag am liebsten roten lachskaviar und ich kenne keinen russen der den nicht mag

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