Der Liebesfälscher: Juliette Binoche wird Kunstphilosophin

Es klingt wie ein perfekter, ja, fast kitschiger, Liebesfilm: Florenz an einem lauen Frühlingstag, warme leuchtende Farben und das bunte, liebenswerte italienische Treiben. Inmitten dieses lebendigen Stücks Toskana, ein Pärchen: Sie, ein wenig nervös und verlegen, er, ein wenig zurückhaltend und abwartend. Und dennoch bewegen sie sich wie zwei Magneten magisch aufeinander zu, wie Frischverliebte dies so tun. Doch nichts ist, wie es scheint in diesem Film des preisgekrönten iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami, der nicht umsonst den Titel „Der Liebesfälscher“ (Certified Copy) trägt und mehr als ein Jahr nach seinem internationalen Kinostart nun endlich auch in die deutschen Kinos kommt.

Der Liebesfälscher oder gibt es die wahre Liebe wirklich?

So dreht sich denn auch alles um die Frage: Was ist Original und was ist Fälschung? Gibt es überhaupt so etwas wie einen authentischen Ursprung? Ist die Kunst nur eine schlechte Kopie der Natur? Und was passiert, wenn die Fälschung besser als das Original ist? Von wegen laues Liebesgeplänkel! Die Fragen, die sich Kunsthistoriker James Miller und Elle, gespielt von William Shimmel und Juliette Binoche, stellen, erinnern eher an ein geisteswissenschaftliches Seminar als an seichtes Geplauder in der schönen Toskana. Und so enthüllen die beiden nach und nach den äußeren Schein der Kunst und nähern sich dabei Schicht um Schicht ihrer eigenen Geschichte und der wirklich großen Frage: Gibt es die wahre Liebe?

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Fälschung oder Original – Juliette Binoche glänzt als wahre Künstlerin

Eine klare Antwort liefert der Film nicht. Das wäre auch zu einfach. Er regt uns aber an, weiter zu denken als bis zur romantischen Hochzeitsnacht, weiter als bis zum schönen Hollywood Happy End. Schließlich ist alles stets in Bewegung. „Alles verändert sich und was dann?“, fragt auch Elle. Herausragend gespielt von Juliette Binoche, stellt sie dabei ihren Filmpartner mühelos in den Schatten. Binoche spielt nicht nur einfach die fragende und hinterfragende Elle (den Prototyp aller „Sies“ dieser Welt), sie lebt sie und erweckt sie dadurch zum Leben. Unter anderem wurde ihre Darstellung auch in Cannes gewürdigt, wo sie 2010 den Preis als beste Darstellerin für ihr Spiel entgegennehmen durfte. Auch wenn „Der Liebesfälscher“ streckenweise stark an den Film „Before Sunrise“ erinnert, ist er absolut empfehlenswert für alle, die auf der Suche nach der großen Liebe sind und dabei keine eindeutigen Antworten erwarten.

Der Film läuft am 13. Oktober in den deutschen Kinos an.

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