Coogans Bluff mit ‚Poncho Express‘: Brennend heißer Wüstensand

So kann es manchmal gehen, da veröffentlicht man ein Album, will sich nach diversen Touren eine kleine Auszeit gönnen und dann stolpert man beim lockeren Jammen über derartig großartige Ideen, dass man sie am Kragen packen und zurück ins Studio ziehen muss.

Poncho Express: Wild West Trip ins Nirwana

So kommt es dann wohl, dass Coogans Bluff knapp ein Jahr nach „Magic Bubbles“ schon die nächste Scheibe auf den Markt bringen, „Poncho Express“ heißt das gute Stück, auf dem Albumcover steht ein Maultier und wartet, dass man aufsitzt und sich ins Nirwana tragen lässt und während man sich auf dem Vierbeiner durchschütteln lässt, nickt man langsam ein.

Irgendwann wacht man dann auf, hustet Staub und Blut und weiß erst gar nicht wo man ist. Aggressiv brüllt einem die Hitze entgegen, flimmert es vor den Augen, „get off my feet“, langsam spürt man auch den Rest vom Körper, ein pochender Schädel, schmerzende Glieder, die Haut schlägt Blasen.

Coogans Bluff geben sich funk-ey

Der Opener „Beefheart“ hämmert es einem mehr als 9 Minuten ein, keine Zeit, um sich alten Pfaden zu widmen, die Bluffer sind irgendwo in der Wildnis abgebogen und haben noch ein paar Bläser aufgegabelt, Funk fließt in die Songs, darf sich in „the dirt keeps the funk“ richtig austoben.
Mittlerweile ist man dann auch einigermaßen zu sich gekommen, hat sich arrangieren können. Kein Hardrock mehr, Stonerrock sowieso nicht, Funkrock?
Egal was, hier wird sich weit heraus gelehnt und während man sich auf den Vorgängeralben gerne eine Idee genommen hat, um sich auf sie zu konzentrieren, darf auf „Poncho Express“ gewandert werden, musikalisch versteht sich, obwohl man natürlich auch gerne selbst die Wüste zur Selbsterkundung besuchen darf, auf eigene Gefahr natürlich.
So entsteht ein sehr wohl cineastischer Soundtrack, der irgendwo zwischen 70er Jahre Blaxspoitation und 60er Westernfilmen liegt, wer also demnächst mal wieder ein Gebäude in die Luft sprengen will, um mit Fluppe im Mund cool gen Kamera zu wandern und dafür musikalische Untermalung sucht, der kann sich hier bedienen.

Coogans Bluff erkunden viel, auch mal ohne Sänger Thilo findet man hier größtenteils Instrumentals, die geradezu hypnotisierend wirken, vor allem live kann man sich da schnell in Trance tanzen. Auf „Beefheart“ wird ein manischer Clemens ans Mikro gelassen, dass Basser so viel Tom Waits in sich tragen, ist auch neu, sollte aber definitiv öfter ausgenutzt werden.

Schaurig schönes Musikvideo zu „Beefheart“

„Poncho Express“, der Name ist Programm, irgendwo hört man die Geier kreischen, im Musikvideo zu „Beefheart“ wird sich grausiger Mörderballaden und Western bedient, mythischer Krötengötter und nackter Gewalt.
Ob es einfach ein Ausflug in eine andere Musikrichtung ist oder aber zu einem Dauerzustand wird, ob etwa Max am Saxofon und Stefan an der Posaune bald feste Bluffer werden, wer weiß es schon, leider sind die jungen Herren ja so anspruchsvoll und experimentell, dass man das schlecht voraussagen kann. Furchtbar, wenn die Schubladen klemmen und man nicht weiß, wohin mit einer Band, als nächstes stehen dann wohl Kollaborationen mit Mike Patton an.

[youtube mkJUpkHD-EQ]

Eine Meinung

  1. Mir gefällts, wenn eine Band so vielseitig ist und die Hörer immer wieder neu überrascht! Ich hoffe, die Jungs sind bald mal wieder in Berlin.

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