Colum McCann: Zoli

Zoli und ihr Großvater entkommen und ziehen gemeinsam weiter. Das traumatisierte Mädchen und der Mann, der mit seinen nicht einmal vierzig Jahren schon uralt wirkt, aber ziemlich gerissen ist, wachsen eng zusammen. Der Großvater sympathisiert mit den Kommunisten, was ihm immer wieder Scherereien einbringt. Aber er sorgt auch dafür, dass Zoli Lesen und Schreiben lernt – mithilfe des Buches „Kapital“ von Marx – und sich somit vom Rest ihres Stammes etwas abhebt. Allerdings bleibt das ihrer beider Geheimnis, denn es gehört sich nicht für ein Zigeunermädchen etwas zu können, was sonst nur den Sippenältesten vorbehalten ist.

Grausame und leidenschaftliche Momente säumen Zolis Lebensweg. Mit vierzehn wird sie mit einem alten Geiger verheiratet, den sie allerdings zu schätzen weiß, da er in seinem Kopf fortschrittlich genug ist, um seiner Frau keine Grenzen zu setzen, die sie nicht einhalten könnte.

Verfolgt von den Nazis, den Verlust des Großvaters nur schwer verkraftend, hat es Zoli nicht leicht. Und verarbeitet ihre Gefühle in Gedichten und Gesängen. Für die sich bald der junge Journalist Stephen Swann interessiert. Und er interessiert sich nicht nur dafür. Zoli kommt groß raus und verkehrt regelmäßig in literarischen Kreisen. Sie mutiert zur Vorzeige-Zigeunerin. Was den Roma gar nicht passt. Und den Kommunisten auch nicht wirklich…

Die Idee zu diesem Buch kam Colum McCann bei einem Gespräch mit seiner Frau, die gerade von einer Roma gelesen hatte, die als Mädchen den Holocaust überlebte und später Dichterin wurde. Dieses Mädchen wurde zur Hauptfigur seines Romanes. Eine Hauptfigur, bei der man sich regelmäßig fragt, wie viel sie wohl noch zu ertragen hat. Diese in sich völlig einsame Frau ist nach außen hin stark und selbst zu einer Zeit, als sie versucht, sich selbst aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen, macht sie das nur, weil ihr Stolz ihr das befiehlt. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, die auch die maskulinen Seiten ihres Spitznamens widerspiegelt. So stellt man sie sich vor, die echte Zigeunerin!

Der Stoff, aus dem dieses Buch gewebt ist, ist gut. Historisch perfekt nachrecherchiert und sehr farbig erzählt. Fast schon zu farbig. Denn das Buch erhält dadurch deutliche Längen. Der Perspektivenwechsel macht es nicht einfacher, denn der Autor zwingt den Leser immer wieder, sich dem zu stellen und sich durch eine Atmosphäre von zu vielen Adjektiven zu wühlen. Um dann bei einem Happy-End zu landen, mit dem man nicht gerechnet hätte.

Colum Mc Cann: „Zoli“, erschienen im August 2008 bei Rowohlt (rororo) als Taschenbuch mit knapp 400 Seiten für 9.95 Euro. Wer die gebundene Fassung bevorzugt, muss rund 10 Euro mehr dafür bezahlen und findet den Titel ebenfalls bei Rowohlt.

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