Bekenntnisse eines Nachtsportlers

Olympiagold bringt Boning zum Laufen

2ooo. Olympische Sommerspiele. Heike Drechsler gewinnt Gold für Deutschland. Dieser Sieg stellt den Ausgangspunkt der sportlichen Karriere von Boning dar. Gleichzeitig fällt der Startschuss für sein nachfolgendes Buchprojekt. Von enormen Eifer und Trainingsfleiß beseelt, beschließt der Comedian spontan mit dem Ausdauersport zu beginnen. Und, dass obwohl er mit Zeit nicht gerade gesegnet ist. Außerdem befürchtet er um sein Image bei öffentlichen Sportauftritten. Boning schreibt: „Für einen Fernsehfritzen ist es immer eine gefährliche Sache, öffentlich in Grenzbereiche vorzustoßen, weil ihm in der Grauzone zwischen Tunnelblick und Sauerstoffzelt die Kontrolle über seine mediale Performance entgleiten kann."

Über Stock und Stein zur nächsten TV Sendung

Seine Schlaflosigkeit in der Nacht kombiniert er mit Trainingseinheiten. Mit einer Kopfleuchte bewaffnet, bereitet er sich neben normalen Waldläufen auf diverse Marathons vor. Zwischen Drehterminen für „Clever" Sendungen und Filmpreisverleihungen schafft es Boning sein Trainingspensum permanent auszubauen. Perfekte Planung ist alles. Er nimmt den Leser mit auf die Berge, in die dunklen Wälder und querfeldein durch Bayern. Er lässt sich von Johann Mühlegg die Berge raufhetzen, fährt mit dem Fahrrad von Köln nach Paris, nimmt an 24 Stunden Bike Rennen teil und wandert von Bayern nach Italien.

Durchgeknallt und auf der Flucht

Manchmal gerät selbst dieser ausgeflippte Mann ins Grübeln: „Kann man überhaupt 100 Kilometer am Stück laufen? Klar, Wehrmachtsoldaten auf der Flucht aus sibirischen Kriegsgefangenenlagern, gehetzt von ausgehungerten Wölfen, außerdem Reinhold Messner, wenn er Geld braucht, und irgendwelche arbeitslosen Profilneurotiker, um ins Fernsehen zu kommen – aber normale Leute?" Kurios, dass er sich noch zu den Normalpersonen zu zählen. Das ist er beileibe nicht.

Der Mann scheint etwas am Kopf zu haben, mutet es dem Leser an, wenn Boning seine Trainings- und Ernährungspläne wortgewandt schildert. Dabei scheint ihn nichts aufzuhalten: Weder Komaattacke nach Flüssigkeitsmangel zu Trainingszwecken oder 24 Stunden Tretboottour auf einem kleinen Tümpel. Der Komiker bleibt sich treu. Die durchgeknallte Type ist mit seinem Humor so freakig wie die Zeilen in seinem Buch. Diejenigen, die seinen Humor mögen, werden das Buch lieben und sich gleich auf Fahrrad schwingen. Die anderen Leser werden mit dem Kopfschütteln und sagen: Der ist krank.

So kommt er nicht umhin selbst festzustellen: „Im Regelfall sind professionelle Komiker gemütliche Pummels mit allerlei körperlichen, seelischen und sozialen Defekten, ich jedoch fühle mich in der Blüte meiner Jahre, energiegeladen wie ein Druckwasserreaktor, sexy und begehrenswert, ein besonders glänzender Zacken in der Krone der Schöpfung. Kurz: Das geilste Stück Fernsehen seit Erfindung der Gummilinse."

Eine Meinung

  1. Auch wenn ich Wigald Boning sehr lustig finde und er wirklich sehr gebildeter Mensch ist, werd ich es wohl nicht lesen … ich brauch schon bisschen Anspruch 🙂

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