Awolnation im Interview und ‚Megalithic Symphony‘: Das beste Popalbum, das ihr 2011 hören werdet!

Die große, erschreckend weitläufige Landschaft des Pop ist Awolnations Konzept, „Megalithic Symphony“ startet mit der augenzwinkernd großspurigen Vorstellung Awolnations, zitiert dann ein paar Szenen aus altbackenen Horrorfilmen, um mit „Soul Wars“ direkt in das atemlose Rennen seines Debüts einzusteigen. Dass er früher auch in einer Hardcore Band gespielt hat, hört man immer mal wieder positiv heraus, wenn der Gesang allzu manisch wird, aber keine Sorge, Bruno hat eine wunderbare Singstimme, die er vor allem live als auch im Studio perfekt unter Kontrolle hat.

Awolnation erfindet den Pop neu

Funky Beats, Eurodance-Synthies, Rap-Auftritte, Little Richard Referenzen, 80er Anleihen: Es scheint nichts zu geben, was es in der bunten Songlandschaft von Awolnation nicht gibt. Das mag daran liegen, dass Aaron Bruno als Kind nicht nur Hip Hop und Punk hörte, sondern auch die 80er Plattensammlung mit der Muttermilch aufsog und auch die großen Alternative Platten seiner Jugend nicht außen vor ließ. Daher – so schrecklich es für mich als Rezensentin ist – entzieht sich Aarons Projekt jeglichen offensichtlichen Vergleichen. In „People“ etwa zeigt er, wie man einen doch ansonsten so kitschig erscheinenden Chor (wir denken da schaudernd an The Killers) so unendlich passend und cool einbauen kann, dass man selbst glücklich mitsingt, ohne sich schämen zu müssen. Sowieso ist es erstaunlich, wie Bruno Details aus klischeebeladenen Top 40 Songs nimmt und sie so geschickt in seine Songs einbaut, dass sie tatsächlich stimmig, persönlich und innovativ klingen.
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Und selbst wenn in den Texten auch schon sehr düster-zynische Weltsichten zu finden sind, sind es Songs wie „Jump on my shoulders“ oder das packende „Sail“ (unlängst bei Jimmy Kimmel dargeboten), die den Hörer aufheben und weiter tragen, Awolnation hilft auch durch die dunklen Tage, wie Aaron selbst sagt:

Das ist, was Musik für mich tut, manchmal tut es auch gut, traurige Songs zu hören, es ist schon merkwürdig, wie wohltuend Traurigkeit sein kann und manchmal möchte man etwas hören, das den Adrenalinpegel steigen lässt, um durch den Tag zu kommen. Es war nicht direkt geplant, aber alles, was ich auf dem Album habe, ist motivierend, ob nun emotional oder anderweitig.
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Tanzbar, gefühlvoll, ehrlich, bunt und einzigartig, Aaron Brunos Visionen sind die Art von Pop, die man sich im Radio wünscht, von den genialen Hooks begonnen, bis zu all diesen schillernden Elementen, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen, von dem man nicht genug bekommen kann.
Erinnert sich noch jemand an die Süßigkeitenläden von damals, wo einem die einzelnen Plastikbehälter mit sauren Stangen, Schlümpfen, Kirschschnüren, Karamellbonbons und Kaugummis entgegen lachten? Das ist „Megalithic Symphony“ für den Pop.

Für die Entstehung kann man nicht nur einem fleißigen Aaron Bruno danken, sondern auch vielen engen Bekanntschaften, etwa mit dem Red Bull Records Label, das ihm kostenlose Studiozeit anbot, ein Wiedersehen dort mit einem engen Freund, der praktischerweise Soundtechniker war, die Zusammenarbeit mit Chris Thorne, dem ehemaligen Gitarristen der 90er Indieband Blind Melon (der auch in der Liveband mitspielt) – nach und nach kam alles zusammen.

Red Bull kam auf mich zu und bot mir an, in ihrem Studio aufzunehmen und natürlich wollte ich, aber ich dachte nur „Augenblick mal, wo ist der Haken, muss ich einen Vertrag unterschreiben, ist es ein Demo-Deal oder so etwas in der Art?“ und sie meinten, „Nein, es gibt keinen Haken, wir finden deine Sachen interessant und wollen sehen, was du so produzierst.“

Alles begann mit einer EP

„Back form Earth“ sollte eigentlich nur dazu da sein, das bis dahin immens erfolgreiche „Sail“ samt einiger anderer Songs für die Fans erhältlich zu machen, denn durch die Aufmerksamkeit diverser Radiostationen wollten mehr und mehr den Sound von Awolnation auch für zuhause, es wäre dumm gewesen, ihnen nichts bieten zu können, selbst wenn die Kollektion noch nicht komplett war. Doch die EP war nur eine Notlösung, knapp ein Jahr später stand das komplette Album, darunter der letzte finale Song „Knights of Shame“, auf den Aaron besonders stolz ist:

Ich wollte eigentlich nur einen Song machen, der länger als 6 Minuten geht und der nicht langweilig ist. Und am Ende war er 12 Minuten lang und mein Lieblingssong auf dem Album und viele andere Leute scheinen sich auch zu ihm hingezogen zu fühlen. Es war nichts geplantes, sondern eher ein Experiment, das erfolgreich war und als ich den Song schrieb, gab es bereits genug Songs auf der Platte, die leicht verdaulich und poppig genug waren, um als Singles zu fungieren, deswegen war der Druck weg, einen Hit zu schreiben. Ich hab nur etwas geschrieben, das ich cool fand, aber ich bin es nie zu verkopft angegangen. Als der Song erstmal 3 Minuten lang war, hab ich ihn mir gar nicht mehr komplett angehört, sondern habe immer nur weitere Stücke rangehängt und als er bereits 8 Minuten lang war, hab ich ihn mir dann endlich mal von vorne bis hinten angehört und dachte nur „meine Güte, das ist das verdammt Merkwürdigste, was ich jemals gehört habe“, aber ich liebe es. Textlich fasst der Song zusammen, wie ich die Welt sehe und wie das Leben mit mir und meinen Freunden umgegangen ist und wie das meine Augen geöffnet hat.

„Knights of Shame“ entstand nach und nach und beinhaltet sogar ein paar Raps, die von seinem Toningenieur und einem Underground Rapper namens Curtain$ eingesprochen wurden. Ein lang ersehnter Traum von Bruno, da Hip Hop bereits in der High School eine Leidenschaft des Musikers war.
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Looking out for the Spaceman

Rund herum entstand auch das Raumfahrt-Konzept, da er jeher ein großer Fan alter Trash Sci-Fi Filme war, erschien die mediale Umrahmung seiner Musik mit Mockumentaries rund um den „Spaceman“, der mittlerweile ein kleines Eigenleben entwickelt hat.

Ich hab mich immer ein wenig wie ein Außenseiter gefühlt und ich hab immer die schlimmsten Science Fiction B-Filme geliebt und ich fand die Zukunftsvision immer faszinierend, die diese 80er Filme hatten, wie sich die Leute in den 70ern und frühen 80ern die Zukunft vorgestellt haben, war für mich beeindruckend, daher wollte ich das Thema irgendwie verfolgen. Und der Spaceman war eigentlich ein Unfall, weil ich nur einen Astronautenhelm haben wollte, um ihn eventuell zu tragen und der Helm, den das Label für das Musikvideo hatte, war total bescheuert, deshalb haben wir einen total generischen 80er Jahre Helm selbst gebastelt und plötzlich haben alle danach gefragt und so ist der Spaceman wohl zu einer Art Maskottchen geworden, der die Dinge auch leichtherzig hält, weil er halt ziemlich tollpatschig und strohdumm ist, er ist kein Superheld, er wäre es gerne, aber er ist keiner. Er ist nur ein normaler Typ, der versucht, im Leben zurecht zu kommen und ich denke, damit kann sich jeder identifizieren. 
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So viel Schönheit

Geht in den Plattenladen eurer Wahl, gerne auch Online, fragt nach „Megalithic Symphony“, kauft es und geht auf den schnellsten Weg wieder nach hause. Ab in den Player und schon könnt ihr all das, was Pop sein möchte, auf einer 52-Minütigen Scheibe hören und dann noch mal hören und dann noch mal.

Danke Aaron.

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