Autobahngesellschaft: Immer mehr Brücken in Deutschland sind sanierungsbedürftig

Bundesweit befinden sich sehr viele Brücken des Verkehrsnetzes in einem bedauernswerten Zustand. Wenn nicht zügig gehandelt wird, drohen zukünftig erhebliche Verkehrsbehinderungen und Sperrungen.

Alte Bausubstanz aus den Jahren des Wirtschaftswunders

Laut Informationen der Online-Redaktion des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ kommt eine interne Untersuchung der bundeseigenen Autobahngesellschaft zu dem Schluss, dass nicht etwa 200, sondern 400 der insgesamt 28.000 Brücken in Deutschland in den nächsten Jahren saniert oder gar abgerissen und neu gebaut werden müssen.

Viele der betroffenen Verkehrsübergänge stammen aus den Fünfziger- bis Siebzigerjahren. Zu den bisher bekannten Problemfällen gehören die Elsenbrücke in Berlin-Treptow, die Leverkusener Rheinbrücke, die bereits im letzten Jahr wegen akuter Einsturzgefahr gesprengte Salzbachtalbrücke in Wiesbaden sowie die Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid. Sie muss ebenfalls abgerissen werden.

Krisen-Schwerpunkt NRW

Nordrhein-Westfalen ist das Land mit den größten Problemen in Bezug auf eine sanierungsbedürftige Infrastruktur. Dort sind seit den Fünfzigerjahren besonders viele Autobahnen, Straßen und Brücken gebaut worden. Auf ihnen ist besonders viel Lkw-Verkehr unterwegs, mit immer gewichtigeren Nutzlasten.

Ein weiterer Problemfall liegt laut Autobahngesellschaft im Bundesland Hessen: Die auch als Rhön-Linie bekannte A7, deren Brücken über viele Täler führen. Der zwei-Städte-Staat Bremen ist ein weiteres Gebiet, in dem Handlungsbedarf wegen maroder Brücken besteht.

Warnungen der Bauindustrie

Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) hat kürzlich vor einem bundesweiten Brückenkollaps gewarnt. Deshalb fordert die Geschäftsführung des Verbands nun eine „Task Force“, die „alle Kapazitäten, Kräfte und Know-how bündelt, um koordiniert und zügig Herr der Lage zu werden“.

Auf diese Weise könnte die aktuell angenommene Wiederherstellungsdauer einer Brücke von fünf Jahren halbiert werden. Der Handlungsbedarf liegt laut HDB schwerpunktmäßig bei Brücken, die zwischen 1960 und 1979 errichtet wurden. Das sind knapp 40 Prozent aller Brücken in Deutschland.

Kostenexplosion beim Straßen- und Brückenbau

Gleichzeitig nehmen die finanziellen Aufwendungen ständig zu. Laut einer Pressemitteilung des Statistische Bundesamts (Destatis) aus dem Sommer letzten Jahres sind die Wiederinstandsetzung sowie der Abriss und Neubau von Brücken, Straßen und Tunneln in den vergangenen Jahren immer teurer geworden.

So sind die Preise für Bauleistungen im deutschen Straßenbau im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 2011 um 29,1 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum verteuerte sich der Brückenbau mit 24,1 Prozent um ein Viertel.

Nach Angaben von Destatis hat der Öffentliche Gesamthaushalt im Jahr 2020 etwa 14,2 Milliarden Euro für den Straßenbau ausgegeben – das sind gegenüber dem Jahr 2011 nominal mehr als 40 Prozent.

Der Öffentliche Gesamthaushalt setzt sich aus den Haushalten des Bundes, der Länder, der Gemeinden und deren jeweiligen Extrahaushalten zusammen.

Bildnachweis: Pixabay, 1542068, fotosforyou_rk

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