Augen auf im Straßenverkehr

Was mir in den letzten Wochen hier täglich aufgefallen ist, hat nun die Statistik bestätigt: In den letzten sechs Jahren ist die Zahl der cycle journeys in der Stadt um 70 Prozent auf 450,000 pro Tag gestiegen. Reschpekt für alle Radler, denn sich in London mit dem Rad fortzubewegen! Ist nichts, was ich freiwillig tun würde. Zu viel Verkehr, zu wenige Fahrradwege, zu viel Abgase, kurz: zu gefährlich und nervenaufreibend. Und ganz nebenbei werden pro Tag auch noch 70 Räder gestohlen, im Wirtschaftsjahr 2005-2006 waren es 21,236; neuer Rekord.

Aber apropos gefährlich: Auch eine unschuldige Busfahrt kann unerwartet und sehr unschön enden. Am 1. Januar saß ich in einem Bus in Richtung Südlondon und endete zusammen mit den anderen Passagieren fast erst in einer Mauer und dann direkt in einem Riesenstraßenschild. Da ich direkt hinter dem Fahrer und damit ganz vorne saß, hatte ich das Vergnügen alles genauestens mitzubekommen. (Und das war – ohne übertreiben zu wollen – die längste halbe Minute meines Lebens) Dennoch weiß ich immer noch nicht ganz genau, was passiert ist. Meine Rekonstruktion: Der Busfahrer wurde ohnmächtig/ist kurzfristig eingeschlafen/Ähnliches, auf jeden Fall verlor er das Bewusststein und damit die Kontrolle über den Bus. Dass irgendwas nicht stimmte, wurde mir klar, als ich von meinem Buch aufblickte und links eine Mauer gefährlich nahe kommen sah. Der Bus – kein Doppeldecker, sondern einer der so genannten „bendy buses" – bewegte sich dann wieder in Richtung Straßenmitte und direkt auf das eben bereits erwähntes Straßenschild zu. Panik und Geschrei im Bus; jeder fragte sich zu dem Zeitpunkt wohl, warum der Busfahrer nicht bremste. Als der Bus dann zum Stillstand gekommen war, nachdem wir das Schild fein säuberlich umgenietet hatten und alle panisch versuchten aus dem Bus raus zukommen (bescheuerte Emergency Vorrichtung; ich habe die Tür zumindest nicht aufbekommen), wurde mir dann klar warum, denn der Fahrer saß zusammengesunken in seinem Sitz und seinem Plastikkäfig.

Als wir endlich draußen waren und geschockt auf den Bus starrten (der vordere Teil, Windschutzscheibe etc.: alles ziemlich geschrottet, aber – gute deutsche Mercedes Qualität – zum Glück war die Scheibe noch ganz), dämmerte uns allen so langsam, was für ein Glück wir gehabt hatten. Wenn das Schild nicht im Weg gestanden hätte, wer weiß, wo der Bus noch gelandet wäre auf einer stark befahrenen Straße, die direkt auf eine ähnlich stark frequentierte Kreuzung , zuführte ….

Von den Insassen war also keiner verletzt. Nach ein paar Minuten und nachdem ein Passant das Kommando übernommen und Polizei, Feuerwehr etc. gerufen hatte, erfuhren wir allerdings, dass der Bus im Laufe seiner Irrfahrt eine ältere Dame auf dem Bürgersteig erwischt hatte und unter sich bzw. zwischen sich und der Mauer begraben hatte. Keine Chance mehr für sie.

Die nächsten paar Tage habe ich das Busfahren dann erst Mal sein lassen. Ein Rad gekauft habe ich mir allerdings stattdessen noch nicht. Würde ja doch gleich geklaut ……

Ansonsten ist 2007 bisher alles beim Alten in London: Die Frauen laufen immer noch ohne Strümpfe durch die Gegend, egal wie regnerisch, stürmisch oder kalt; deutsche Bundeswehrparkas sind nach wie vor en vogue (und das schon seit Jahren! Habe nie verstanden, warum) und auch die Polizei marschiert weiterhin locker bei Rot über die Fußgängerampel. Das ist die Art von gutem Beispiel, die ich mir von Gesetzeshütern wünsche: Warum sollte ich an einer roten Ampel stehen bleiben, wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist? (Bitte keine Aufschreie jetzt von der politisch-korrekten Fraktion: Natürlich bleibe ich stehen, wenn Kinder in der Nähe sind.) Da kann man doch mal selbst Verantwortung übernehmen und weiter marschieren. Gefährlicher als ein stinknormaler Spaziergang auf dem dafür vorgesehenen Bürgersteig – das weiß ich seit dem 1. Januar – ist es auf jeden Fall nicht.

Eine Meinung

  1. …London ist die langsamste Stadt Europas was die Durchschnittsgeschwindigkeit des Straßenverkehrs angeht. An zweiter Stelle folgt übrigens Berlin.Wahrscheinlich wurde die Durchschnittsgeschwindigkeit in Moskau noch nicht gemessen…ansonsten wäre wahrscheinlich die Russische Haupstadt auf Platz eins… http://www.netticket.de

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