300 – Ein Kriegsfilm für die postheroische Gesellschaft?

300, ein Film von Zack Synder, ist ein Film im Stile von Sin City. Beide basieren auf Comics von Frank Miller, beide bedienen sich modernster Tricktechnik, um die Panels der Comics möglichst werkgetreu auf die Leinwand zu bringen. Doch was bei Robert Rodriguez eine ziemlich redundante Stilübung war, scheint bei Zack Snyder ein stilistisch überwältigendes, blutrünstiges Spektakel zu werden. Kein Wunder, ist die Schlacht an den Thermopylen doch der Inbegriff einer heroischen Niederlage. Im Jahre 480 v. Chr. kämpfte ein kleines Heer spartanischer Krieger, angeführt von ihrem König Leonidas, gegen eine Übermacht persischer Truppen unter der Ägide Xerxes, der Erste. Die Spartaner verloren zwar letztlich durch einen Verrat, doch ihr heroisches Ausharren inspirierte die anderen griechischen Staaten zum Kampf, der schließlich mit einem Sieg der Griechen endete. Manche Historiker sehen in diesem Sieg nun auch einen Sieg der Demokratie über die Tyrannei. In ihrer damaligen Form war die athenische Demokratie zwar noch weit von heutigen Maßstäben entfernt war, doch ein Sieg der Perser gegen die Griechen, hätte dieses zarte Pflänzchen womöglich für immer vernichtet. Insofern war dieser Krieg auch ein Krieg zwischen dem Westen und einer „anderen“, einer „barbarischen“ Lebensform, der sich in den Augen weiter Teile des Westens in ähnlicher Form bis zum heutigen „Krieg gegen den Terror“ zieht. Prinzipiell jedoch hat sich nach dem Ersten Weltkrieg im Westen ein Wandel von heroischen zu postheroischen Gesellschaften vollzogen. Bestimmten vormals Werte wie Ehre, Treue, Aufopferung das Denken, wurde in Folge der Grauen des Ersten Weltkrieges Krieg als Mittel der Politik zunehmend desavouiert. Nur noch in Ausnahmefällen und unter ganz bestimmten Umständen kann es sich eine postheroische Gesellschaft erlauben, Krieg zu führen. Die Gesellschaft jedoch, die in vielerlei Hinsicht noch am ehesten einer heroischen gleichkommt sind die Vereinigten Staaten. Und hier wird ein Film wie 300 interessant, nämlich als Film, der in einer Zeit entsteht, in der Amerika dabei ist, die Möglichkeiten der Kriegsführung nach eigenem Gusto zu verändern. Beschreibt er die Schlacht an den Thermopylen authentisch muss er Sparta als das beschreiben, was es war: Ein Stadtstaat, der für den Krieg lebte, in der ein Mann nur dann ein Bürger war, wenn er auch Krieger war, in der sich Ehre und Einfluss nur durch heroischen Kampf erringen ließ. Ganz offensichtlich ist diese Gesellschaftsform in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptabel, doch die Faszination die diese Kriegerästhetik auch heute noch ausübt ist enorm. Umso interessanter wird die Frage sein, ob 300 ein kritisches Bild Spartas und seiner Werte zeichnen wird. Andererseits zeigte etwa Wolfgang Petersens Troja was passiert, wenn man ein Buch, das aus einer Geisteshaltung geschrieben wurde, die Krieg heroisiert, in einen quasi Antikriegsfilm verwandelt. Das Ergebnis war nicht nur ästhetisch sondern auch moralisch zwiespältig, da die Diskrepanz zwischen Aktion und vorgeblicher Geisteshaltung zu groß war.

Man darf also auf Zach Synders 300, der am 5. April 2007 in Deutschland anlaufen wird, gespannt sein, der zum einen eine faszinierende, abstrakt stilisierte Ästhetik zu benutzen scheint, zum anderen einen interessanten – vermutlich unintendierten – Kommentar zum Heroismus in postheroischen Gesellschaften abgeben könnte.

5 Meinungen

  1. Es ist erstaunlich wie sie die persische Kultur als „barbarisch“ beschreiben. Die Perser hatten zu dieser Zeit eine Hochkultur an die die „demokratischen“ Griechen kaum ran kommen dürften. Das zeigt mal wieder das „Geschichtsverständnis“ von unseren lieben allwissenden Journalisten…

  2. Wie es scheint ist beim ersten Kommentar etwas verwechselt worden. Eine Hochkultur hat nichts mit der Demokratie gemein. Man nehme als Beispiel das heutige China 😉 . Also kann man die damaligen Persern als „Barbaren“ bezeichnen.

  3. Warum können wir in Deutschland einen Film wie „300“ nicht einfach als genial inszenierten,aufgepeppten Historienfilm begreifen,der Konfessions-und Nationen übergreifend für den Kampf für die Freiheit aller Menschen steht.Wer hier proamerikanische Propaganda zur aktuellen Lage im Irak oder einem bevorstehenden Schlag im Iran verstanden haben will ,sollte jedoch folgende Dinge nicht übersehen:Griechenland war anders als die USA nie imperialistisch,und der militärische Underdog sind die Amis auch nie gewesen,da werden sich schon eher die Heiligen Krieger von diesem Film inspiriert fühlen den aussichtslosen Kampf gegen die Weltmacht USA fortzuführen,zumal der spartanische Fatalismus den Dschihad-Sebstmordanschlägen näher kommt als den chirurgischen Hightec-Schlachten der NATO.Darüberhinaus wird das antike Griechenland angegriffen und muss sich verteidigen ,also weit entfernt von der Lage der USA,die nie auf eigenem Boden bedroht wurden ,und einen sinnlosen Angriffskrieg nach dem anderen führen.Wenn ein Ereignis in der Geschichte Anlass genug zu einem vor Pathos,Ehrengeseiere und Blut triefenden Film gibt ,dann die Schlacht der Spartaner bei den Thermophylen.In Braveheart waren auch alle hellauf begeistert wie die leidenschaftlich kämpfenden Schotten der Übermacht aus England Paroli boten.Am grossen Erfolg an den Kinokassen werden die pseudosozialkritischen Kommentare der Kritiker wenig ändern,denn einen guten Streifen,dem man die Überzeugung und die Lust aller Mitwirkenden vom Regisseur bis hin zum Statisten anmerkt ,wird in der Regel auch den letzten Zweifler dazu bewegen, den Platz im Kinosaal mit einem dieser loyalen Weggefährten an der Seite von König Leonidas eintauschen zu wollen,um einer grösseren Sache zu dienen-der Freiheit.

  4. ich find den Film voll scheisse.fällt denen nix besseres ein als so eine scheisse zu verfilmen.tia tüpisch amerika.

  5. Hab den Film schon gesehen (laeuft schon in UK)Einsame Klasse@awa du hast den nicht gesehen oder? und wetten du bist Iraner oder Gutmenscham aller lustigsten ist das sich der Iran bei der UNO beschwert hat http://derstandard.at/?url=/?id=2816415Im Iran aber nonstop Filme gezeigt werden die Juden udn Israel wie auch dne Westen verunglimpfen….Sieht so aus als ob der Iran ein Monopol haben will *g*FOR SPARTA!

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